Donnerstag, 25. Dezember 2014

Sonntag, 21. Dezember, Neckarhausen



Sonntag, 21. Dezember

Weil der Flug nach Frankfurt 13 Stunden lang ist, kann ich ihn nicht verschlafen. So genieße ich das gute Essen, sehe mir "Tracks" an und versuche dann, ein wenig zu schlafen. Das gelingt  auch, obgleich ich wieder Mal das Gefühl habe, eigentlich nur wach gelegen zu sein.
Vor der Ankunft gibt es ein Frühstück, ich nehme ein asiatisches Essen mit dicken Nudeln und Rindfleischstreifen. Das kommt mit Chopsticks, also Essstäbchen, und ist - wie alles Essen bei Singapore Airlines - richtig gut.
Mit etwa 20 Minuten Verspätung sind wir angedockt am Gate, eine halbe Stunde später stehen wir in der Ankunftshalle. Michael trifft nur wenig später ein, so dass wir kurz nach acht in Neckarhausen ankommen. Es ist trübe und nasskalt, aber wärmer als es zum Winteranfang eigentlich sein sollte.
Eineinhalb Stunden später sind die Reisetaschen ausgepackt und an ihrem Platz verstaut, die Aufarbeitung der eingegangenen Post dauert länger. Aber das hat ja Zeit.
Ich wundere mich, dass sich so viele Leute darüber freuen, dass wir wieder da sind. Das mindert die Trauer über das Ende der schönen Zeit in Australien und macht den Anfang hier viel leichter. Ello bringt uns sogar Weihnachtsgebäck und einen Weihnachtsstrauß vorbei.
Nachmittags machen wir einen kurzen Besuch bei Lina, Kathie und Patrick, um unsere Enkelin kennenzulernen.

Samstag, 20. Dezember

Jetzt ist diese wunderbare Zeit hier in Nordwestaustralien fast wieder vorbei - schade drum.
Wynne fährt voraus zu Marion, also zur Abgabe des Bushi bei TCC. Ein anderes Paar ist kurz vor uns angekommen, sie laden gerade aus, wir müssen warten. Aber dann ist es soweit. Sie ist sehr zufrieden mit dem Zustand des Autos, besonders aber darüber, dass alles in Ordnung ist - bis auf den Kompressor. Die drei Rechnungen - neuer Reifen mit Schlauch in Drysdale, neuer Schlauch bei Over the Range und Service in Southern Cross (wobei sie sich wundert, dass das nicht über Telefon von Chris bzw. Bruno bezahlt wurde, bis ich ihr sage, dass ich nicht in Sydney angerufen, sondern den Service auf eigene Faust veranlasst hatte) - wird sie per Post nach Sydney schicken, die Beträge lasse ich mir überweisen.
Wynne bringt uns zurück nach Darlington. Später zeigt er mir das Layout des neuen Hauses und die neuen Grenzen auf dem Land. Bei der Gelegenheit zeigt er mir auch ein Nest mit "Soldier Ants", etwa 4 cm langen Ameisen, die nur kleine Staaten mit rund 20 Mitgliedern bilden, dafür aber relativ aggressiv sind. Ihre Bisse sind äußerst schmerzhaft, für etwa 10 Minuten, dann ist alles vorbei. Seltsam. Ich habe das Gefühl, dass sie uns ansehen und direkt auf uns zugehen, als wir sie aufgescheucht haben - was man ja auch nicht macht. Wynne meint, wenn die Nester weit genug entfernt sind, seien sie völlig ungefährlich, nur in der Nähe des Hauses, wo vielleicht auch die Enkeltochter hinkommen könnte (wenn sie so groß ist, dass sie laufen kann), vernichtet er die Nester und ihre Bewohner.
Wie im Flug vergehen die letzten Stunden unter Gesprächen und Lunch, schon machen wir uns reisefertig, packen die Reisetaschen ins Auto und los geht es zum internationalen terminal in Perth. Wenig später sind wir wieder allein, aber nicht körperlich, denn es herrscht Hochbetrieb hier am Flughafen. Die Ferien haben begonnen. In Brigittes Visum steht ein falsches Geburtsdatum, deshalb gibt es einen kurzen Delay. Ich vergewissere mich, dass ich das richtige Datum angegeben habe. Offensichtlich tippt jemand die Daten, die elektronisch vorliegen, noch Mal ab. Das erklärt jetzt auch die Probleme beim letzten Mal. Der Reaktion des Vorgesetzten der Beamtin am Schalter ist zu entnehmen, dass so etwas nicht zum ersten Mal vorgekommen ist.
Es reicht noch für einen Besuch in der Lounge, und obwohl wir ja gleich im Flieger was zu essen bekommen kann ich dem Buffet nicht widerstehen und esse ein paar Kleinigkeiten: Sushi, Beef Satay, Meat Balls with spicy sauce.
Und schon sind wir auf dem Weg nach Singapore. Eine Reihe hinter mir, aber durch eine Wand getrennt, fliegt ein kleines Kind. Dem scheint es gar nicht gut zu gehen, es schreit über eine Stunde lang - oder mehr, aber dann nehme ich den Kopfhörer und blende so die Geräusche aus. Im "Bordkino" sehe ich mir "Sin City: A Dame to kill for" an, das ist der zweite Teil dieser düsteren Comicverfilmung. Gut gemacht, ziemlich blutrünstig, tolle Technik. Mickey Rourke ist klasse in dieser Rolle, Bruce Willis hat nur einen ganz kleinen Part, eher nebensächlich. Brigitte versucht sich an "Tracks", einem biographischen Film über eine Reise einer Frau, die 1977 in etwa 8 Monaten von Alice Springs zu Fuß alleine zum Meer gelaufen ist, mit einer Hündin und vier Dromedaren. Meist war sie alleine, gelegentlich wurde sie von einem Fotografen von National Geographic Australia (die die Wanderung gesponsert haben) besucht, der sie auch gelegentlich mit Dingen versorgte, die man so im Outback nicht bekommt, schon gar nicht 1977 (wie neuen Schuhen für einen Aboriginal, der sie unterwegs führt und ihr viel beibringt über das Leben im Busch) und ihr auf dem letzten Teil lebenswichtige Wasserdepots anlegte. Die Kameraführung ist exzellent, die Einstellungen zeigen die Probleme, auch der Tod der Hündin und die Auswirkungen auf die Protagonistin sind sehr gut "rübergebracht".
Überpünktlich sind wir in Singapore am Terminal 2. Es reicht trotz des notwendigen Übergangs zu Terminal 3 noch, zwei Flaschen von diesem wunderbaren Pflaumenschnaps einzukaufen, den uns Sejang und Jürgen vor einem Jahr mitgebracht haben.
Der Abflug verzögert sich ohne Angabe von Gründen, erst 20 Minuten nach Mitternacht sind wir in der Luft.

