Donnerstag, 6. November
Zum Sonnenaufgang bin ich schon draußen,
ein wunderbarer Anblick. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass zuerst alles in
dunklem Rot erscheint, nachher wird es gelb und die Sonne ist wie verschleiert.
Während der Fahrt ändert sich das allerdings, auch der Dunst am Horizont löst
sich langsam auf. Mit dem Erreichen der Exmouth Halbinsel verändert sich die
Natur: Die gelben Spinifexbüschel weichen grünen, es ist hier also deutlich
feuchter als im Inland. Überall ist jetzt grün, die Büsche, Bäume und eben auch
der Spinifex. Darunter allerdings ist weiterhin roter Sand und ebenso rot sind
die Tausende von Termitenhügeln, über die ich mich schon 2013 gefreut habe.
| Modern Aboriginal Art |
In Exmouth besorgen wir uns je eine
Schnorchelausrüstung, da kommen wir nicht drum herum hier am Ningaloo Reef.
Denn das Reef ist weniger als 10 m vom Ufer entfernt.
Heute allerdings ist erstmal Housekeeping
angesagt, Wäsche waschen, Hose flicken, Auto aufräumen, und, nicht zu
vergessen, weil am zeitaufwendigsten, Blog schreiben und veröffentlichen. Wir
waren von den kurzen Aufenthalten in Tom Price und Pannawonica abgesehen seit
zehn Tagen ohne Mobilfunkabdeckung und somit ohne Internet. Da wartet einiges
an Mails auf mich, hoffentlich nichts Wichtiges, nichts, was schon erledigt
sein müsste
Mittwoch, 5. November
Heute früh sind die Fliegen ziemlich
nervig, sie kamen auch schon mit den ersten Sonnenstrahlen, und deshalb dränge
ich zum Aufbruch. Mit der Sonne im Rücken fahren wir weiter durch dieses flache
Land.
In Pannawonica beginnt die asphaltierte
Straße, damit wird das Fahren wieder einfacher und leiser. Pannawonica ist eine
im Jahr1972 gegründete Ansiedlung der Rio Tinto Mining Corporation. Es ist eine
"closed city" in dem Sinne, dass nur Mitarbeiter der Rio Tinto hier
eine Wohnung oder ein Haus bekommen. Alle Häuser gehören RTio, alle
Dienstleistungen werden von RTio erbracht. Nur die Library wird vom Shire, das
entspricht unserem Landkreis, betrieben. Pannawonica hat ein wunderbares
Freibad - im wahrsten Sinne des Wortes, der Eintritt ist frei. Ich schwimme 500
m und kann feststellen, dass meine Kraft in den vergangenen sieben Wochen nicht
nennenswert abgenommen hat.
Leider haben wir das Duschmittel im Auto
gelassen.
Immer wieder erhebt sich eine Windhose über
die Ebene und trägt den roten Staub, den Bull Dust, nach oben in den Himmel.
Das ist ein erstaunlicher Anblick, vor allem, da die Windhosen "einfach
so" ganz plötzlich da sind - und ebenso plötzlich wieder in sich
zusammenfallen. Nur der Staub hängt noch eine ganze Weile in der Luft. Dann
erreichen wir den North West Coastal Highway und so richtet sich die Nase
unseres Bushi nach Süden. Unterwegs überholt uns der Unimog 5000 aus Sydney. Im
Nanutarra Roadhouse steht er auf dem Parkplatz, wir treffen die Familie wieder
und üben uns im Smalltalk.
| The Ultimate Outback Vehicle |
Wir verbringen die Nacht in einem Bush
Camp, 100 m neben dem Highway an der Überquerung des Yannarie Rivers, die
Stelle ist als 24h Stopp ausgewiesen und sollte im Rahmen des "Welcome
Rest Stopp" Programms eigentlich mit einem Wifi-Hotspot ausgerüstet sein.
