Montag, 15. Dezember 2014

Montag, 15. Dezember, Margaret River, WA




Montag, 15. Dezember

Es fällt schwer, nicht dauernd über das Wetter zu klagen, aber der Süden dieses Kontinents mag uns wohl nicht besonders. Jedes Mal, wenn wir hier sind, ist das Wetter nicht so richtig für Camping und permanenten Aufenthalt im Freien geeignet. Das war schon 2007 und 2010 so und 2013 nicht besser.
Der vierte Monat unserer Reise beginnt, die letzte Woche ist schon zwei Tage alt.
Langsam geht es nach Norden. In Hamelin Bay machen wir einen weiteren Strandspaziergang, kehren eilends um, als der Himmel hinter uns bedrohlich dunkel wird. War aber falscher Alarm, es bleibt trocken, immer wieder bricht die Sonne durch die Wolken.
Im Leeuwin Estate, das wir aufgrund Erwins Empfehlung besuchen, kaufen wir zwei Flaschen Wein als Gastgeschenk für Elfriede und Wynne. Gestern habe ich ihn telefonisch erreicht, Donnerstag haben sie Zeit, Freitag ist Elfriede bereits "belegt". Leeuwin Estate ist ein sehr großes, sehr feudales Anwesen. Es gibt hier auch Riesling, ich wundere mich, ob es dafür nicht zu warm ist. Darauf wird mir erklärt, dass sie den Riesling, die Stöcke sind rund 40 Jahre alt, relativ weit stehen haben und nur wenige Blätter entfernen, um die Trauben vor zu intensiver Sonnenstrahlung zu beschützen. Das Ergebnis ist wirklich gut. Auch der "einfache" Shiraz (nur diese beiden Sorten probiere ich, ich muss und will ja noch Autofahren) ist wirklich gut, viel milder als viele Shiraz, die man sonst bekommt.
In the least corner of the caravan park in Margaret River
In Margaret River gibt es angeblich einen Wifi-Hotspot, den jedermann benutzen kann - aber ich finde ihn nicht, da kann mir auch die freundliche Dame im Besucherzentrum nicht weiter helfen. Bei Target kaufe ich mir ein Hemd für den Besuch in Perth und den Heimflug. Ich muss mir aufschreiben, beim Packen vor der nächsten Reise an ein Hemd zu denken.
Ich würde ja am liebsten hier in Australien bleiben, ich habe keine Lust, jetzt oder überhaupt nach Deutschland zurückzukehren. Ich weiß zwar, dass es nicht geht, weder hier noch in Deutschland, aber dennoch wäre es eine schöne Sache. Ich sehe mir seit Tagen Immobilienanzeigen an - es ist unglaublich, wie preiswert selbst hier unten in einer dicht besiedelten Gegend (in die wir nicht ziehen würden, viel mehr zieht es uns ins Outback oder in die Gegend von Broome) Grund und Boden ist. Vom Preis für die Häuser ganz zu schweigen, wobei man zugeben muss, dass Baustil und Auflagen nicht mit Deutschland vergleichbar sind.