Freitag, 19. Dezember

Packen und Auto abgabefertig machen, das ist es, was uns heute auf Trab halten wird. Kurz nach eins ist der Bushi innen und außen in einem Zustand, wie ich ihn bei der Übernahme vorzufinden wünsche. Ich bin bis auf die Haut nass, das macht aber bei dem heutigen Wetter nichts aus. Der Vorteil, wenn wir das Auto selbst endreinigen, besteht darin, dass wir sicher sein können, nichts im Auto vergessen zu haben. Und noch einen Vorteil gibt es. Weil alle unsere Sachen in unserem Zimmer sind und Brigitte inzwischen schon gepackt hat, geht letzteres bei mir sehr schnell: Einfach alles, was jetzt noch rumliegt, in eine der zwei Taschen verstauen und gut ist. Nicht ganz, es hängt noch davon ab, was wir heute Abend machen, welche Kleider ich da brauche. Auch der Waschbeutel kann natürlich erst morgen früh eingepackt werden.
Sleepy Lizzard, Blue Tongue, Bobtail - you name it.
Es ist sehr angenehm hier bei Elfriede und Wynne. Im Garten sind jede Menge Vögel, gestern Abend lief ein Bandicot herum, heute Nacht waren Possums auf dem Dach aktiv, während des Lunchs wandert ein Bobtail, ein Sleepy Lizard mit einer für uns ungewöhnlichen Zeichnung, draußen auf der Terrasse vorbei. Wir sind hier, obwohl doch nahe an Perth, richtig auf dem Land. Elfriede ist heute bei ihrer Enkeltochter (6 Monate) zum Sitten, das macht sie zwei Mal die Woche. So sind wir mit Wynne alleine, haben aber alle Freiheit, weil er einen Fehler in seiner Software finden muss.
Gegen halb vier ist Elfriede zurück, gleichzeitig kommen zwei Feuerwehren vorbei: Etwa 10 Kilometer entfernt, aber noch in Sichtweite, brennt der Wald. Das sind keine absichtlichen Feuer, dazu ist es zu trocken. Ein gewisses Unbehagen ist zu spüren.

Donnerstag, 18. Dezember

Bobi hat meine Freundschaftsanfrage bestätigt, aber wohl die Message nicht erhalten. Ich refreshe sie. Es scheint also wirklich "unsere" Bobi zu sein.
Kurz nach acht sind wir an der Visitor Info, aber sie ist noch zu. Wir suchen uns einen Parkplatz, an dem wir eine Weile stehen bleiben können und finden sie am Fremantle Oval, dem Stadion der Fremantle Bulldogs (AFL). Dann wandern wir durch die um diese Zeit noch recht leeren Straßen, bleiben hier stehen und lesen Informationstafeln, und da, gehen zu dem Rest der Zitadelle ("The Round House", heute eine Reihe von Kunstläden, Ateliers und Agenturen) und an den Strand. Zwei Delfine treiben sich in Sichtweite herum, verschwinden aber nach nicht allzu langer Zeit wieder. Dann stehen wir vor dem Shipwreck-Museum. Dass es so etwas gibt! Wir gehen rein. Es geht in diesem Museum, soweit wir es besichtigt haben, um vier holländische Schiffe der VOC, der Ostasiengesellschaft, die zwischen 1629 und 1750 vor der Küste Westaustraliens gestrandet und gesunken sind. Eine davon ist die Zuytdorp, die in der Gegend von Gnaraloo letztendlich gescheitert ist, eine andere die Batavia. Das sind die beiden, von denen ich schon gehört hatte. Der goldene Drache (Vergulde Draeck) und die Zeewijk verschwanden ohne dass damals etwas von ihnen gefunden wurde, erst zum Ende des 20. Jahrhunderts wurde das Wrack des Drachens aufgespürt. Besatzung und Passagiere der 1629 aufgelaufenen und sehr schnell zerbrochenen Batavia konnten sich auf zwei Inseln retten, fanden allerdings kein Wasser. Der Kommandant machte sich mit seinen Offizieren (!) auf den Weg, Hilfe zu holen. Unterdessen gab es eine Meuterei, der Anführer installierte ein Terrorregime und ließ die meisten Frauen, alle Kinder und die Männer, die nicht seiner Meinung waren, umbringen. Letztendlich unterlag seine Gruppe den zurückkehrenden Offizieren und ihrer Hilfstruppe und wurde gefoltert und hingerichtet.
Coogee Beach in Fremantle
Plötzlich klingelt mein Handy. Was nun. Ich weiß nicht, wie ich den Anrufannehmen kann, und bis ich mich angemeldet habe, ist aufgelegt. Es war Bobi. Der dritte Versuch, zurückzurufen, ist erfolgreich, wir verabreden uns für gleich. Nicht ganz so schnell wie geplant verlassen wir das Museum - ich "falle" einem Bastler, der in einem Seitengang sitzt und an einem Schiffsmodell arbeitet, in die Hände. Er erzählt von seiner Arbeit und den damit verbundenen Schwierigkeiten, er zeigt mir Beispiele und seine Dokumentation, er erklärt ein anderes Modell in einer Vitrine nebenan, das nicht von ihm ist, das ihn aber sehr beeindruckt.
Schnell sind wir am Bahnhof und finden auch gleich Bobi, Gerry, Sue und Harry (einer von Gerrys Söhnen und seine Lebensgefährtin). Sue und Harry sind gerade erst von einer einjährigen Auslandsreise, die sie durch Südamerika und Europa geführt hat, zurückgekehrt.
Es wird ein sehr nettes und fröhliches Wiedersehen. Wir reden natürlich über die Fortsetzung unserer Reise nach Coral Bay, über die Zukunft, über Fremantle und und und. Gerrys schottischer Akzent ist immer besser zu verstehen.
Wir können Elfriede und Wynnes Angebot, doch im Zimmer zu schlafen, nicht widerstehen und so ziehen wir in ihrer Garage ein. Sie werden das Haus bald verkaufen, die Bäume auf dem Bauplatz für das neue Haus etwas weiter oben am Hang sind heute gefällt worden, nächste Woche wird gerodet und dann beginnt der Rohbau. Es ist toll, so herzlich aufgenommen zu werden.
Zum Abendessen fahren wir in das gleiche Restaurant, in dem wir am 16. März 2013 zum Lunch waren, in das Mahogeny. Es ist so ein schöner Abend, dass wir uns einen Tisch im Garten suchen.
Zurück in der Dalry Road verabschieden wir uns für heute von unseren Gastgebern und ziehen uns in unser Gemach (mit eigenem, kleinem Bad und Toilette) zurück. Ich will noch Daten erfassen und ein bisschen lesen.
Ach ja, Galore ist einfach eine große Menge. Gerry kennt die Geschichte, die ich gerade lese. Die Geiselnahme in Sydney ist beendet, der Geiselnehmer und zwei Geiseln sind tot, Sprengstoff war nicht im Spiel und die Tat war weder religiös noch politisch motiviert, der Täter war wohl sehr gestört.

