Montag, 1. Dezember
Bereits gestern Abend hat der Wind
abgeflaut, heute Morgen ist es fast windstill. Dafür haben wir, ebenfalls seit
gestern Abend, weswegen es gestern auch kaum Sterne zu sehen gab, wieder
ziemlich viele Wolken am Himmel, was aber nichts ausmacht.
Wir schauen uns noch andere Buchten an.
Einmal kommt uns ein Auto entgegen, es wird bis Peron Station das einzige sein.
Die Fahrerei auf dem Sand ist anstrengend, weil das Auto nicht immer das macht,
was ich will, und macht Spaß. Big Lagoon ist den Abstecher wert, das ist ein
Seitenarm von Shark Bay und sie sieht so aus, wie der Name sagt: Eine große
Lagune mit blauem Wasser.
| Where is MY Lunch? |
Peron Station ist aufgegeben seit 1993, seitdem
ist das zugehörige Land Nationalpark. Die Station ist noch da und dient heute
als Anschauungsobjekt zum Betrieb einer Schaffarm im 20sten Jahrhundert. Ein
Lehrpfad führt an den Gebäuden vorbei und durch sie hindurch, wir lernen
einiges über das Scheren und das Leben auf der Farm. Stress und harte Arbeit
war es immer, das ist hier genau so wie überall sonst auf der Welt. Die Shearer
Station wurde Mitte der 70er aus der Stadt hierher in den Norden von Denham
verlagert, weil dort durch die Nähe des örtlichen Pubs (in unmittelbarer
Nachbarschaft) am Nachmittag kaum noch Scherer arbeitsfähig waren.
Wir bleiben eine Nacht hier in Denham,
diesmal aber ohne Strom. Deshalb ist unser Stellplatz auch nicht ganz so
exklusiv wie vor zwei Nächten.
Sonntag, 30. November
Heute ist der erste Advent, wir sind
gedanklich allerdings ganz weit weg davon. Das liegt in erster Linie an den
veränderten Wetterbedingungen, auch wenn es hier lange nicht so warm ist, wie
viele es vorhergesagt haben. Auch der wenige Weihnachtsschmuck, den man in den
Läden sieht, passt irgendwie überhaupt nicht.
Sue und Den sind lange nicht so früh
unterwegs, wie sie es angekündigt hatten. Als wir Viertel nach sieben
losfahren, ist noch niemand zu sehen zum Verabschieden. Insgesamt sind wir
nicht die ersten, ein junges Paar ist trotz Zeltabbau schon 10 Minuten vor uns
aufgebrochen.
Ab Peron Station, wo wir den Reifendruck
wieder absenken (müssen), fährt Brigitte, um ihren Dirt-Anteil zu erhöhen. Auf
halber Strecke übernehme dann ich. Der Sand ist gut befahrbar, an der einen und
anderen Stelle ist er sehr tief und da gibt es leichtere Probleme. Das geht auf
Kosten des Kraftstoffverbrauchs, wie auch schon der interessante Teil der
Strecken nach Steep Point und zurück. Den größten Einfluss auf den Verbrauch
hat sicherlich der niedrige Reifendruck. Ich bin mal gespannt, wie sich diese
Ausflüge tatsächlich auswirken werden.
| Francois Péron Road |
Als wir von dem Spaziergang von Cape Peron
zu Skipjack Point zurückkommen, treffen Sue und Den gerade ein, wir haben
unseren Lunch mit ihnen zusammen. Das ist richtig nett. Anschließend begeben
wir uns zu dem Camp Ground, das wir uns auf der Karte ausgesucht haben - top,
das passt. Wir sind alleine, aber das kann sich ja noch ändern. Ich denke aber
eher nicht, denn das Wochenende geht ja schon zu Ende.
Tatsächlich, wir bleiben alleine, nicht nur
in unserem Loop, sondern auf dem ganzen Camp Ground.
Abends spielen wir wie immer in den letzten
Wochen - seit der Wind eingesetzt hat - Skibbo im Auto.
Samstag, 29. November
Um 22.00 Uhr gestern Abend steht das Kreuz
des Südens verkehrt herum (also mit der Spitze nach unten) am südlichen
Nachthimmel. Die beiden Pointer sind noch unter dem Horizont. Auch Orion ist
deutlich zu sehen auf seiner Jagd nach den Plejaden. Der starke Wind treibt
Wolken über den Himmel, aber das geht alles ziemlich schnell.