Sonntag, 14. Dezember

Es war eine sehr kalte Nacht. Ich schätze es auf 12° C, das hatte es weiter unten, hier in den Hügeln könnte es sogar noch weniger gewesen sein. Dafür ist der Wind eingeschlafen.
Auch das Frühstück nehmen wir in der Camp Kitchen ein.
Jarrah on the banks of the Blackwood River
Kurz hinter Bridgetown ist ein ausgewiesener Wanderweg, der Billumgun Track, insgesamt etwa 1.000 km lang. Er führt quer durch den Südwesten von Western Australia nach Perth. Den gehen wir natürlich nicht, dazu ist es schon zu spät, nur einen kleinen Teil wandern wir ab, denn es gibt hier einen Rundweg, dessen eine Seite den Billumgun benutzt. Herrlicher Hochwald, mit Hardwood, Marri, Karri und Jarrah umgibt uns, unter diesen hohen Bäume wachsen mannigfaltige andere Eukalypten, Akazien, Banksia und Grevillea.
Je weiter wir nach Südwesten kommen, desto mehr Verkehr herrscht, es beginnt schon fast, stressig zu werden. 
Cape Leeuwin gilt als südwestlichster Punkt des australischen Festlandes. Dort besuchen wir den Leuchtturm. Man darf ihn nur besteigen, wenn man eine Führung mitmacht, das will ich aber nicht. Und so sehen wir uns (mit Hilfe einer Audioführung) alles rundherum an. Der Leuchtturm ist mit 56 m Höhe der längste in Western Australia und der zweitlägste in Australien. Seit seiner Inbetriebnahme 1894 hat es nur noch ein Schiffsunglück hier am Kap gegeben, vorher waren es 23 in nicht mal 50 Jahren. Seit 1992 ist der Leuchtturm automatisiert, vorher gab es zu fast 100 Jahre jeweils 3 Lighthouse Keeper, die rund um die Uhr dafür veranwortlich waren, dass der Leuchtturm richtig arbeitete. Jeder der drei Keeper hatte ein eigenes Haus mit drei Schlafzimmern. Bis 1976 gab es noch einen weiteren "Keeper", er war dafür verantwortlich, dass die drei Lighthouse Keeper und ihre Familien immer genug Holz zum Kochen und Heizen hatten. Diese Stelle wurde eingespart, sein Haus eingestampft und vermutlich recycled. Matthew Flinders ist hier am Cape Leeuwin nach Osten gestartet, am Ende wurde die erste Umsegelung von Australien daraus.
Cape Leeuwin Lighthouse from a distance
Ein Campingplatz in Augusta lädt uns zum Bleiben ein.