Mittwoch, 17. Dezember

Nach dem Frühstück kommen wir mit den Nachbarn ins Gespräch. Sie sind erfahrene Australienreisende und schon ziemlich oft hier unterwegs gewesen. Die jetzige Reise führt sie von Brisbane nach Perth, von dort geht es weiter nach Bali, Borneo und kleinere Inseln des südlichen Pazifik. Das Angebot einer Tasse Kaffee schlagen wir aus und fahren los. Kaffee ist halt nicht so unsere Sache.
In Busselton ist der erste Stop. Hier gibt es eine 1,8 km lange Jetty. Von Busselton wurde schon kurz nach der ersten Besiedelung Jarrah, eine bestimmte Eukalyptusart, die besonders hartes Holz hat, nach England exportiert. Da das Meer hier relativ flach ist, musste die Jetty so lange gebaut werden, damit wenigstens mittelgroße Schiffe anlegen konnten. Später kamen die Regierungsschiffe hierher, Schiffe, die der regelmäßigen Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln und den Dingen des täglichen Lebens sicherstellen sollten. Außerdem konnte man mit diesen Schiffen nach Fremantle reisen, das war erheblich schneller, bequemer und am Ende auch billiger als auf dem Landweg. So wurde diese Jetty in gebrauchsfähigem Zustand erhalten, auch nachdem der Holzexport eingestellt worden war. Mit der Einführung des motorisierten Straßenverkehrs und der Roadtrains war die Notwendigkeit für die Schiffe nicht mehr gegeben, die Jetties wurden aufgegeben. Hier in Busselton wurde allerdings der Wert der Jetty als Touristenmagnet früh erkannt und die Jetty restauriert. Ein Bähnchen fährt die Strecke, man darf aber auch zu Fuß gehen, was wir machen. Dann kostet es nur 3 $, außerdem ist der Zug gerade abgefahren. Als wir am Kopf ankommen, die Passagiere sind gerade im Underwater Observatory verschwunden, spricht uns der "Stationswärter" an: "Did you run?" "No, the train is slowly." "Well, it stops quiet often." Er hatte uns bei der Abfahrt des Zugs an der Kasse gesehen und wundert sich, wieso wir schon hier sind. Daraus entwickelt sich wie so oft eine längere Unterhaltung über Australien und die Welt.  Merkwürdig, niemand spricht über die Geiselnahme in Sydney, ich weiß nicht, wie sichdie Sache entwickelt hat.
Pelikan at Woodman Point
In Mandurah streifen wir durch die Innenstadt, um die Fahrt zu unterbrechen. Hier haben wir 2013 das Bild von uns beiden im Herz gemacht (glaube ich zumindest), auch damals hatte Brigitte das Jeansjäckchen an.
Schon sind wir in Fremantle und suchen den von Bobi empfohlenen Caravan Park an Woodman Point auf. Obwohl es sich um einen Aspen-Park handelt, bekommen wir einen Platz ohne Stromanschluss ganz in der Nähe der gut eingerichteten Camp Kitchen. Das freie WiFi ist allerdings sehr langsam und nach kurzer Zeit auch ausgelaufen, das Kontingent war wohl nicht sehr groß.
Ein Strandspaziergang beschließt unsere heutigen Aktivitäten.

Dienstag, 16. Dezember

Wir lassen uns viel Zeit, weil wir ohnehin erst um acht wegfahren können: Das Office macht erst dann auf, und deshalb können wir frühestens um acht unsere Schlüssel abgeben und den Deposit zurückholen. So kann ich dann doch noch Bilder zu dem gestern veröffentlichten Blogpost hinzufügen - zumindest für die letzten Tage. Sogar für die Mails reicht das Freikontingent noch aus. Von Kapi ist ein Mail gekommen, er hat den Post bereits gelesen.
In Gracetown haben sich die Wolken schon so weit gelichtet, dass die Sonne ihre wahre Wärme zeigen kann. Während wir am Strand spazieren schiebt sich die Wolkenbank immer weiter hinaus aufs Meer, ich kann schon bald auf den Pullover verzichten. Hier in Gracetown fand 1996 ein Surfwettbewerb zwischen zwei Schulen statt. Während des abschließenden Finales brach die Klippe über den Zuschauern zusammen, mehr als 2.000 t Geröll fielen auf die fröhliche Menge, Es gab neun Tote, darunter vier Kinder. Andere Verschüttete konnten gerettet werden, es waren schnell genug ausreichend viele Helfer zur Stelle. Dass nur 2010 ein Surfer ums Leben kam ist eher erstaunlich angesichts der Felsen, vor denen sich das Surfgeschehen abspielt. Manche der Sportler sind richtig gut, sehr elegant nutzen sie die Energie der etwa fünf Meter hohen Wellen aus.
Visitors for Diner
Auch in Dunsborough legen wir eine Pause ein, bevor wir in der Nähe von Busselton einen geeigneten Caravan Park finden. Sonne und leichter Wind laden dazu ein, unsere Wäsche zu waschen. Das übriggebliebene Waschpulver lassen wir in der Laundry stehen, vielleicht kann es jemand brauchen.
Heute koche ich am Bushi, es gibt eine Camp Kitchen, sie hat aber nur Barbequeues zum kochen, keinen Herd.
Eine Neuseeländerin nutzt den Barbequeue direkt neben uns, deshalb kommen wir ins Gespräch. Sie ist ebenfalls mit einem Bushi unterwegs auf dem Weg zu ihrem Sohn in Perth. Alle wollen mittelfristig nach Perth, scheint es.

