Montag, 1. Dezember 2014

Montag, 1. Dezember, Denham, WA



Montag, 1. Dezember

Bereits gestern Abend hat der Wind abgeflaut, heute Morgen ist es fast windstill. Dafür haben wir, ebenfalls seit gestern Abend, weswegen es gestern auch kaum Sterne zu sehen gab, wieder ziemlich viele Wolken am Himmel, was aber nichts ausmacht.
Wir schauen uns noch andere Buchten an. Einmal kommt uns ein Auto entgegen, es wird bis Peron Station das einzige sein. Die Fahrerei auf dem Sand ist anstrengend, weil das Auto nicht immer das macht, was ich will, und macht Spaß. Big Lagoon ist den Abstecher wert, das ist ein Seitenarm von Shark Bay und sie sieht so aus, wie der Name sagt: Eine große Lagune mit blauem Wasser.
Where is MY Lunch?
Peron Station ist aufgegeben seit 1993, seitdem ist das zugehörige Land Nationalpark. Die Station ist noch da und dient heute als Anschauungsobjekt zum Betrieb einer Schaffarm im 20sten Jahrhundert. Ein Lehrpfad führt an den Gebäuden vorbei und durch sie hindurch, wir lernen einiges über das Scheren und das Leben auf der Farm. Stress und harte Arbeit war es immer, das ist hier genau so wie überall sonst auf der Welt. Die Shearer Station wurde Mitte der 70er aus der Stadt hierher in den Norden von Denham verlagert, weil dort durch die Nähe des örtlichen Pubs (in unmittelbarer Nachbarschaft) am Nachmittag kaum noch Scherer arbeitsfähig waren.
Wir bleiben eine Nacht hier in Denham, diesmal aber ohne Strom. Deshalb ist unser Stellplatz auch nicht ganz so exklusiv wie vor zwei Nächten.

Sonntag, 30. November

Heute ist der erste Advent, wir sind gedanklich allerdings ganz weit weg davon. Das liegt in erster Linie an den veränderten Wetterbedingungen, auch wenn es hier lange nicht so warm ist, wie viele es vorhergesagt haben. Auch der wenige Weihnachtsschmuck, den man in den Läden sieht, passt irgendwie überhaupt nicht.
Sue und Den sind lange nicht so früh unterwegs, wie sie es angekündigt hatten. Als wir Viertel nach sieben losfahren, ist noch niemand zu sehen zum Verabschieden. Insgesamt sind wir nicht die ersten, ein junges Paar ist trotz Zeltabbau schon 10 Minuten vor uns aufgebrochen.
Ab Peron Station, wo wir den Reifendruck wieder absenken (müssen), fährt Brigitte, um ihren Dirt-Anteil zu erhöhen. Auf halber Strecke übernehme dann ich. Der Sand ist gut befahrbar, an der einen und anderen Stelle ist er sehr tief und da gibt es leichtere Probleme. Das geht auf Kosten des Kraftstoffverbrauchs, wie auch schon der interessante Teil der Strecken nach Steep Point und zurück. Den größten Einfluss auf den Verbrauch hat sicherlich der niedrige Reifendruck. Ich bin mal gespannt, wie sich diese Ausflüge tatsächlich auswirken werden.
Francois Péron Road
Als wir von dem Spaziergang von Cape Peron zu Skipjack Point zurückkommen, treffen Sue und Den gerade ein, wir haben unseren Lunch mit ihnen zusammen. Das ist richtig nett. Anschließend begeben wir uns zu dem Camp Ground, das wir uns auf der Karte ausgesucht haben - top, das passt. Wir sind alleine, aber das kann sich ja noch ändern. Ich denke aber eher nicht, denn das Wochenende geht ja schon zu Ende.
Tatsächlich, wir bleiben alleine, nicht nur in unserem Loop, sondern auf dem ganzen Camp Ground.
Abends spielen wir wie immer in den letzten Wochen - seit der Wind eingesetzt hat - Skibbo im Auto.