Samstag, 13. Dezember

Gestern Nachmittag habe ich festgestellt, dass alle Kontakte von meinem iPad verschwunden sind. Ich hatte die Kontakte in der iCloud. Offensichtlich hat der Dieb es geschafft, trotz PIN-Sperre auf dem iPhone an die Daten zu kommen und hat sie gelöscht. Hoffentlich kann Apple sie wiederherstellen. Aber dort Hilfe zu bekommen ist fast ebenso schwierig wie bei der deutschen Telekom. Es ist mir nicht gelungen, die deutsche SIM-Karte sperren zu lassen, auf der Homepage findet sich nichts in dieser Richtung und eine passende Servicenummer ist nicht zu finden. Telstra hat wenigstens einen Chat…
Als Folge dieser Feststellung hatte ich eine ziemlich schlechte Nacht, ich habe mir ausgemalt, was noch alles passieren wird, welche Überraschungen mich in dieser Sache noch erwarten.
Crossing the Wheat Train Line
Die heutige Etappe ist ziemlich kurz, deshalb können wir uns viel Zeit lassen. Ich fotografiere immer wieder, fahre gemütlich (was einem niedrigen Spritverbrauch sehr entgegen kommt), und wir sehen uns immer wieder was an - wenn es etwas anzusehen gibt. Weiterhin fahren wir durch Farmland, vorbei an weiten Getreidefeldern, die Ernte ist teils noch im Gang. Immer wieder sitzen Ringnecks auf der Straße und fliegen dann mit dem Bushi um die Wette. Eine Geschwindigkeit von etwa 55 kmh halten sie für zwei Kilometer schon durch. Auch Galas schließen sich gelegentlich der Hetzjagd an. Die Zeit der Goannas auf der Straße ist vorbei, sie hätten hier auch keine Chance, den Autos zu entkommen. Noch gestern haben wir einen Sleepy Lizzard gesehen, heute finde ich einen vertrockneten Kadaver, das war's.
Vom Gregory Tree steht nur noch der untere Teil , der Rest des einst riesigen Jarrah ist der Zeit zum Opfer gefallen. Al Gregory war einer der Explorer der Gegend, der hier 1845 vorbeigekommen und seine Initialen in dem Baum vermerkt hatte.
In Boyup Brook ist in der Visitor Information eine Käfer- und Schmetterlingsausstellung, Teil einer wesentlich größeren Sammlung, die derzeit in Canberra gezeigt wird, zu sehen. Das passt ja gut zu dem Titel unserer diesjährigen Tour.
Der gegen Geld öffentlich zugängliche Rechner in der Visitor Information in Bridgetown ist auf einem dermaßen alten Stand, dass ich mich dort nicht anmelden kann, nicht bei GMX und nicht bei Facebook, um die Passwörter zu ändern. Also hole ich den Klapprechner und wir gehen ins Emporium Café, dort gibt es Wifi. Relativ schnell ist alles erledigt, der Rest ist Routine. Der Kuchen, Brigitte nimmt einen Lemon Meringe und eine heiße Schokolade, ich einen Lemon Cheesecake mit einem frisch zubereiteten Fruit Juice, ist exzellent, sogar mir, der ich sonst kein großer Freund von Kuchen und Torten bin, schmeckt es gut. Über Google finde ich eine Bobi Ward in Fremantle, sie hat einen Facebook Account und könnte, den Bildern nach, "unsere" Bobi sein. Ich stelle eine Freundschaftsanfrage und schicke eine persönliche Nachricht. Mal sehen, was daraus wird.
Der örtliche Caravan Park liegt im Tal des Blackwood Rivers. Wir bekommen einen netten Platz mit Blick auf den Fluss, der etwa 10 m unter uns vorbeifließt - oder besser vorbeidümpelt. Der Wind ist, das geben auch die Einheimischen zu, ziemlich kalt, ein paar Grad mehr wären nett. Zum Glück gibt es auch hier eine große Campingküche mit Gasherd. Zwei Australier beginnen am Barbequeue zu kochen, ein nettes Gespräch kommt zustande, der eine lädt uns ein, ihn in Rockhampton zu besuchen. Aber eine Adresse gibt's nicht.