Montag, 15. Dezember

Nachtrag: Außerdem gibt es in Neckarhausen und Umgebung halt niemanden, der uns was verkaufen will. Ich muss mich doch mal erkundigen, ob ich als Deutscher ohne permanentes Aufenthaltsrecht hier in Western Australia eine Immobilie kaufen darf.
Genug gejammert.
Zum Abendessen incl. Vor- und Zubereitung gehen wir in die Camper Kitchen. Abends spielen wir wieder Karten im Bushi. Der Wind hat sich gelegt, mit einem Sternenhimmel ist nicht zu rechnen.

Montag, 15. Dezember 2014

Montag, 15. Dezember, Margaret River, WA




Montag, 15. Dezember

Es fällt schwer, nicht dauernd über das Wetter zu klagen, aber der Süden dieses Kontinents mag uns wohl nicht besonders. Jedes Mal, wenn wir hier sind, ist das Wetter nicht so richtig für Camping und permanenten Aufenthalt im Freien geeignet. Das war schon 2007 und 2010 so und 2013 nicht besser.
Der vierte Monat unserer Reise beginnt, die letzte Woche ist schon zwei Tage alt.
Langsam geht es nach Norden. In Hamelin Bay machen wir einen weiteren Strandspaziergang, kehren eilends um, als der Himmel hinter uns bedrohlich dunkel wird. War aber falscher Alarm, es bleibt trocken, immer wieder bricht die Sonne durch die Wolken.
Im Leeuwin Estate, das wir aufgrund Erwins Empfehlung besuchen, kaufen wir zwei Flaschen Wein als Gastgeschenk für Elfriede und Wynne. Gestern habe ich ihn telefonisch erreicht, Donnerstag haben sie Zeit, Freitag ist Elfriede bereits "belegt". Leeuwin Estate ist ein sehr großes, sehr feudales Anwesen. Es gibt hier auch Riesling, ich wundere mich, ob es dafür nicht zu warm ist. Darauf wird mir erklärt, dass sie den Riesling, die Stöcke sind rund 40 Jahre alt, relativ weit stehen haben und nur wenige Blätter entfernen, um die Trauben vor zu intensiver Sonnenstrahlung zu beschützen. Das Ergebnis ist wirklich gut. Auch der "einfache" Shiraz (nur diese beiden Sorten probiere ich, ich muss und will ja noch Autofahren) ist wirklich gut, viel milder als viele Shiraz, die man sonst bekommt.
In the least corner of the caravan park in Margaret River
In Margaret River gibt es angeblich einen Wifi-Hotspot, den jedermann benutzen kann - aber ich finde ihn nicht, da kann mir auch die freundliche Dame im Besucherzentrum nicht weiter helfen. Bei Target kaufe ich mir ein Hemd für den Besuch in Perth und den Heimflug. Ich muss mir aufschreiben, beim Packen vor der nächsten Reise an ein Hemd zu denken.
Ich würde ja am liebsten hier in Australien bleiben, ich habe keine Lust, jetzt oder überhaupt nach Deutschland zurückzukehren. Ich weiß zwar, dass es nicht geht, weder hier noch in Deutschland, aber dennoch wäre es eine schöne Sache. Ich sehe mir seit Tagen Immobilienanzeigen an - es ist unglaublich, wie preiswert selbst hier unten in einer dicht besiedelten Gegend (in die wir nicht ziehen würden, viel mehr zieht es uns ins Outback oder in die Gegend von Broome) Grund und Boden ist. Vom Preis für die Häuser ganz zu schweigen, wobei man zugeben muss, dass Baustil und Auflagen nicht mit Deutschland vergleichbar sind.

Sonntag, 14. Dezember

Es war eine sehr kalte Nacht. Ich schätze es auf 12° C, das hatte es weiter unten, hier in den Hügeln könnte es sogar noch weniger gewesen sein. Dafür ist der Wind eingeschlafen.
Auch das Frühstück nehmen wir in der Camp Kitchen ein.
Jarrah on the banks of the Blackwood River
Kurz hinter Bridgetown ist ein ausgewiesener Wanderweg, der Billumgun Track, insgesamt etwa 1.000 km lang. Er führt quer durch den Südwesten von Western Australia nach Perth. Den gehen wir natürlich nicht, dazu ist es schon zu spät, nur einen kleinen Teil wandern wir ab, denn es gibt hier einen Rundweg, dessen eine Seite den Billumgun benutzt. Herrlicher Hochwald, mit Hardwood, Marri, Karri und Jarrah umgibt uns, unter diesen hohen Bäume wachsen mannigfaltige andere Eukalypten, Akazien, Banksia und Grevillea.
Je weiter wir nach Südwesten kommen, desto mehr Verkehr herrscht, es beginnt schon fast, stressig zu werden. 
Cape Leeuwin gilt als südwestlichster Punkt des australischen Festlandes. Dort besuchen wir den Leuchtturm. Man darf ihn nur besteigen, wenn man eine Führung mitmacht, das will ich aber nicht. Und so sehen wir uns (mit Hilfe einer Audioführung) alles rundherum an. Der Leuchtturm ist mit 56 m Höhe der längste in Western Australia und der zweitlägste in Australien. Seit seiner Inbetriebnahme 1894 hat es nur noch ein Schiffsunglück hier am Kap gegeben, vorher waren es 23 in nicht mal 50 Jahren. Seit 1992 ist der Leuchtturm automatisiert, vorher gab es zu fast 100 Jahre jeweils 3 Lighthouse Keeper, die rund um die Uhr dafür veranwortlich waren, dass der Leuchtturm richtig arbeitete. Jeder der drei Keeper hatte ein eigenes Haus mit drei Schlafzimmern. Bis 1976 gab es noch einen weiteren "Keeper", er war dafür verantwortlich, dass die drei Lighthouse Keeper und ihre Familien immer genug Holz zum Kochen und Heizen hatten. Diese Stelle wurde eingespart, sein Haus eingestampft und vermutlich recycled. Matthew Flinders ist hier am Cape Leeuwin nach Osten gestartet, am Ende wurde die erste Umsegelung von Australien daraus.
Cape Leeuwin Lighthouse from a distance
Ein Campingplatz in Augusta lädt uns zum Bleiben ein.