Samstag, 29. November

Um 22.00 Uhr gestern Abend steht das Kreuz des Südens verkehrt herum (also mit der Spitze nach unten) am südlichen Nachthimmel. Die beiden Pointer sind noch unter dem Horizont. Auch Orion ist deutlich zu sehen auf seiner Jagd nach den Plejaden. Der starke Wind treibt Wolken über den Himmel, aber das geht alles ziemlich schnell.
Als ich kurz vor sechs aufstehe, ist bei den Anglern schon das Packen im Gange. Trotz unseres ausführlichen Frühstücks brechen wir aber vor ihnen auf. Vorbei an Steep Point (er liegt nur etwa 500 m vom Camp Ground entfernt), wo wir wie beabsichtigt eine Aufnahme von uns machen, diesmal mit Sonne von vorn (wie bestellt kommt die Sonne gerade rechtzeitig durch die Wolken), fahren wir auf der Westseite des Kaps nach Süden, wieder bis NOR6. Von dort wechseln wir auf die Ostseite und fahren an der Dünenkante entlang nach Süden, bis wir auf den uns von gestern bekannten Track stoßen. Quer durch Heide und Dünen geht es, bis wir die Halbinsel verlassen.
Wildlife again
Kurz bevor wir an die Stelle kommen, wo ich die Reifen wieder aufpumpen kann, kommen uns gleich drei Autos entgegen, auch hier gibt es kein Problem, weil alle aufpassen und genügend Rücksicht nehmen. Der erste der drei hat einen Trailer, ich wundere mich, dass er ganz zurück fährt, obwohl ich Platz gemacht habe: Er braucht den Anlauf um mit dem schweren Hänger durch den Sand den Hang hoch zu kommen. Damit sind insgesamt sieben Autos auf dem Weg nach Nordwesten, die ersetzen (zahlenmäßig) gerade die Angler, die mit uns in Faultline übernachtet haben. In den ersten beiden waren Fischer, die nächsten beiden waren Familien beim (Wochenend-?) Ausflug, die letzten wieder Fischer, aber mit "Gals", weiblicher Begleitung. Der Kompressor hält diesmal etwas länger durch, die Reifen sind gleichmäßig voll, aber eigentlich nicht voll genug für optimalen Betrieb auf asphaltierten Straßen. Offensichtlich hat ein Überhitzungsschutz zugeschlagen, er ging einfach aus und nicht mehr an. Die Schmelzsicherung ist aber noch in Ordnung.
Nach verschiedenen Halts an der Strecke kommen wir gegen halb zwei in Denham an, wo wir die Campingplätze abklappern auf der Suche nach Sue und Den. Beim zweiten sind wir erfolgreich und werden sehr freundlich begrüßt. Wir checken ein, bauen auf und begeben uns zum Wohnwagen, nicht ahnend, dass wir erst vier Stunden später zu unserem Bushi zurückkommen. Wir verstehen uns recht gut, sprachlich und menschlich. Dennoch werden wir ihr Angebot, uns zu Cape Peron mitzunehmen in ihrem Auto, nicht annehmen, denn wir wollen dort übernachten. Es wird bestimmt noch ein spontanes Zusammentreffen geben.
Es ist, bedingt durch den unveränderten Wind aus WSW, Pullover angesagt, zumindest nach dem Abendessen. Die Sonne ist unspektakulär untergegangen, der Himmel verfärbt sich erst 15 Minuten später richtig schön. Die Herde in der Campkitchen sind von Jugendlichen umlagert, weshalb wir dort nur Spülen.
In drei Wochen um diese Zeit sitzen wir bereits im Flugzeug nach Singapore auf dem Weg in den Winter.