Freitag, 12. Dezember

Nach Frühstück und Packen steigen wir auf den Hyden Rock und wandern oben herum. Die Sicht ist phantastisch, schon deshalb, weil weit und breit nur eine weitere, ähnliche Erhebung ist, The Humbs, ebenfalls ein Granit, der der Erosion des restlichen Umlandes widerstanden hat. Zwei weitere solche Erhebungen liegen unter dem südlichen Horizont.
Gemütlich fahren wir nach Westen. In Hyden ist eine künstlerische Aufbereitung der Geschichte des Ortes zu besichtigen. In Lake Grace besuchen wir das alte Stationmaster's House, in dem heute die Visitor Information und ein großer Kramladen ist. Lauter nette Sachen, die man nicht braucht. Und in Dumbleyung, dem Ort, auf dessen gleichnamigem See, Lake Dumbleyung, Donald Campbell mit seinem Bluebird im Jahr 1964 einen Weltgeschwindigkeitsrekord für Wasserfahrzeuge aufgestellt hat, kaufen wir im Roadhouse eine Portion Fish&Chips und eine kleine Flasche Limonade. Die Limonade kostet fast halb so viel wie die Fish&Chips. Die wiederum ist die bisher kleinste Portion (von 4 Versuchen).
Der nächste Ort ist Wagin. Weil der Diesel hier 20 Cent pro Liter weniger kostet als bisher, tanke ich den Main voll. Der Sub bleibt leer, denn das Ende ist nahe. In Wagin steht neben dem Shire Council "The Big Ram", ein aus Stahl und Kohlefasern erbauter Hammel, neun Mal so groß wie ein echter - so steht es auf dem Schild. Aber angesichts der Maße hat da jemand die Dimensionen nicht berücksichtigt, der Bock ist eher 729 mal so groß, nämlich neun Mal so lang, neun Mal so breit und neun Mal so hoch. Hier bleiben wir für die Nacht. Der Caravan Park ist zwar sehr einfach, aber dafür auch preiswert. In Wagin ist heute Abend Street Christmas Carnival, wir gehen hin.
The Big Ram in Wagin
Wagin hat überraschend viele Kinder und Jugendliche, und viele sind sie hier in der Hauptstraße, die auf eine Länge von drei Blocks gesperrt ist. Eine der Attraktionen für die Kids ist ein Drum Train: Aufgeschnittene Ölfässer mit zwei Rädern mit einem angeschweißten Blech als Radkappen und einem eingebauten Sitz aneinandergehängt werden von einem Quad in einem Affenzahn um die Blocks gefahren. Die Kinder freut es und die Eltern stört es nicht. Bei uns wäre letzteres ganz anders und das Ganze deshalb verboten. Was den Kindern offensichtlich auch viel Spaß macht, ist, sich gegenseitig mit Luftschlangen aus der Spraydose zu besprühen. Die örtlichen Vereine bieten Essen und Gebasteltes an, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Beim Lions Club gibt es Hamburger, bei Rotary Hot Dogs und Donuts, bei den Landfrauen Lammgyros im Baguette. Bei anderen Frauen gibt es frische Erdbeeren, zwei Männer verkaufen Fairy Hair – Zuckerwatte. Eine örtliche Band spielt Ohrwürmer aus dem letzten Jahrhundert, Johnny Cash, Neal Diamond, Chuck Berry und australische Sachen. Wir tanzen ein bisschen, einen Waltz, einen Slowfox und zwei Twosteps. Das fällt auf, nicht nur den Musikern, die es freut, dass sie solche Reaktion hervorrufen. Manche der älteren Anwohner sind ebenfalls erstaunt, die meisten scheinen es einfach zu ignorieren.
Kurz vor Sonnenuntergang fliegt Santa ein paar Runden über der Stadt und winkt. Wenig später ist die Sonne verschwunden, es wird richtig kalt. Wir gehen zurück zu unserem Fahrzeug. Heute Nacht bleibt die Hecktür zu.