Samstag, 13. Dezember

Gestern Nachmittag habe ich festgestellt, dass alle Kontakte von meinem iPad verschwunden sind. Ich hatte die Kontakte in der iCloud. Offensichtlich hat der Dieb es geschafft, trotz PIN-Sperre auf dem iPhone an die Daten zu kommen und hat sie gelöscht. Hoffentlich kann Apple sie wiederherstellen. Aber dort Hilfe zu bekommen ist fast ebenso schwierig wie bei der deutschen Telekom. Es ist mir nicht gelungen, die deutsche SIM-Karte sperren zu lassen, auf der Homepage findet sich nichts in dieser Richtung und eine passende Servicenummer ist nicht zu finden. Telstra hat wenigstens einen Chat…
Als Folge dieser Feststellung hatte ich eine ziemlich schlechte Nacht, ich habe mir ausgemalt, was noch alles passieren wird, welche Überraschungen mich in dieser Sache noch erwarten.
Crossing the Wheat Train Line
Die heutige Etappe ist ziemlich kurz, deshalb können wir uns viel Zeit lassen. Ich fotografiere immer wieder, fahre gemütlich (was einem niedrigen Spritverbrauch sehr entgegen kommt), und wir sehen uns immer wieder was an - wenn es etwas anzusehen gibt. Weiterhin fahren wir durch Farmland, vorbei an weiten Getreidefeldern, die Ernte ist teils noch im Gang. Immer wieder sitzen Ringnecks auf der Straße und fliegen dann mit dem Bushi um die Wette. Eine Geschwindigkeit von etwa 55 kmh halten sie für zwei Kilometer schon durch. Auch Galas schließen sich gelegentlich der Hetzjagd an. Die Zeit der Goannas auf der Straße ist vorbei, sie hätten hier auch keine Chance, den Autos zu entkommen. Noch gestern haben wir einen Sleepy Lizzard gesehen, heute finde ich einen vertrockneten Kadaver, das war's.
Vom Gregory Tree steht nur noch der untere Teil , der Rest des einst riesigen Jarrah ist der Zeit zum Opfer gefallen. Al Gregory war einer der Explorer der Gegend, der hier 1845 vorbeigekommen und seine Initialen in dem Baum vermerkt hatte.
In Boyup Brook ist in der Visitor Information eine Käfer- und Schmetterlingsausstellung, Teil einer wesentlich größeren Sammlung, die derzeit in Canberra gezeigt wird, zu sehen. Das passt ja gut zu dem Titel unserer diesjährigen Tour.
Der gegen Geld öffentlich zugängliche Rechner in der Visitor Information in Bridgetown ist auf einem dermaßen alten Stand, dass ich mich dort nicht anmelden kann, nicht bei GMX und nicht bei Facebook, um die Passwörter zu ändern. Also hole ich den Klapprechner und wir gehen ins Emporium Café, dort gibt es Wifi. Relativ schnell ist alles erledigt, der Rest ist Routine. Der Kuchen, Brigitte nimmt einen Lemon Meringe und eine heiße Schokolade, ich einen Lemon Cheesecake mit einem frisch zubereiteten Fruit Juice, ist exzellent, sogar mir, der ich sonst kein großer Freund von Kuchen und Torten bin, schmeckt es gut. Über Google finde ich eine Bobi Ward in Fremantle, sie hat einen Facebook Account und könnte, den Bildern nach, "unsere" Bobi sein. Ich stelle eine Freundschaftsanfrage und schicke eine persönliche Nachricht. Mal sehen, was daraus wird.
Der örtliche Caravan Park liegt im Tal des Blackwood Rivers. Wir bekommen einen netten Platz mit Blick auf den Fluss, der etwa 10 m unter uns vorbeifließt - oder besser vorbeidümpelt. Der Wind ist, das geben auch die Einheimischen zu, ziemlich kalt, ein paar Grad mehr wären nett. Zum Glück gibt es auch hier eine große Campingküche mit Gasherd. Zwei Australier beginnen am Barbequeue zu kochen, ein nettes Gespräch kommt zustande, der eine lädt uns ein, ihn in Rockhampton zu besuchen. Aber eine Adresse gibt's nicht.