Freitag, 28. November

Dunkle Wolken bedecken den Himmel - ist das ein gutes oder ein schlechtes Omen? Ich denke mal, es ist ein gutes Vorzeichen, denn bei bedecktem Himmel ist das Fahren einfacher. Heute geht es nach Steep Point, diesmal wollen wir dort im Westen übernachten. Das entspannt den Tag ganz gehörig. Außerdem haben wir dann die Zeit, auch die Stellen anzusehen, an denen wir beim letzten Besuch vorbeigefahren sind. Den Anfang macht False Entrance Bay, wo wir gleich mal im Sand stecken bleiben. Doch nachdem ein gehöriger Teil der Luft aus den Reifen in die Freiheit entlassen ist, lässt sich der Bushi einfach so mir nichts, dir nichts, aus dem Sand fahren. Der Himmel ist inzwischen weitgehend wolkenfrei, es wird angenehm warm. Nach dem Strandspaziergang drehen wir eine Runde am Südende der Halbinsel, auch hier gibt es Blowholes. Die beiden Großen - ihre oberen Enden liegen etwa 50 m über dem Meer, so hoch sind hier die Klippen - sind allerdings heute nicht aktiv, wahrscheinlich ist zu wenig Wellengang, zu wenig Wind. Aber wir hören das Röhren im Schacht. Am Samstag haben sie beide geblasen, sagen uns drei Fischer, die auf dem benachbarten Camp Ground ihr Lager aufgebaut haben. Dafür ist das Angeln die ganze Zeit schon nur von sehr mäßigem Erfolg begleitet.
Nach dem Überqueren der ersten Dünenreihe biegen wir nach Süden ab und fahren zu Thunder Bay, auch dort sind Blowholes, die wir aber nicht finden. Auf dem Track nach Norden an der Westseite der Halbinsel ist seit Tagen niemand mehr gefahren, das sieht man an den fehlenden bzw. zugewehten Spuren, das Ganze hat dadurch schon was von Adventure 4WD. Aber wir kommen problemlos durch. Bei NOR6 (dort steht ein Gedenkstein für die Besatzung des gleichnamigen Krabbenkutters, der am 25. April 1963 hier auf Felsen aufgelaufen und innerhalb einer Minute gesunken ist, nur ein Mann konnte 20 Tage später gerettet werden. Es gab zu dieser Zeit keine vernünftigen Seekarten für diese Gewässer! 1963!)biegen wir ab, durchqueren die Dünen, um zur Rangerstation zu gelangen und unsere Übernachtung zu bezahlen. Dann ist es nur noch ein Katzensprung (von 9 Kilometern) bis zum westlichsten Punkt des australischen Kontinents, Steep Point. Und natürlich sind unsere Gesichter im Schatten, die Aufnahme vor dem Schild eine Gegenlichtaufnahme. Allerdings können wir morgen früh einen neuen Versuch starten, denn wir kommen auf dem Weg vom Faultline Camp Ground auf dem Rückweg noch Mal an dieser Stelle vorbei.
It's getting a cold Night (at Red Bluff)
Kaum haben wir uns auf dem Camp Ground eingerichtet, kommt ein Australier, Tony, vorbei und spricht uns an. Hier ist viel los, Faultline ist ein beliebter Fishing Spot. Heuer beißen die Fische nicht, das hängt wohl, sagt Tony, mit der Algenblüte zusammen. Auf dem Meer treibt eine dicke, rötlich Schicht.
Am Nachmittag ist der Wind wieder aufgefrischt, er kommt aus Westen. Aber da ist nicht nur der Seewind, ausgelöst durch die Temperaturunterschiede über See und über Land, da ist eine kühle Komponente enthalten. Und dieser kühle Wind treibt nach Sonnenuntergang alle in die Zelte bzw. Fahrzeuge.