Donnerstag, 11. Dezember

Mit Sonnenaufgang stehe ich auf. Bei der Weiterfahrt zeigt sich, dass unsere Wahl des Übernachtungsplatzes optimal war: Es gibt auf der weiteren Strecke keine geeignete Stelle mehr. Entweder das Unterholz ist zu dicht oder der Zugang nicht möglich oder die Stelle zu licht. Mt. Jackson erhebt sich eindrucksvoll aus der Ebene, die gleichnamige Station scheint es nicht mehr zu geben, denn die Mt. Jackson Rd, an der die Station liegt, gehört jetzt der Mining Company Cliffs Nature Resources und ist für den Durchgangsverkehr gesperrt: "Mine Haul only, no unauthorized access".
Kurz vor Bullfinch überqueren wir einen Salzsee, den Lake Debora. Tatsächlich sind es zwei Teile des gleichen Sees, die sich hier sehr nahe kommen, so dass genug Platz für eine Straße ist. Der See ist sehr eindrucksvoll und blendend weiß, weil es noch nicht so warm ist, dass sich der Himmel in der warmen Luft spiegeln würde.
Wenige Kilometer später endet plötzlich der Buschwald, auf beiden Seiten erstreckt sich, soweit das Auge reicht, je ein abgeerntetes Getreidefeld. Hier ist das Outback zu Ende, für uns wahrscheinlich für eine lange Zeit. Ab hier ist alles Farmland, Nationalpark oder besiedelt. Ebenfalls zu Ende ist es mit den "unsealed" oder "dirt" roads, also Straßen ohne Bitumen- oder Zementbelag.
Ziemlich früh sind wir in Southern Cross. Dort schaffe ich es, meine bisherige SIM-Karte sperren zu lassen, allerdings zu spät, sie wurde heute Vormittag geleert. Außerdem finden wir eine Werkstatt, die dem Bushi den überfälligen Service angedeihen lässt und einen Laden, der uns ein neues Telefon mit Prepaidkarte verkauft. So weit so gut, das neue Mobil ist allerdings mehr ein Spielzeug, wenn man es unfairerweise mit dem iPhone vergleicht. Das Aktivieren der Karte dauert dann allerdings ewig lange, weil ich das (nicht mehr vorhandene) Guthaben von meiner alten Karte auf die neue übertragen haben wollte. Aber darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.
Christmas Trees in Southern Cross
Der Bushi ist fertig, als wir endlich aus dem Centrelink herauskommen. Etwas zu spät stelle ich fest, dass jetzt ein Blinklicht ausgefallen ist, da sind wir bereits unterwegs zum Wave Rock. Brigitte hat mich überzeugt, dass es besser ist, die geplanten drei Etappen von Sandstone bis zum Wave Rock auf zwei zu reduzieren. Wir kommen so zwar erst um halb 5 am Caravan Park an, aber das reicht noch gut für Schwimmen, Duschen, Kochen und Abendessen bevor es dunkel ist. Eigentlich wollte ich den Sonnenuntergang vom Hyden Rock - an dessen einer Seite, dem Campingplatz zugewandt, der Waverock ist - aus sehen. Aber da kam uns das Paar vom Nebenplatz dazwischen. Zwei Schweizer, die einen Hilux von Bruno/TCC gemietet haben. Sie wollen sich mal über den Landcruiser informieren, weil sie überlegt hatten, welches Fahrzeug sie nehmen wollen. Eine lange Unterhaltung entwickelt sich.

Mittwoch, 10. Dezember