Freitag, 12. Dezember

Nach Frühstück und Packen steigen wir auf den Hyden Rock und wandern oben herum. Die Sicht ist phantastisch, schon deshalb, weil weit und breit nur eine weitere, ähnliche Erhebung ist, The Humbs, ebenfalls ein Granit, der der Erosion des restlichen Umlandes widerstanden hat. Zwei weitere solche Erhebungen liegen unter dem südlichen Horizont.
Gemütlich fahren wir nach Westen. In Hyden ist eine künstlerische Aufbereitung der Geschichte des Ortes zu besichtigen. In Lake Grace besuchen wir das alte Stationmaster's House, in dem heute die Visitor Information und ein großer Kramladen ist. Lauter nette Sachen, die man nicht braucht. Und in Dumbleyung, dem Ort, auf dessen gleichnamigem See, Lake Dumbleyung, Donald Campbell mit seinem Bluebird im Jahr 1964 einen Weltgeschwindigkeitsrekord für Wasserfahrzeuge aufgestellt hat, kaufen wir im Roadhouse eine Portion Fish&Chips und eine kleine Flasche Limonade. Die Limonade kostet fast halb so viel wie die Fish&Chips. Die wiederum ist die bisher kleinste Portion (von 4 Versuchen).
Der nächste Ort ist Wagin. Weil der Diesel hier 20 Cent pro Liter weniger kostet als bisher, tanke ich den Main voll. Der Sub bleibt leer, denn das Ende ist nahe. In Wagin steht neben dem Shire Council "The Big Ram", ein aus Stahl und Kohlefasern erbauter Hammel, neun Mal so groß wie ein echter - so steht es auf dem Schild. Aber angesichts der Maße hat da jemand die Dimensionen nicht berücksichtigt, der Bock ist eher 729 mal so groß, nämlich neun Mal so lang, neun Mal so breit und neun Mal so hoch. Hier bleiben wir für die Nacht. Der Caravan Park ist zwar sehr einfach, aber dafür auch preiswert. In Wagin ist heute Abend Street Christmas Carnival, wir gehen hin.
The Big Ram in Wagin
Wagin hat überraschend viele Kinder und Jugendliche, und viele sind sie hier in der Hauptstraße, die auf eine Länge von drei Blocks gesperrt ist. Eine der Attraktionen für die Kids ist ein Drum Train: Aufgeschnittene Ölfässer mit zwei Rädern mit einem angeschweißten Blech als Radkappen und einem eingebauten Sitz aneinandergehängt werden von einem Quad in einem Affenzahn um die Blocks gefahren. Die Kinder freut es und die Eltern stört es nicht. Bei uns wäre letzteres ganz anders und das Ganze deshalb verboten. Was den Kindern offensichtlich auch viel Spaß macht, ist, sich gegenseitig mit Luftschlangen aus der Spraydose zu besprühen. Die örtlichen Vereine bieten Essen und Gebasteltes an, um Geld für einen guten Zweck zu sammeln. Beim Lions Club gibt es Hamburger, bei Rotary Hot Dogs und Donuts, bei den Landfrauen Lammgyros im Baguette. Bei anderen Frauen gibt es frische Erdbeeren, zwei Männer verkaufen Fairy Hair – Zuckerwatte. Eine örtliche Band spielt Ohrwürmer aus dem letzten Jahrhundert, Johnny Cash, Neal Diamond, Chuck Berry und australische Sachen. Wir tanzen ein bisschen, einen Waltz, einen Slowfox und zwei Twosteps. Das fällt auf, nicht nur den Musikern, die es freut, dass sie solche Reaktion hervorrufen. Manche der älteren Anwohner sind ebenfalls erstaunt, die meisten scheinen es einfach zu ignorieren.
Kurz vor Sonnenuntergang fliegt Santa ein paar Runden über der Stadt und winkt. Wenig später ist die Sonne verschwunden, es wird richtig kalt. Wir gehen zurück zu unserem Fahrzeug. Heute Nacht bleibt die Hecktür zu.

Donnerstag, 11. Dezember

Mit Sonnenaufgang stehe ich auf. Bei der Weiterfahrt zeigt sich, dass unsere Wahl des Übernachtungsplatzes optimal war: Es gibt auf der weiteren Strecke keine geeignete Stelle mehr. Entweder das Unterholz ist zu dicht oder der Zugang nicht möglich oder die Stelle zu licht. Mt. Jackson erhebt sich eindrucksvoll aus der Ebene, die gleichnamige Station scheint es nicht mehr zu geben, denn die Mt. Jackson Rd, an der die Station liegt, gehört jetzt der Mining Company Cliffs Nature Resources und ist für den Durchgangsverkehr gesperrt: "Mine Haul only, no unauthorized access".
Kurz vor Bullfinch überqueren wir einen Salzsee, den Lake Debora. Tatsächlich sind es zwei Teile des gleichen Sees, die sich hier sehr nahe kommen, so dass genug Platz für eine Straße ist. Der See ist sehr eindrucksvoll und blendend weiß, weil es noch nicht so warm ist, dass sich der Himmel in der warmen Luft spiegeln würde.
Wenige Kilometer später endet plötzlich der Buschwald, auf beiden Seiten erstreckt sich, soweit das Auge reicht, je ein abgeerntetes Getreidefeld. Hier ist das Outback zu Ende, für uns wahrscheinlich für eine lange Zeit. Ab hier ist alles Farmland, Nationalpark oder besiedelt. Ebenfalls zu Ende ist es mit den "unsealed" oder "dirt" roads, also Straßen ohne Bitumen- oder Zementbelag.
Ziemlich früh sind wir in Southern Cross. Dort schaffe ich es, meine bisherige SIM-Karte sperren zu lassen, allerdings zu spät, sie wurde heute Vormittag geleert. Außerdem finden wir eine Werkstatt, die dem Bushi den überfälligen Service angedeihen lässt und einen Laden, der uns ein neues Telefon mit Prepaidkarte verkauft. So weit so gut, das neue Mobil ist allerdings mehr ein Spielzeug, wenn man es unfairerweise mit dem iPhone vergleicht. Das Aktivieren der Karte dauert dann allerdings ewig lange, weil ich das (nicht mehr vorhandene) Guthaben von meiner alten Karte auf die neue übertragen haben wollte. Aber darauf kommt es jetzt auch nicht mehr an.
Christmas Trees in Southern Cross
Der Bushi ist fertig, als wir endlich aus dem Centrelink herauskommen. Etwas zu spät stelle ich fest, dass jetzt ein Blinklicht ausgefallen ist, da sind wir bereits unterwegs zum Wave Rock. Brigitte hat mich überzeugt, dass es besser ist, die geplanten drei Etappen von Sandstone bis zum Wave Rock auf zwei zu reduzieren. Wir kommen so zwar erst um halb 5 am Caravan Park an, aber das reicht noch gut für Schwimmen, Duschen, Kochen und Abendessen bevor es dunkel ist. Eigentlich wollte ich den Sonnenuntergang vom Hyden Rock - an dessen einer Seite, dem Campingplatz zugewandt, der Waverock ist - aus sehen. Aber da kam uns das Paar vom Nebenplatz dazwischen. Zwei Schweizer, die einen Hilux von Bruno/TCC gemietet haben. Sie wollen sich mal über den Landcruiser informieren, weil sie überlegt hatten, welches Fahrzeug sie nehmen wollen. Eine lange Unterhaltung entwickelt sich.