Ist aber nicht, also können wir uns auch nicht der Welt gegenüber äußern. Über
uns ziehen Cockatiel (Nymphensittiche) ihre Kreise, im Westen macht sich die
Sonne daran unterzugehen und wird dabei
vom Mond beobachtet. Morgen ist Vollmond, dann sehen sich Sonne und Mond ein
paar Tage lang nicht mehr. Auch die Fliegen sind wieder da und versuchen uns zu
nerven. Sie werden von Tag zu Tag aufdringlicher.
Dienstag, 4. November
So ist es, der Fortescue River hat sich
etwa 30 m tief in die Ebene eingegraben und bildet nun das Millstream Wetland.
Durch die Tatsache, dass dieses Wasser der Wasserversorgung von Karratha und
anderen Ansiedlungen im Westen von Western Australia dient und der merkwürdigen
Koinzidenz, dass der Grundwasserspiegel in den letzten zwanzig Jahren um mehr
als zwei Meter abgenommen hat (und so der verstärkten Erosion in der Wet Season
Vorschub leistet), ist zu ersehen, dass dieses Wetland nicht mehr allzu lange
erhalten bleiben wird. Jetzt wurde ein Projekt zur Erforschung der Ursachen der
Erosion und des abgesunkenen Grundwasserspiegels ins Leben gerufen.
Durch "rolling hills", mit
Spinifex bewachsen und gelegentlich mal einem kleinen Eukalyptus, fahren wir
nach Norden, besuchen Mount Herbert, wandern den Camel Trail entlang (Die
McKenzie Springs finden wir nur, weil ich mich von Niybarie (Zebrafinken)
leiten lasse. Ohne diese Hilfe haben wir an einer falschen Stelle gesucht.) und
baden im Python Pool. Ob es hier wirklich Pythons gibt? Aber die sind für
Menschen ungefährlich und das Wasser ist herrlich.
Wie eine offene Wunde windet sich die rote
Straße durch die mit gelbem Spinifex und einzelnen grünen Büschen und niederen
Eukalypten oder Mulgas bewachsenen Hügel, auf und ab geht es. Zurück im
südlichen Teil des Parks, in Millstream, baden wir im Deep Reach Pool, einem
riesigen durch den Fortescue gebildeten Becken. Am Rand sind mehrere Barbeques
und schattige Picknickplätze, außerdem richtige Einstiege zum Schutz der
Böschung. Offensichtlich kommen hier gerne die Leute aus der Umgebung her. Was
heißt Umgebung: Pannawonica liegt 97 km weiter im Westen, Tom Price 210 km im
Südosten, mehr gibt es hier nicht.
Wir bleiben eine weitere Nacht im Miliyanha
Camp Ground. Kurz vor "Toresschluss", schon nach Sonnenuntergang,
kommt noch ein Paar mit einem Britz-Bushcamper an. Aber in der Camp Kitchen
sind wir alleine heute.
| River Redgums in Miliyanha Camp Ground |
Montag, 3. November
Wieder mal ein Fahrtag, aber das ist zum
Teil der Tatsache geschuldet, dass ich ein Fass, das als Wegweiser dient, nicht
sehe.
| Flowering Jacaranda in Tom Price |
| Another flowering tree in Tom Price |
In Tom Price sieht man deutlich, dass der
Frühling schon fast vorbei ist: Die Jacaranda blühen, ebenso eine Baumart mit feuerroten,
riesigen Blütendolden und Blättern wie die Jacaranda, vermutlich eine Unterart.
Begeisternd. Eigentlich sind wir hierher gekommen, um unsere Vorräte
aufzufüllen, Diesel, Wasser, Lebensmittel, alles geht zur Neige. Für die Rio
Tinto Railway Access Road, eine Privatstraße, haben wir uns schon in Karratha
den Permit geholt, jetzt kommt er zum Einsatz, denn die genannte Straße ist die
direkte Verbindung zwischen Tom Price und dem Millstream Chichester National
Park (MCNP), unserem nächsten Ziel.
Immer wieder muss ich anhalten und einen
der langen Züge filmen. Seltsam ist nur, dass wir heute nur solche sehen, die
leer von Dampier zurückkommen nach Tom Price und die dortigen Minen. Die vollen
kommen dann wieder zurück, aber die verpassen wir, wie gesagt.