Gegen drei werden wir wach, weil starker Wind, fast schon Sturm, den Bushi in seinen Grundfesten erbeben lässt. Das fühlt sich oben an als würde jemand versuchen einzusteigen. Nach gestern reicht das, um uns zu wecken. Im Süden steht deutlich das Kreuz des Südens, auch die Pointer sind zu sehen. Der Wind bringt kalte Luft mit.
Um halb acht sind wir auf dem Weg in den Süden. Es ist heute noch einsamer als gestern, nicht mal Goannas lassen sich blicken. Stimmt nicht ganz, einer dreht um, als wir kommen und verschwindet im Unterholz, ein anderer sitzt bei einem überfahrenen Känguru und betrachtet sehr interessiert diesen riesigen Fleischberg. Ich wusste ja, dass Goannas Allesfresser sind, aber dass sie sich auch über Aas hermachen, hatte ich nicht gedacht. Andererseits: Warum eigentlich nicht? Zumindest spart die Echse eine Menge Energie, wenn sie nicht jagen muss.
Kühe begegnen uns nur einmal, als wir an einem künstlichen Wasserloch vorbeikommen. Ansonsten: Zwei Grader, der eine in Begleitung einer Walze und eines Tankwagens (bei größeren Straßenarbeiten wird der rote Dirt angefeuchtet, damit er nicht so staubt), Zwei Roadtrains mit jeweils drei Hängern, Ein größerer PKW.
Wieder sind wir in Stationland, das sieht man an den Zäunen und den Schildern. Aber von vier Stations, an denen wir vorbei kommen, ist nur bei einer ein Hinweis an der Straße, und gerade bei der ist das Homestead, das Wohnhaus der Besitzer, von der Straße aus zu sehen. Diese Station liegt in der Nähe des Lake Balrey (und sie heißt auch so, Lake Balrey Station), eines riesigen Salzsees, etwa 100 km lang und 60 km breit (allerdings natürlich nicht rechteckig, sondern dem Geländeverlauf angepasst mit vielen Seitenarmen). Alles ist strahlend weiß, es sei denn, der Betrachter ist weit genug weg, dann spiegelt sich der Himmel in der heißen Luft über dem Salz und es sieht aus, als sei da Wasser. Dieser Effekt tritt auch bei der Straße hin und wieder auf. Wovon leben hier die Tiere? Die Blue- und Saltbushes hier sehen nicht sehr nahrhaft aus. Schafe fressen Saltbush, das habe ich gelesen, aber ob das reicht für eine ausgewogene Ernährung?
Auf einem Schild an einem Grid steht "Cattle are erratic, 5 dead". Ich weiß jetzt nicht, wer tot ist, 5 Kühe oder 5 Touristen. Haben die Kühe BSE oder etwas in dieser Art (was ich mir bei freilebenden, quasi wilden Rindern nicht vorstellen kann)? Oder reagieren sie aggressiv auf Touristen, die sie in die Enge treiben, so wie das im Sommer in der Schweiz war? Ich glaube nicht.
Another flowering Tree
Gegen 1 pm suchen wir uns eine schöne Stelle abseits der Straße, wo wir die Nacht verbringen können. Wir finden prompt eine flache Stelle, so weit von der Straße weg, dass wir nicht zu sehen sind und mit mehreren Bäumen, die so viel Schatten spenden, dass wir darunter sitzen können. Es ist heute lange nicht so heiß wie vorgestern, knapp 40°C oder gestern mit 37° C, das liegt wohl an dem noch immer kühlen Wind, der zum Glück nicht mehr so kräftig bläst wie noch beim Frühstück.
Ein herrlicher Sternenhimmel entwickelt sich aus dem eher unspektakulären Sonnenuntergang. Es lohnt sich immer wieder aufs Neue, abseits der bewohnten Gebiete zu bleiben.