Mittwoch, 10. Dezember

Gegen drei werden wir wach, weil starker Wind, fast schon Sturm, den Bushi in seinen Grundfesten erbeben lässt. Das fühlt sich oben an als würde jemand versuchen einzusteigen. Nach gestern reicht das, um uns zu wecken. Im Süden steht deutlich das Kreuz des Südens, auch die Pointer sind zu sehen. Der Wind bringt kalte Luft mit.
Um halb acht sind wir auf dem Weg in den Süden. Es ist heute noch einsamer als gestern, nicht mal Goannas lassen sich blicken. Stimmt nicht ganz, einer dreht um, als wir kommen und verschwindet im Unterholz, ein anderer sitzt bei einem überfahrenen Känguru und betrachtet sehr interessiert diesen riesigen Fleischberg. Ich wusste ja, dass Goannas Allesfresser sind, aber dass sie sich auch über Aas hermachen, hatte ich nicht gedacht. Andererseits: Warum eigentlich nicht? Zumindest spart die Echse eine Menge Energie, wenn sie nicht jagen muss.
Kühe begegnen uns nur einmal, als wir an einem künstlichen Wasserloch vorbeikommen. Ansonsten: Zwei Grader, der eine in Begleitung einer Walze und eines Tankwagens (bei größeren Straßenarbeiten wird der rote Dirt angefeuchtet, damit er nicht so staubt), Zwei Roadtrains mit jeweils drei Hängern, Ein größerer PKW.
Wieder sind wir in Stationland, das sieht man an den Zäunen und den Schildern. Aber von vier Stations, an denen wir vorbei kommen, ist nur bei einer ein Hinweis an der Straße, und gerade bei der ist das Homestead, das Wohnhaus der Besitzer, von der Straße aus zu sehen. Diese Station liegt in der Nähe des Lake Balrey (und sie heißt auch so, Lake Balrey Station), eines riesigen Salzsees, etwa 100 km lang und 60 km breit (allerdings natürlich nicht rechteckig, sondern dem Geländeverlauf angepasst mit vielen Seitenarmen). Alles ist strahlend weiß, es sei denn, der Betrachter ist weit genug weg, dann spiegelt sich der Himmel in der heißen Luft über dem Salz und es sieht aus, als sei da Wasser. Dieser Effekt tritt auch bei der Straße hin und wieder auf. Wovon leben hier die Tiere? Die Blue- und Saltbushes hier sehen nicht sehr nahrhaft aus. Schafe fressen Saltbush, das habe ich gelesen, aber ob das reicht für eine ausgewogene Ernährung?
Auf einem Schild an einem Grid steht "Cattle are erratic, 5 dead". Ich weiß jetzt nicht, wer tot ist, 5 Kühe oder 5 Touristen. Haben die Kühe BSE oder etwas in dieser Art (was ich mir bei freilebenden, quasi wilden Rindern nicht vorstellen kann)? Oder reagieren sie aggressiv auf Touristen, die sie in die Enge treiben, so wie das im Sommer in der Schweiz war? Ich glaube nicht.
Another flowering Tree
Gegen 1 pm suchen wir uns eine schöne Stelle abseits der Straße, wo wir die Nacht verbringen können. Wir finden prompt eine flache Stelle, so weit von der Straße weg, dass wir nicht zu sehen sind und mit mehreren Bäumen, die so viel Schatten spenden, dass wir darunter sitzen können. Es ist heute lange nicht so heiß wie vorgestern, knapp 40°C oder gestern mit 37° C, das liegt wohl an dem noch immer kühlen Wind, der zum Glück nicht mehr so kräftig bläst wie noch beim Frühstück.
Ein herrlicher Sternenhimmel entwickelt sich aus dem eher unspektakulären Sonnenuntergang. Es lohnt sich immer wieder aufs Neue, abseits der bewohnten Gebiete zu bleiben.