Donnerstag, 27. November

Bevor wir uns auf den Weg nach Süden (in die Kälte?) machen, versuchen wir noch, Mango zu bekommen. Die Mangobäume hängen voll, die Ernte hat aber gerade erst begonnen, die meisten Früchte sind noch nicht reif. Aber es gibt "frozen mango" in 600 oder 1000 g Portionen, eine solche wollen wir kaufen. Die meisten Plantagen haben um diese Zeit noch zu - was mich wundert. Aber dann sind wir doch erfolgreich. Mit dem Farmer sprechen wir eine Weile über die Probleme beim Ernten und dem Transport nach Overseas. Er sagt, eine reife Mango könne etwa 3 Wochen liegen, bevor sie kaputt geht, aber eine unreife Mango erreicht nie den Grad an Geschmack und Süße, auch wenn sie noch so lange liegen bleibt. Er ist sehr zufrieden mit deutschen Fruitpickers "very good work ethik".
Camping @ 3 Mile Camp (Gnarallo Station)
Am Rand von Carnarvon ist eine Gedenkallee. Am 19. November 1941 stießen die HMAS Sydney II und der deutsche HSK Kormoran vor der Küste aufeinander. Genaueres zum Hergang weiß man nicht, außer dass es ein Feuergefecht gab und die Sydney außerdem einen Torpedotreffer einstecken musste. Am Ende waren beide Schiffe versunken. Es gab 80 Überlebende des deutschen Frachters, aber nicht ein Besatzungsmitglied der Sydney (645 Mann) konnte gerettet werden - schon das ist merkwürdig. Für diese 645 Toten stand hier (bis zum letzten oder vorletzten Zyklon) entlang der Straße je eine Palme. Jetzt muss langsam wieder aufgeforstet werden, mindestens drei von vieren sind kaputt oder bereits entfernt.
Carnarvon war bei den Apollomissionen beteiligt, mit den hiesigen großen Satellitenschüsseln (OTC, Overseas Telescope Communication, kurz Dish) wurde die Verbindung zu den Kapseln aufrechterhalten.
Über den Bart Hwy, das ist die natürliche Fortsetzung des North West Coastal Hwy nach Süden, bewegen wir uns langsam Richtung Shark Bay. Bei der Überquerung des 26sten Breitengrades nach Süden verlassen wir formal den Nordwesten und sind jetzt in Western Western Australia. Klingt ein bisschen blöd. Bei einem Stopp an einem Rastplatz fahren Sue und Dennis an uns vorbei, sie sind früher dran als ich erwartet hatte.
In Hamelin besuchen wir die Stromatoliten, den Shell Quarrie und die Telegrafenstation, dann begeben wir uns zur Hamelinstation und checken ein. Hamelin Station ist eine Schaffarm, daneben werden zur Zeit auch wilde Ziegen eingefangen und dann in die USA verkauft. Was dort mit ihnen passiert, weiß der Warden, mit dem wir sprechen, nicht.
Nach einer Fototour zum kleinen See und einer "Besichtigung" der Shearerstation tippe ich, dann geht es zum Kochen in die Campkitchen.  Am Montag beginnt das Scheren der Schafe, danach schließt der Platz für den Sommer. Es ist dann zu heiß und zu wenig Kundschaft. Da haben wir ja Glück gehabt, dass wir nicht später gekommen sind. Wegen des Bedarfs der Scherer ist die Küche riesig und hervorragend ausgestattet. 
Nach dem Abendessen unterhalten wir uns mit dem Besitzer von Hamelin Station, Brian Wake. Die Station hat 2.500 qkm. Australien ist der weltgrößte Exporteur von Ziegen, die Empfängerländer sind USA, alle islamischen Länder und sogar Europa. Nach USA wird nur Fleisch exportiert, in die islamischen Länder nur lebende Tiere. Der Export lebender Tiere ist für Australien deutlich einfacher. Während der Schur, Hamelin Station beschäftigt in diesem Jahr vier Scherer und fünf Wollsortierer, bleibt der Campingplatz offen, Besucher sind eingeladen, bei der Schur zuzusehen. Die Wolle ist mit bis zu 40% Fremdstoffen (Sand, Pflanzenreste, Insekten… verunreinigt, je mehr Zeit zwischen Mustering und Schur vergeht, desto niedriger ist der Schmutzanteil. Dafür leiden Schafe und Ziegen bereits nach wenigen Tagen unter Sozialstress. Die Wolle als Rohprodukt wird nach Indien, Italien und Russland exportiert, der russische Markt ist allerdings in den letzten Jahren weitgehend eingebrochen. Qualitätsmerkmale sind die Festigkeit und die Stärke der einzelnen Haare und der Anteil an Abfall. Brians Bruder betreibt eine Vinery in Südaustralien, deshalb bekommen wir noch eine wunderbaren Shiraz zu trinken.

Mittwoch, 26. November

Über Nacht hat der Wind gedreht und kommt jetzt aus Norden, ist aber heute früh wieder sehr leicht. Gut auf jeden Fall, dass wir jetzt Schiebewind haben. Es ist angenehm warm beim Frühstück. In der Hecke vergnügen sich Honeyeater, die ersten Ziegen sind auf dem Weg zum Strand.
Ghost Crab in Gnarallo Bay
Die Blowholes sind auch bei diesem schwachen Wind und einem ziemlich niedrigen Tidenstand beeindruckend. Das Blasen kommt nur durch die Dünung. Bedingt durch den anderen Wind können wir relativ nahe an die Löcher heran und genau sehen, was da vor sich geht.
In Carnarvon kaufen wir ein, unsere Vorräte von vor 12 Tagen sind aufgebraucht. In diesen 12 Tagen sind wir 1.712 Kilometer gefahren, davon 1.013 auf Dirt Roads, und haben dabei 179 l Diesel verbraucht, ein gutes Ergebnis.
Auf dem Campingplatz waschen wir mal wieder eine Maschine Wäsche. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Schwimmen im Pool, Beobachten von Galahs, Lesen und Beantworten von Mails und Tippen. Außerdem rufe ich bei Mami an, zu meiner große Überraschung erreiche ich sie beim ersten Versuch.
Seit gestern sind wir Großeltern, die SMS erreicht uns, als ich das Mobile einschalte.  Da ist sie schon 16 Stunden alt. Bei Gnaraloo und Quobba Station ist kein Mobilfunknetz, das gibt es erst wieder in der Nähe von Carnarvon.