Als ich kurz vor sechs aufstehe, ist bei
den Anglern schon das Packen im Gange. Trotz unseres ausführlichen Frühstücks
brechen wir aber vor ihnen auf. Vorbei an Steep Point (er liegt nur etwa 500 m
vom Camp Ground entfernt), wo wir wie beabsichtigt eine Aufnahme von uns
machen, diesmal mit Sonne von vorn (wie bestellt kommt die Sonne gerade
rechtzeitig durch die Wolken), fahren wir auf der Westseite des Kaps nach
Süden, wieder bis NOR6. Von dort wechseln wir auf die Ostseite und fahren an
der Dünenkante entlang nach Süden, bis wir auf den uns von gestern bekannten
Track stoßen. Quer durch Heide und Dünen geht es, bis wir die Halbinsel
verlassen.
Kurz bevor wir an die Stelle kommen, wo ich die Reifen wieder
aufpumpen kann, kommen uns gleich drei Autos entgegen, auch hier gibt es kein
Problem, weil alle aufpassen und genügend Rücksicht nehmen. Der erste der drei
hat einen Trailer, ich wundere mich, dass er ganz zurück fährt, obwohl ich
Platz gemacht habe: Er braucht den Anlauf um mit dem schweren Hänger durch den
Sand den Hang hoch zu kommen. Damit sind insgesamt sieben Autos auf dem Weg
nach Nordwesten, die ersetzen (zahlenmäßig) gerade die Angler, die mit uns in Faultline
übernachtet haben. In den ersten beiden waren Fischer, die nächsten beiden
waren Familien beim (Wochenend-?) Ausflug, die letzten wieder Fischer, aber mit
"Gals", weiblicher Begleitung. Der Kompressor hält diesmal etwas
länger durch, die Reifen sind gleichmäßig voll, aber eigentlich nicht voll
genug für optimalen Betrieb auf asphaltierten Straßen. Offensichtlich hat ein
Überhitzungsschutz zugeschlagen, er ging einfach aus und nicht mehr an. Die
Schmelzsicherung ist aber noch in Ordnung.
| Wildlife again |
Nach verschiedenen Halts an der Strecke
kommen wir gegen halb zwei in Denham an, wo wir die Campingplätze abklappern
auf der Suche nach Sue und Den. Beim zweiten sind wir erfolgreich und werden
sehr freundlich begrüßt. Wir checken ein, bauen auf und begeben uns zum Wohnwagen,
nicht ahnend, dass wir erst vier Stunden später zu unserem Bushi zurückkommen.
Wir verstehen uns recht gut, sprachlich und menschlich. Dennoch werden wir ihr
Angebot, uns zu Cape Peron mitzunehmen in ihrem Auto, nicht annehmen, denn wir
wollen dort übernachten. Es wird bestimmt noch ein spontanes Zusammentreffen
geben.
Es ist, bedingt durch den unveränderten
Wind aus WSW, Pullover angesagt, zumindest nach dem Abendessen. Die Sonne ist
unspektakulär untergegangen, der Himmel verfärbt sich erst 15 Minuten später
richtig schön. Die Herde in der Campkitchen sind von Jugendlichen umlagert,
weshalb wir dort nur Spülen.
In drei Wochen um diese Zeit sitzen wir
bereits im Flugzeug nach Singapore auf dem Weg in den Winter.
Freitag, 28. November
Dunkle Wolken bedecken den Himmel - ist das
ein gutes oder ein schlechtes Omen? Ich denke mal, es ist ein gutes Vorzeichen,
denn bei bedecktem Himmel ist das Fahren einfacher. Heute geht es nach Steep
Point, diesmal wollen wir dort im Westen übernachten. Das entspannt den Tag
ganz gehörig. Außerdem haben wir dann die Zeit, auch die Stellen anzusehen, an
denen wir beim letzten Besuch vorbeigefahren sind. Den Anfang macht False
Entrance Bay, wo wir gleich mal im Sand stecken bleiben. Doch nachdem ein
gehöriger Teil der Luft aus den Reifen in die Freiheit entlassen ist, lässt
sich der Bushi einfach so mir nichts, dir nichts, aus dem Sand fahren. Der
Himmel ist inzwischen weitgehend wolkenfrei, es wird angenehm warm. Nach dem
Strandspaziergang drehen wir eine Runde am Südende der Halbinsel, auch hier
gibt es Blowholes. Die beiden Großen - ihre oberen Enden liegen etwa 50 m über
dem Meer, so hoch sind hier die Klippen - sind allerdings heute nicht aktiv,
wahrscheinlich ist zu wenig Wellengang, zu wenig Wind. Aber wir hören das
Röhren im Schacht. Am Samstag haben sie beide geblasen, sagen uns drei Fischer,
die auf dem benachbarten Camp Ground ihr Lager aufgebaut haben. Dafür ist das
Angeln die ganze Zeit schon nur von sehr mäßigem Erfolg begleitet.