Dienstag, 9. Dezember

Etwa um eins weckt mich ein erschreckter Ausruf von Brigitte: Unter uns ist jemand im Auto. Bis ich ebenfalls unten bin ist er - oder sie, wer weiß das schon so genau - bereits verschwunden, ich sehe nur noch einen dunklen Schatten. Ich bin zu langsam, habe deshalb keine Chance, der Dieb ist weg, denn das iPhone hat er mitgenommen. Sonst nichts, aber das ist schon schlimm genug. Denn damit haben wir keine Kommunikationszentrale mehr. Wifi gibt es ja kaum. Wenig später kommt ein Polizeiauto auf Patrouillenfahrt vorbei und hält bei uns am Bushi, wir berichten, sie nehmen den Fall auf, sehen sich um und fahren weiter. Ich bin sicher, wenn es hier nicht so hell wäre (wir stehen mit dem Heck in Richtung Waschhaus, dort ist eine sehr helle Lampe, die in den Bushi leuchtet), wäre es nicht passiert. Durch die Beleuchtung kann man im Bushi alles ohne weiteres künstliches Licht erkennen. Klar, wenn man erst die Hecktüre aufmachen muss, hält das manchen von einem schnellen Zugriff ab. Bisher ist nie was passiert. An Schlafen ist erstmal nicht zu denken, dennoch legen wir uns wieder hin, aber nur, um bei jedem aus der Reihe tanzenden Geräusch hochzufahren und zu schauen, ob da was ist.
Irgendwann schlafe ich dann doch ein, als ich aus dem Fenster schaue, beginnt es zu dämmern und beim nächsten Mal ist die Sonne schon aufgegangen.
Wir fahren bei der Polizei vorbei, bisher hat die Suche noch nichts ergeben. Der Wachhabende meint, ich solle ihnen Zeit lassen, sie hätten in letzter Zeit einige Erfolge gehabt beim Aufspüren von gestohlenen Mobiltelefonen. Da bin ich mal gespannt, auf jeden Fall lasse ich meine Email-Adresse da.
Ab jetzt geht es einige Tage nach Süden, geplant ist, auf Nebenstraßen über Sandstone, Southern Cross, Hyden (Wave Rock) und Lake Grace Richtung Cape Leeuwin zu fahren und dann an der Westküste entlang nach Fremantle und Perth. Leider haben wir jetzt die Telefonnummer von Bobi und Gerry nicht mehr, um der Einladung zum Tee zu folgen.
Auf dem Weg nach Sandstone über die Meekathara Sandstone Road, die in einem hervorragenden Zustand ist, kommen uns auf den 200 Kilometern zwei Autos entgegen, zwei Mal sehen wir eine kleine Herde Kühe, hin und wieder überquert ein Goanna gemächlichen Schrittes die Straße. Einmal wird es knapp, der Goanna ist schnell und sehr knapp vor uns aus dem Unterholz hervorgebrochen. Gerade noch so schaffe ich es, ihn nicht zu überrollen. Ein Lastauto hätte uns überholt, wenn wir da nicht gerade die Straße verlassen hätten, um den Ballangi Rock zu besteigen. Ballangi Rock? Das ist die Hinterlassenschaft eines Meteoriteneinschlags vor rund 1.000.000.000 Jahren. Der eigentliche Einschlagkrater ist hinwegerodiert, übriggeblieben ist die Spitze des durch die gewaltigen Energiemengen geschmolzenen und anschließend wieder verhärteten Gesteins vermischt mit Meteoritenabfall. Das ist ein sehr hartes Gestein, deshalb hat es bis heute der Erosion standgehalten. Auch Ballangi Rock ist ein riesiger Felsen, allerdings deutlich kleiner aus der Uluru. Das Besteigen dauert nur wenige Minuten, von oben hat man einen riesigen Rundblick über die ansonsten fast brettebene Umgebung.
Die Straße führt weiter nach Süden durch Stationland. Von Kühen sind (fast) nur ihre Hinterlassenschaften zu sehen.
Und dann sind wir in Sandstone. Das ist auch eine Stadt aus der Goldgräberzeit. Danach brachte die aufblühende Wollerzeugung mit riesigen Schaffarmen (zur Hochzeit gab es im Shire 256.000 Schafe, heute sind es 32.000) eine zweite Blüte, bevor Mitte der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch verfallende Wollpreise bei steigenden Kosten für die Farmer die Erträge der Stations zurückgingen und viele schließen mussten. Auch wurden einige der Stations umgestellt auf Cattle, also Kühe, weil es bei Kühen weniger Verluste durch Dingos gibt. Apropos Dingos: Auf unserem Weg haben wir den 1902 bis 1907 gebauten Rabbit Proof Fence überquert. Theoretisch hätte das wohl geklappt, aber noch während der Bauzeit wurden westlich des Zauns Kaninchen entdeckt, es war schon zu spät. Später wurden ein zweiter und ein dritter Zaun gebaut, alle drei heißen aber jetzt Vermin Fence (Ungezieferzaun).
Nach dem Besuch im Shire Office mit einer schönen Bilderausstellung aus der Geschichte Sandstones sehen wir uns weitere Sehenswürdigkeiten des Ortes an, fahren den Heritage Trail mit den Resten einer Brauerei, die bereits 1902 als Folge des Eisenbahnbaus zumachen musste, einer alten Wasserversorgung und einem natürlichen Sandsteinbogen ("London Bridge")  ab und mieten uns dann auf dem Campingplatz ein. Ziemlich zeitgleich mit uns kommen zwei Deutsche in einem Britz VW Amorok an. Wir stehen nebeneinander, da ist es klar, dass wir ins Gespräch kommen. Sie sind seit 10 Tagen unterwegs und bleiben bis Ende des Jahres. Am 16. Dezember wollen sie das Auto in Alice abgeben, um dann an die Ostküste zu fliegen. Morgen brechen sie auf nach Laverton, von wo aus sie am Donnerstag den Great Central Highway unter die Räder nehmen.

Montag, 8. Dezember

Wir brauchen morgens ziemlich genau 1:40 h vom Aufstehen bis zum Losfahren. Brigitte meint, wir könnten auch schneller, wenn es sein muss. Bisher musste es aber nie sein.
So sind wir 10 nach 7 auf dem Weg in den Norden. An "The Granite", einer Granit/Limestone Formation machen wir uns vergeblich auf die Suche nach der hier angeblich vorhandenen Aboriginal Art.
In Cue besuchen wir die Fotoausstellung mit Bildern aus der Blütezeit von Cue und ihrer Schwesterstadt Day Dawn. Beide Städte hatten ihre große Zeit durch den Goldrush Ende des 19ten Jahrhunderts. Cue liegt an der Bahnstrecke zwischen Mt. Magnet und Meekatharra und war zeitweise der Endpunkt der Bahnlinie. Endpunkt-Ansiedlungen erlebten einen besonderen Auftrieb, denn plötzlich kam das touristische Leben in Gang. Am Endpunkt musste es Hotels und Restaurationsbetriebe geben für An- und Abreisende. In Endpunkten wurden Ställe gebraucht für die Pferde, die die Wagen zogen, mit denen die Passagiere zum Zug gebracht oder von dort abgeholt wurden. Beide Städte beherbergten überdies jeweils ein großes Mining Unternehmen mit großen Erfolgen bei der Goldsuche. In Cue alleine wurden insgesamt 2.900.000 Unzen Gold aus der Erde geholt, die Mine in Day Dawn war noch ergiebiger. Mitte des 20sten Jahrhundert war es mit dem Gold vorbei, das war das Ende von Day Dawn, von dem heute nichts mehr übrig ist. Cue konnte sich wegen der noch immer aktiven Bahnlinie besser halten. 1978 wurde die Strecke von Mt.Magnet nach Meekatharra stillgelegt, damit war Cue aus dem Rennen. Aber die Ansiedlung konnte sich halten, viele der schönen Gebäude aus der Gründerzeit und den Boomjahren sind erhalten bzw. restauriert und werden genutzt, es gibt eine aktive Bürgerschaft.
Welch ein Vergleich zu Meekatharra! Hier gibt es noch eine aktive Mine, und doch sieht die Ansiedlung, die größer ist als Cue, wesentlich schäbiger aus. Aber es gibt einen Pool, und dort sogar ausgewiesene Öffnungszeiten. Wir gehen schwimmen. Das Becken hat eine 100 ft Bahn, das sind etwa 35 m. Das Wasser ist kühl.
Der Bushi braucht eigentlich einen Ölwechsel. Nur ist es uns seit Carnarvon nicht gelungen, eine Werkstatt zu finden, die es machen will. In Carnarvon gab es keine Werkstatt oder ich habe sie nicht gefunden, in Geraldton war Wochenende. Hier in Meekatharra sind zwar zwei Mechaniker, aber beide sind bis Weihnachten ausgelastet. Wir werden es weiter probieren, eventuell sind wir bei einem Roadhouse erfolgreich.
Der Caravan Park liegt hinter der einen Tankstelle an der Hauptstraße, entsprechend viel LKW-Verkehr rollt vorbei. Je später es wird, desto ruhiger ist es. Kochen am Bushi, denn es gibt hier keine Campingküche.