Dienstag, 25. November

Wir bleiben noch einen Tag hier, denn es ist auch hier richtig schön. Zum ersten mal seit - ja, seit wann eigentlich? Exmouth? Kommt hin - Exmouth haben wir beim Frühstück keinen Wind, ein gutes Gefühl. Dass das gerade hier, direkt am Meer in einer nach Westen offenen Bucht passiert, ist erstaunlich. Beim Strndspziergang nach Norden überqueren wir eine Düne, sehen Krebse und Ziegen - ich hatte nicht erwartet, dass Ziegen an den Strand kommen um Meerwasser zu trinken, aber es ist so - und genießen die Sonne und den inzwischen aufgewachten ganz leichten Wind. Hier unten gibt es kaum noch Tidenhub, der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser liegt bei etwa einem Meter, im höchsten Fall, manchmal noch viel weniger.
Deep in Thoughts (Coral Bay)
Heute schnorcheln wir hier in der Bucht, ich sehe zwei große Sting Rays, etwa 1m lang, viele verschiedene Fische, einer davon versucht, mein Bein anzuknabbern, andere Fische schwimmen nur Zentimeter neben und unter mir vorbei, eine dieser großen Muscheln mit richtig buntem Saum atmet unter mir das Meerwasser ein und aus - und das alles höchsten 150 m Fußweg und Schwimmstrecke von unserem Stellplatz entfernt. Der einzige Nachteil dieses Platzes besteht im mangelnden Schatten, wenn es denn wirklich mal warm werden sollte. Außerdem gibt es erst ab 17.00 Uhr warmes Wasser zum Duschen, vorher hat es "nur" etwa 28 Grad. Heute allerdings ist es wohl noch vom Vortag richtig warm, als ich gegen vier zum Duschen gehe.
Abends ziehen von Westen Wolken auf. Das verhindert einen "schönen" Sonnenuntergang. Als ich ins Bett gehe, sind nur wenige Sterne zu sehen, fast alles ist hinter Wolken.

Montag, 24. November

In der Nacht schaukelt unser Auto gelegentlich, der Wind ist immer noch böig und stark. Morgens lässt er nach, sehr gut. Und nach dem Frühstück ist es dann so warm, dass ich den Pullover ausziehen kann.
Red Bluff in first Sun
Weiter nach Norden zu Gnaraloo Station. Beim 3 Mile Camp checken wir ein für die kommende Nacht. Wir erfahren dabei, dass (wie ich es nicht anders erwartet hatte) der Wind hier gestern ähnlich unangenehm war wie beim Red Bluff, und dass es heute besser werden und morgen fast windstill sein soll. Ohne uns einen Stellplatz zu suchen - so groß ist der Andrang heute sicher nicht - fahren wir die paar Kilometer an Gnaraloo Station (Schafe und Ziegen, letztere wohl eher wild) vorbei zur Gnaraloo Bay. Es ist eine zweite Coral Bay. Hier wirkt sich das - noch nicht ganz geschlossene - Reef bereits aus. Hinter der Felsenreihe, an der sich die Dünung des Indischen Ozeans bricht, haben sich in der geschützten Bucht Korallen angesiedelt. In deren Gefolge kommen Anemonen, Muscheln, Schnecken und Fische und die wiederum ziehen Raubfische an - schwupps, haben wir eine wunderbare Unterwasserwelt. Nur kommt man hier nicht so leicht hin wie in Coral Bay, denn die Korallen sind weiter vom Ufer entfernt. Es gibt hier keine nennenswerte Strömung, also müssen wir beim Schnorcheln selbst aktiv werden.
Den Nachmittag verbringen wir auf dem Camp hinter bzw. neben unserem Bushi und unten in der Bucht. Auch hier gibt es ein paar Korallen, auch ganz nahe am Strand.
Angesichts der Straße hierher ist es erstaunlich, wie viele Campervans mit 2WD hier sind. Die Vermieter, Britz und Apollo, sind damit sicher nicht so ganz einverstanden. Aber sie wissen es ja nicht, solange nichts kaputt geht.