Nach dem Überqueren der ersten Dünenreihe
biegen wir nach Süden ab und fahren zu Thunder Bay, auch dort sind Blowholes,
die wir aber nicht finden. Auf dem Track nach Norden an der Westseite der
Halbinsel ist seit Tagen niemand mehr gefahren, das sieht man an den fehlenden
bzw. zugewehten Spuren, das Ganze hat dadurch schon was von Adventure 4WD. Aber
wir kommen problemlos durch. Bei NOR6 (dort steht ein Gedenkstein für die
Besatzung des gleichnamigen Krabbenkutters, der am 25. April 1963 hier auf
Felsen aufgelaufen und innerhalb einer Minute gesunken ist, nur ein Mann konnte
20 Tage später gerettet werden. Es gab zu dieser Zeit keine vernünftigen
Seekarten für diese Gewässer! 1963!)biegen wir ab, durchqueren die Dünen, um
zur Rangerstation zu gelangen und unsere Übernachtung zu bezahlen. Dann ist es
nur noch ein Katzensprung (von 9 Kilometern) bis zum westlichsten Punkt des
australischen Kontinents, Steep Point. Und natürlich sind unsere Gesichter im
Schatten, die Aufnahme vor dem Schild eine Gegenlichtaufnahme. Allerdings
können wir morgen früh einen neuen Versuch starten, denn wir kommen auf dem Weg
vom Faultline Camp Ground auf dem Rückweg noch Mal an dieser Stelle vorbei.
| It's getting a cold Night (at Red Bluff) |
Kaum haben wir uns auf dem Camp Ground
eingerichtet, kommt ein Australier, Tony, vorbei und spricht uns an. Hier ist
viel los, Faultline ist ein beliebter Fishing Spot. Heuer beißen die Fische
nicht, das hängt wohl, sagt Tony, mit der Algenblüte zusammen. Auf dem Meer
treibt eine dicke, rötlich Schicht.
Am Nachmittag ist der Wind wieder
aufgefrischt, er kommt aus Westen. Aber da ist nicht nur der Seewind, ausgelöst
durch die Temperaturunterschiede über See und über Land, da ist eine kühle
Komponente enthalten. Und dieser kühle Wind treibt nach Sonnenuntergang alle in
die Zelte bzw. Fahrzeuge.
Donnerstag, 27. November
Bevor wir uns auf den Weg nach Süden (in
die Kälte?) machen, versuchen wir noch, Mango zu bekommen. Die Mangobäume
hängen voll, die Ernte hat aber gerade erst begonnen, die meisten Früchte sind
noch nicht reif. Aber es gibt "frozen mango" in 600 oder 1000 g
Portionen, eine solche wollen wir kaufen. Die meisten Plantagen haben um diese
Zeit noch zu - was mich wundert. Aber dann sind wir doch erfolgreich. Mit dem
Farmer sprechen wir eine Weile über die Probleme beim Ernten und dem Transport
nach Overseas. Er sagt, eine reife Mango könne etwa 3 Wochen liegen, bevor sie
kaputt geht, aber eine unreife Mango erreicht nie den Grad an Geschmack und
Süße, auch wenn sie noch so lange liegen bleibt. Er ist sehr zufrieden mit
deutschen Fruitpickers "very good work ethik".
| Camping @ 3 Mile Camp (Gnarallo Station) |
Am Rand von Carnarvon ist eine Gedenkallee.
Am 19. November 1941 stießen die HMAS Sydney II und der deutsche HSK Kormoran
vor der Küste aufeinander. Genaueres zum Hergang weiß man nicht, außer dass es
ein Feuergefecht gab und die Sydney außerdem einen Torpedotreffer einstecken
musste. Am Ende waren beide Schiffe versunken. Es gab 80 Überlebende des
deutschen Frachters, aber nicht ein Besatzungsmitglied der Sydney (645 Mann)
konnte gerettet werden - schon das ist merkwürdig. Für diese 645 Toten stand hier
(bis zum letzten oder vorletzten Zyklon) entlang der Straße je eine Palme.