Dienstag, 9. Dezember

Etwa um eins weckt mich ein erschreckter Ausruf von Brigitte: Unter uns ist jemand im Auto. Bis ich ebenfalls unten bin ist er - oder sie, wer weiß das schon so genau - bereits verschwunden, ich sehe nur noch einen dunklen Schatten. Ich bin zu langsam, habe deshalb keine Chance, der Dieb ist weg, denn das iPhone hat er mitgenommen. Sonst nichts, aber das ist schon schlimm genug. Denn damit haben wir keine Kommunikationszentrale mehr. Wifi gibt es ja kaum. Wenig später kommt ein Polizeiauto auf Patrouillenfahrt vorbei und hält bei uns am Bushi, wir berichten, sie nehmen den Fall auf, sehen sich um und fahren weiter. Ich bin sicher, wenn es hier nicht so hell wäre (wir stehen mit dem Heck in Richtung Waschhaus, dort ist eine sehr helle Lampe, die in den Bushi leuchtet), wäre es nicht passiert. Durch die Beleuchtung kann man im Bushi alles ohne weiteres künstliches Licht erkennen. Klar, wenn man erst die Hecktüre aufmachen muss, hält das manchen von einem schnellen Zugriff ab. Bisher ist nie was passiert. An Schlafen ist erstmal nicht zu denken, dennoch legen wir uns wieder hin, aber nur, um bei jedem aus der Reihe tanzenden Geräusch hochzufahren und zu schauen, ob da was ist.
Irgendwann schlafe ich dann doch ein, als ich aus dem Fenster schaue, beginnt es zu dämmern und beim nächsten Mal ist die Sonne schon aufgegangen.
Wir fahren bei der Polizei vorbei, bisher hat die Suche noch nichts ergeben. Der Wachhabende meint, ich solle ihnen Zeit lassen, sie hätten in letzter Zeit einige Erfolge gehabt beim Aufspüren von gestohlenen Mobiltelefonen. Da bin ich mal gespannt, auf jeden Fall lasse ich meine Email-Adresse da.
Ab jetzt geht es einige Tage nach Süden, geplant ist, auf Nebenstraßen über Sandstone, Southern Cross, Hyden (Wave Rock) und Lake Grace Richtung Cape Leeuwin zu fahren und dann an der Westküste entlang nach Fremantle und Perth. Leider haben wir jetzt die Telefonnummer von Bobi und Gerry nicht mehr, um der Einladung zum Tee zu folgen.
Auf dem Weg nach Sandstone über die Meekathara Sandstone Road, die in einem hervorragenden Zustand ist, kommen uns auf den 200 Kilometern zwei Autos entgegen, zwei Mal sehen wir eine kleine Herde Kühe, hin und wieder überquert ein Goanna gemächlichen Schrittes die Straße. Einmal wird es knapp, der Goanna ist schnell und sehr knapp vor uns aus dem Unterholz hervorgebrochen. Gerade noch so schaffe ich es, ihn nicht zu überrollen. Ein Lastauto hätte uns überholt, wenn wir da nicht gerade die Straße verlassen hätten, um den Ballangi Rock zu besteigen. Ballangi Rock? Das ist die Hinterlassenschaft eines Meteoriteneinschlags vor rund 1.000.000.000 Jahren. Der eigentliche Einschlagkrater ist hinwegerodiert, übriggeblieben ist die Spitze des durch die gewaltigen Energiemengen geschmolzenen und anschließend wieder verhärteten Gesteins vermischt mit Meteoritenabfall. Das ist ein sehr hartes Gestein, deshalb hat es bis heute der Erosion standgehalten. Auch Ballangi Rock ist ein riesiger Felsen, allerdings deutlich kleiner aus der Uluru. Das Besteigen dauert nur wenige Minuten, von oben hat man einen riesigen Rundblick über die ansonsten fast brettebene Umgebung.
Die Straße führt weiter nach Süden durch Stationland. Von Kühen sind (fast) nur ihre Hinterlassenschaften zu sehen.
Und dann sind wir in Sandstone. Das ist auch eine Stadt aus der Goldgräberzeit. Danach brachte die aufblühende Wollerzeugung mit riesigen Schaffarmen (zur Hochzeit gab es im Shire 256.000 Schafe, heute sind es 32.000) eine zweite Blüte, bevor Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch verfallende Wollpreise bei steigenden Kosten für die Farmer die Erträge der Stations zurückgingen und viele schließen mussten. Auch wurden einige der Stations umgestellt auf Cattle, also Kühe, weil es bei Kühen weniger Verluste durch Dingos gibt. Apropos Dingos: Auf unserem Weg haben wir den 1902 bis 1907 gebauten Rabbit Proof Fence überquert. Theoretisch hätte das wohl geklappt, aber noch während der Bauzeit wurden westlich des Zauns Kaninchen entdeckt, es war schon zu spät. Später wurden ein zweiter und ein dritter Zaun gebaut, alle drei heißen aber jetzt Vermin Fence (Ungezieferzaun).
Nach dem Besuch im Shire Office mit einer schönen Bilderausstellung aus der Geschichte Sandstones sehen wir uns weitere Sehenswürdigkeiten des Ortes an, fahren den Heritage Trail mit den Resten einer Brauerei, die bereits 1902 als Folge des Eisenbahnbaus zumachen musste, einer alten Wasserversorgung und einem natürlichen Sandsteinbogen ("London Bridge")  ab und mieten uns dann auf dem Campingplatz ein. Ziemlich zeitgleich mit uns kommen zwei Deutsche in einem Britz VW Amorok an. Wir stehen nebeneinander, da ist es klar, dass wir ins Gespräch kommen. Sie sind seit 10 Tagen unterwegs und bleiben bis Ende des Jahres. Am 16. Dezember wollen sie das Auto in Alice abgeben, um dann an die Ostküste zu fliegen. Morgen brechen sie auf nach Laverton, von wo aus sie am Donnerstag den Great Central Highway unter die Räder nehmen.