Sonntag, 23. November

Um 1/2 8 macht das Büro auf, genau da sind wir abfahrtbereit. Die beiden Queensländer schlafen noch, die Franzosen sind mit uns nicht ins Gespräch gekommen (mein Versuch stieß auf Unverständnis - Sprachproblem?), von den Holsteinern neben uns verabschieden wir uns (zumindest von ihm, sie geht dem Gespräch auch aus dem Weg), alle anderen sind gerade nicht erreichbar.
Our last Sunset 2014 in Coral Bay
Und so geht es ab nach Süden. Wir kreuzen den Tropic wieder, vermutlich zum letzten Mal auf dieser Fahrt, tanken im Minilya Bridge Roadhouse und biegen bald schon ab nach Westen zu den Blowholes, Quobba Station und Red Bluff.
Als wir bei den Blowholes aus dem Auto steigen, steigen gerade zwei junge Frauen in den Nissan vor uns ein und fahren los. Mit fällt auf, dass das Fahrgeräusch nicht stimmt: Reifenschaden. Ein Pfiff und - im Grunde völlig unerwartet - die Fahrerin reagiert. Sie wird es alleine in Angriff nehmen.
Hier an der Küste kommt das Meer seit Jahrtausenden mit unverminderter Kraft direkt am Ufer an. Der Indic hat eine kräftige Dünung, das merken wir an den hohen Wellen, die auf die Kalksteinküste eindreschen. Der Limestone ist deshalb ziemlich zerklüftet und unterspült. An dieser Stelle hat die Erosion einige senkrechte Schächte gebildet, die von unten vom Meer bespült werden. Dieses drückt das ankommende Wasser mit solcher Macht in die Löcher, dass es oben bis zu 10 m hoch aus dem Felsen steigt. Faszinierend, ich kann mich gar nicht satt shen. Schon die ganz normale Brandung ist beeindruckend. Beim Zurückkommen sind die beiden Girls noch nicht sehr weit gediehen, der alte Reifen ist weg, aber das Auto ist zu wenig hochgebockt. Versehentlich lässt Kathleen es noch weiter ab. Da mische ich mich dann ein und helfe. Hochbocken, den Ersatzreifen unter dem Auto hervorholen, montieren und das Auto wieder runterlassen. Während der ganzen Aktion unterhalten wir uns natürlich, ohne das ginge es nicht. Mit reichlich abgefahrenem Ersatzreifen machen sich die beiden auf den Weg nach Carnarvon. Wir fahren weiter nach Norden zum Red Bluff. Hier beginnt das Ningaloo Reef, Red Bluff ist die letzte Bucht bis Exmouth, in der das Meer noch ungehindert bis ans Ufer kommt. Während des Eincheckens eine Ablenkung von hinten: Susan und Dennis, das Ehepaar, das wir in Broome getroffen haben, kommen die Treppe hoch. Sie mit ihrem freundlichen Überschwang, er breit grinsend und ruhig. Sie haben meine Visitenkarte gefunden, wussten aber nicht recht, wer sich dahinter verbirgt, weil wir nie unsere Namen ausgetauscht hatten. Sie haben ihren Wohnwagen bei Quobba Station stehen lassen, weil sie ihm die Straße hierher nicht zumuten wollten. Jetzt wollen sie sich als Day Visitor melden. Wir unterhalten uns eine Weile und berichten gegenseitig von unseren Unternehmungen seit Broome,. Dann fahren sie wieder weg, damit wir beim "build up" nicht gestört sind. Dabei wissen sie ja, dass es bei uns ziemlich einfach ist im Vergleich zu einem großen Wohnwagen. Wir hoffen, über Mail im Kontakt zu bleiben und uns in Denham "or on the road" wiederzusehen. Ob das was wird?
Ich muss im Auto kochen, draußen ist der Wind zu stark, er bläst mir die eine Flamme aus. Von dem für heute versprochenen Abflauen ist nichts zu spüren, der Wind ist unvermindert stark.

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