Jetzt muss langsam wieder aufgeforstet werden, mindestens drei von vieren sind
kaputt oder bereits entfernt.
Carnarvon war bei den Apollomissionen
beteiligt, mit den hiesigen großen Satellitenschüsseln (OTC, Overseas Telescope
Communication, kurz Dish) wurde die Verbindung zu den Kapseln aufrechterhalten.
Über den Bart Hwy, das ist die natürliche
Fortsetzung des North West Coastal Hwy nach Süden, bewegen wir uns langsam
Richtung Shark Bay. Bei der Überquerung des 26sten Breitengrades nach Süden
verlassen wir formal den Nordwesten und sind jetzt in Western Western
Australia. Klingt ein bisschen blöd. Bei einem Stopp an einem Rastplatz fahren
Sue und Dennis an uns vorbei, sie sind früher dran als ich erwartet hatte.
In Hamelin besuchen wir die Stromatoliten,
den Shell Quarrie und die Telegrafenstation, dann begeben wir uns zur
Hamelinstation und checken ein. Hamelin Station ist eine Schaffarm, daneben
werden zur Zeit auch wilde Ziegen eingefangen und dann in die USA verkauft. Was
dort mit ihnen passiert, weiß der Warden, mit dem wir sprechen, nicht.
Nach einer Fototour zum kleinen See und
einer "Besichtigung" der Shearerstation tippe ich, dann geht es zum
Kochen in die Campkitchen. Am Montag
beginnt das Scheren der Schafe, danach schließt der Platz für den Sommer. Es
ist dann zu heiß und zu wenig Kundschaft. Da haben wir ja Glück gehabt, dass
wir nicht später gekommen sind. Wegen des Bedarfs der Scherer ist die Küche
riesig und hervorragend ausgestattet.
Nach dem Abendessen unterhalten wir uns mit
dem Besitzer von Hamelin Station, Brian Wake. Die Station hat 2.500 qkm.
Australien ist der weltgrößte Exporteur von Ziegen, die Empfängerländer sind
USA, alle islamischen Länder und sogar Europa. Nach USA wird nur Fleisch
exportiert, in die islamischen Länder nur lebende Tiere. Der Export lebender
Tiere ist für Australien deutlich einfacher. Während der Schur, Hamelin Station
beschäftigt in diesem Jahr vier Scherer und fünf Wollsortierer, bleibt der
Campingplatz offen, Besucher sind eingeladen, bei der Schur zuzusehen. Die
Wolle ist mit bis zu 40% Fremdstoffen (Sand, Pflanzenreste, Insekten…
verunreinigt, je mehr Zeit zwischen Mustering und Schur vergeht, desto
niedriger ist der Schmutzanteil. Dafür leiden Schafe und Ziegen bereits nach
wenigen Tagen unter Sozialstress. Die Wolle als Rohprodukt wird nach Indien,
Italien und Russland exportiert, der russische Markt ist allerdings in den
letzten Jahren weitgehend eingebrochen. Qualitätsmerkmale sind die Festigkeit
und die Stärke der einzelnen Haare und der Anteil an Abfall. Brians Bruder
betreibt eine Vinery in Südaustralien, deshalb bekommen wir noch eine
wunderbaren Shiraz zu trinken.
Mittwoch, 26. November
Über Nacht hat der Wind gedreht und kommt
jetzt aus Norden, ist aber heute früh wieder sehr leicht. Gut auf jeden Fall,
dass wir jetzt Schiebewind haben. Es ist angenehm warm beim Frühstück. In der
Hecke vergnügen sich Honeyeater, die ersten Ziegen sind auf dem Weg zum Strand.
| Ghost Crab in Gnarallo Bay |
Die Blowholes sind auch bei diesem
schwachen Wind und einem ziemlich niedrigen Tidenstand beeindruckend. Das
Blasen kommt nur durch die Dünung. Bedingt durch den anderen Wind können wir
relativ nahe an die Löcher heran und genau sehen, was da vor sich geht.
In Carnarvon kaufen wir ein, unsere Vorräte
von vor 12 Tagen sind aufgebraucht. In diesen 12 Tagen sind wir 1.712 Kilometer
gefahren, davon 1.013 auf Dirt Roads, und haben dabei 179 l Diesel verbraucht,
ein gutes Ergebnis.