Montag, 8. Dezember

Wir brauchen morgens ziemlich genau 1:40 h vom Aufstehen bis zum Losfahren. Brigitte meint, wir könnten auch schneller, wenn es sein muss. Bisher musste es aber nie sein.
So sind wir 10 nach 7 auf dem Weg in den Norden. An "The Granite", einer Granit/Limestone Formation machen wir uns vergeblich auf die Suche nach der hier angeblich vorhandenen Aboriginal Art.
In Cue besuchen wir die Fotoausstellung mit Bildern aus der Blütezeit von Cue und ihrer Schwesterstadt Day Dawn. Beide Städte hatten ihre große Zeit durch den Goldrush Ende des 19ten Jahrhunderts. Cue liegt an der Bahnstrecke zwischen Mt. Magnet und Meekatharra und war zeitweise der Endpunkt der Bahnlinie. Endpunkt-Ansiedlungen erlebten einen besonderen Auftrieb, denn plötzlich kam das touristische Leben in Gang. Am Endpunkt musste es Hotels und Restaurationsbetriebe geben für An- und Abreisende. In Endpunkten wurden Ställe gebraucht für die Pferde, die die Wagen zogen, mit denen die Passagiere zum Zug gebracht oder von dort abgeholt wurden. Beide Städte beherbergten überdies jeweils ein großes Mining Unternehmen mit großen Erfolgen bei der Goldsuche. In Cue alleine wurden insgesamt 2.900.000 Unzen Gold aus der Erde geholt, die Mine in Day Dawn war noch ergiebiger. Mitte des 20sten Jahrhundert war es mit dem Gold vorbei, das war das Ende von Day Dawn, von dem heute nichts mehr übrig ist. Cue konnte sich wegen der noch immer aktiven Bahnlinie besser halten. 1978 wurde die Strecke von Mt.Magnet nach Meekatharra stillgelegt, damit war Cue aus dem Rennen. Aber die Ansiedlung konnte sich halten, viele der schönen Gebäude aus der Gründerzeit und den Boomjahren sind erhalten bzw. restauriert und werden genutzt, es gibt eine aktive Bürgerschaft.
Welch ein Vergleich zu Meekatharra! Hier gibt es noch eine aktive Mine, und doch sieht die Ansiedlung, die größer ist als Cue, wesentlich schäbiger aus. Aber es gibt einen Pool, und dort sogar ausgewiesene Öffnungszeiten. Wir gehen schwimmen. Das Becken hat eine 100 ft Bahn, das sind etwa 35 m. Das Wasser ist kühl.
Der Bushi braucht eigentlich einen Ölwechsel. Nur ist es uns seit Carnarvon nicht gelungen, eine Werkstatt zu finden, die es machen will. In Carnarvon gab es keine Werkstatt oder ich habe sie nicht gefunden, in Geraldton war Wochenende. Hier in Meekatharra sind zwar zwei Mechaniker, aber beide sind bis Weihnachten ausgelastet. Wir werden es weiter probieren, eventuell sind wir bei einem Roadhouse erfolgreich.
Der Caravan Park liegt hinter der einen Tankstelle an der Hauptstraße, entsprechend viel LKW-Verkehr rollt vorbei. Je später es wird, desto ruhiger ist es. Kochen am Bushi, denn es gibt hier keine Campingküche.

1 Kommentar:

  1. wieder interessant, wenn auch etwas betrueblich wegen der iPhone Geschichte (einschliesslich iCloud Loeschung) sowas versaut die Stimmung leider immer ein wenig. Die Kommentare am 15.12. sind ja interessant. Lasst uns mal reden, wenn Ihr zurueck seid. eine feste Adresse in WA waere eine Idee, die mein Herz auch erwaermen koennte. Bis bald. (Bin vom 21.-28. bei meiner Mutter)

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