Auf dem Campingplatz waschen wir mal wieder
eine Maschine Wäsche. Den Rest des Nachmittags verbringen wir mit Schwimmen im
Pool, Beobachten von Galahs, Lesen und Beantworten von Mails und Tippen.
Außerdem rufe ich bei Mami an, zu meiner große Überraschung erreiche ich sie
beim ersten Versuch.
Seit gestern sind wir Großeltern, die SMS
erreicht uns, als ich das Mobile einschalte.
Da ist sie schon 16 Stunden alt. Bei Gnaraloo und Quobba Station ist
kein Mobilfunknetz, das gibt es erst wieder in der Nähe von Carnarvon.
Dienstag, 25. November
Wir bleiben noch einen Tag hier, denn es
ist auch hier richtig schön. Zum ersten mal seit - ja, seit wann eigentlich?
Exmouth? Kommt hin - Exmouth haben wir beim Frühstück keinen Wind, ein gutes
Gefühl. Dass das gerade hier, direkt am Meer in einer nach Westen offenen Bucht
passiert, ist erstaunlich. Beim Strndspziergang nach Norden überqueren wir eine
Düne, sehen Krebse und Ziegen - ich hatte nicht erwartet, dass Ziegen an den
Strand kommen um Meerwasser zu trinken, aber es ist so - und genießen die Sonne
und den inzwischen aufgewachten ganz leichten Wind. Hier unten gibt es kaum
noch Tidenhub, der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser liegt bei etwa
einem Meter, im höchsten Fall, manchmal noch viel weniger.
| Deep in Thoughts (Coral Bay) |
Heute schnorcheln wir hier in der Bucht,
ich sehe zwei große Sting Rays, etwa 1m lang, viele verschiedene Fische, einer
davon versucht, mein Bein anzuknabbern, andere Fische schwimmen nur Zentimeter
neben und unter mir vorbei, eine dieser großen Muscheln mit richtig buntem Saum
atmet unter mir das Meerwasser ein und aus - und das alles höchsten 150 m Fußweg
und Schwimmstrecke von unserem Stellplatz entfernt. Der einzige Nachteil dieses
Platzes besteht im mangelnden Schatten, wenn es denn wirklich mal warm werden
sollte. Außerdem gibt es erst ab 17.00 Uhr warmes Wasser zum Duschen, vorher
hat es "nur" etwa 28 Grad. Heute allerdings ist es wohl noch vom
Vortag richtig warm, als ich gegen vier zum Duschen gehe.
Abends ziehen von Westen Wolken auf. Das
verhindert einen "schönen" Sonnenuntergang. Als ich ins Bett gehe, sind nur
wenige Sterne zu sehen, fast alles ist hinter Wolken.
Montag, 24. November
In der Nacht schaukelt unser Auto
gelegentlich, der Wind ist immer noch böig und stark. Morgens lässt er nach,
sehr gut. Und nach dem Frühstück ist es dann so warm, dass ich den Pullover
ausziehen kann.
| Red Bluff in first Sun |
Weiter nach Norden zu Gnaraloo Station.
Beim 3 Mile Camp checken wir ein für die kommende Nacht. Wir erfahren dabei,
dass (wie ich es nicht anders erwartet hatte) der Wind hier gestern ähnlich
unangenehm war wie beim Red Bluff, und dass es heute besser werden und morgen
fast windstill sein soll. Ohne uns einen Stellplatz zu suchen - so groß ist der
Andrang heute sicher nicht - fahren wir die paar Kilometer an Gnaraloo Station
(Schafe und Ziegen, letztere wohl eher wild) vorbei zur Gnaraloo Bay. Es ist
eine zweite Coral Bay. Hier wirkt sich das - noch nicht ganz geschlossene -
Reef bereits aus. Hinter der Felsenreihe, an der sich die Dünung des Indischen
Ozeans bricht, haben sich in der geschützten Bucht Korallen angesiedelt. In
deren Gefolge kommen Anemonen, Muscheln, Schnecken und Fische und die wiederum
ziehen Raubfische an - schwupps, haben wir eine wunderbare Unterwasserwelt. Nur
kommt man hier nicht so leicht hin wie in Coral Bay, denn die Korallen sind
weiter vom Ufer entfernt. Es gibt hier keine nennenswerte Strömung, also müssen
wir beim Schnorcheln selbst aktiv werden.
Den Nachmittag verbringen wir auf dem Camp
hinter bzw. neben unserem Bushi und unten in der Bucht. Auch hier gibt es ein
paar Korallen, auch ganz nahe am Strand.
Angesichts der Straße hierher ist es
erstaunlich, wie viele Campervans mit 2WD hier sind. Die Vermieter, Britz und
Apollo, sind damit sicher nicht so ganz einverstanden. Aber sie wissen es ja
nicht, solange nichts kaputt geht.
Sonntag, 23. November
Um 1/2 8 macht das Büro auf, genau da sind
wir abfahrtbereit. Die beiden Queensländer schlafen noch, die Franzosen sind
mit uns nicht ins Gespräch gekommen (mein Versuch stieß auf Unverständnis -
Sprachproblem?), von den Holsteinern neben uns verabschieden wir uns (zumindest
von ihm, sie geht dem Gespräch auch aus dem Weg), alle anderen sind gerade
nicht erreichbar.
| Our last Sunset 2014 in Coral Bay |
Und so geht es ab nach Süden. Wir kreuzen
den Tropic wieder, vermutlich zum letzten Mal auf dieser Fahrt, tanken im
Minilya Bridge Roadhouse und biegen bald schon ab nach Westen zu den Blowholes,
Quobba Station und Red Bluff.
Als wir bei den Blowholes aus dem Auto
steigen, steigen gerade zwei junge Frauen in den Nissan vor uns ein und fahren
los. Mit fällt auf, dass das Fahrgeräusch nicht stimmt: Reifenschaden. Ein
Pfiff und - im Grunde völlig unerwartet - die Fahrerin reagiert. Sie wird es
alleine in Angriff nehmen.
Hier an der Küste kommt das Meer seit
Jahrtausenden mit unverminderter Kraft direkt am Ufer an. Der Indic hat eine
kräftige Dünung, das merken wir an den hohen Wellen, die auf die Kalksteinküste
eindreschen. Der Limestone ist deshalb ziemlich zerklüftet und unterspült. An
dieser Stelle hat die Erosion einige senkrechte Schächte gebildet, die von
unten vom Meer bespült werden. Dieses drückt das ankommende Wasser mit solcher
Macht in die Löcher, dass es oben bis zu 10 m hoch aus dem Felsen steigt.
Faszinierend, ich kann mich gar nicht satt shen. Schon die ganz normale
Brandung ist beeindruckend. Beim Zurückkommen sind die beiden Girls noch nicht
sehr weit gediehen, der alte Reifen ist weg, aber das Auto ist zu wenig
hochgebockt. Versehentlich lässt Kathleen es noch weiter ab. Da mische ich mich
dann ein und helfe. Hochbocken, den Ersatzreifen unter dem Auto hervorholen,
montieren und das Auto wieder runterlassen. Während der ganzen Aktion
unterhalten wir uns natürlich, ohne das ginge es nicht. Mit reichlich
abgefahrenem Ersatzreifen machen sich die beiden auf den Weg nach Carnarvon.
Wir fahren weiter nach Norden zum Red Bluff. Hier beginnt das Ningaloo Reef,
Red Bluff ist die letzte Bucht bis Exmouth, in der das Meer noch ungehindert
bis ans Ufer kommt. Während des Eincheckens eine Ablenkung von hinten: Susan
und Dennis, das Ehepaar, das wir in Broome getroffen haben, kommen die Treppe
hoch. Sie mit ihrem freundlichen Überschwang, er breit grinsend und ruhig. Sie
haben meine Visitenkarte gefunden, wussten aber nicht recht, wer sich dahinter
verbirgt, weil wir nie unsere Namen ausgetauscht hatten. Sie haben ihren
Wohnwagen bei Quobba Station stehen lassen, weil sie ihm die Straße hierher
nicht zumuten wollten. Jetzt wollen sie sich als Day Visitor melden. Wir
unterhalten uns eine Weile und berichten gegenseitig von unseren Unternehmungen
seit Broome,. Dann fahren sie wieder weg, damit wir beim "build up"
nicht gestört sind. Dabei wissen sie ja, dass es bei uns ziemlich einfach ist
im Vergleich zu einem großen Wohnwagen. Wir hoffen, über Mail im Kontakt zu
bleiben und uns in Denham "or on the road" wiederzusehen. Ob das was
wird?
Ich muss im Auto kochen, draußen ist der
Wind zu stark, er bläst mir die eine Flamme aus. Von dem für heute
versprochenen Abflauen ist nichts zu spüren, der Wind ist unvermindert stark.
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