Zwischendurch statten wir dem Mount Sheila
einen Besuch ab und das führt zu besagtem Umweg von immerhin 30 km über eine
Gravelroad in "suboptimalem" Zustand. Die Auffahrt zu Mt. Sheila ist
atemberaubend steil, ich muss zeitweise in den ersten Gang schalten, um den
Bushi dazu zu bewegen nicht stehenzubleiben. Der Rundblick von oben entschädigt
für die Unbilden auf dem Weg. Mt. Sheila ist wohl der höchste Punkt in der
näheren Umgebung. Nur schade, dass die Action Cam jetzt wohl doch ihren Geist
aufgegeben hat, die Hochfahrt wäre einen Film wert gewesen.
Im Millstream Chichester NP ist die Saison
wohl schon als beendet erklärt, nur einer der vier Camp Grounds hat noch
geöffnet, mal sehen, wie wir damit zurechtkommen. (Später erfahren wir von
einemRanger, dass der eine schon seit Jahren benutzt wird, der zweite wegen
unhygienischer Zustände geschlossen ist und der dritte, ganz nahe bei dem hier
gelegene zugemacht wurde, um die Camper hier in Millstream zusammen zu halten.
Das ist ja verständlich, denn es spart Arbeit.) Dafür hat der einzige offene,
Miliyanha Camp Ground, eine vortreffliche Camping Kitchen. Und so macht die
Zubereitung des Frittata noch mehr Spaß. Wie immer ist die Camp Kitchen ein Ort
der Begegnung und des Austauschs.
Es sind insgesamt nur fünf Parteien hier
auf dem Platz, der mit 23 Plätzen ausgestattet ist, das erklärt, dass die
anderen Camp Grounds stillgelegt sind.
Im Wäldchen neben uns quaken ganz eifrig
die Frösche, auch hier scheint es Wasser zu geben. Auf den ersten Blick ist der
MCNP ganz flach, also sind die Gorges, die es zu besuchen gilt, wohl in die
Ebene eingefräst. So wie der Grand Canyon, nur kleiner.
Sonntag, 2. November
Heute werden die ersten sieben Wochen voll,
ich rechne immer erst ab Übernahme, also ab dem 15. September. Das heißt aber
auch, dass unsere Zeit hier schon zur Hälfte abgelaufen ist.
Ob der Singkreis die Kantate gut "über
die Bühne" bekommen hat? Und hoffentlich hat auch drum herum alles gut
geklappt. Ich weiß ja, dass ich zu ersetzen bin, dennoch mache ich mir meine
Gedanken, auch oder gerade weil ich nicht dabei bin.
Ein weiterer Drei-Gorges-Tag erwartet uns.
Joffrey Gorge, Knox Gorge und Dles Gorge, diesmal mit Besuch am Fernpool. Der
gefällt mir diesmal viel besser als bei unerem Besuch im März 2013,
möglicherweise lag das am damaligen Publikum. Junge Männer, die am Wasserfall
rumklettern zu müssen glaubten, von dort ins Wasser sprangen und einen
heillosen Lärm veranstalteten. Eigentlich ist ja schon alles gesagt. Jede der
Gorges ist schön und interessant, alle sind verschieden. Eine ist felsiger,
eine andere grüner, eine etwas breiter, wieder eine andere hat höhere
Seitenwände. Gemeinsam ist ihnen allen, dass es sogar jetzt im November noch
ausreichend Wasser gibt, um die Natur grün zu halten und Insekten, Vögeln und
Reptilien eine Lebensgrundlage zu bieten. Gelegentlich scheint es auch
Wallabies zu geben, zumindest sehen wir Dropings. Hier oben im Norden gibt es
ja nur zwei Jahreszeiten: Wet Season und Dry Season. Wobei die Aboriginal in
Arnheim Land, östlich von Darwin, sogar von sechs Jahreszeiten reden, für sie
sind die Phasen zwischen dem trockenen Winter und dem nassen Sommer genauer
unterteilt, genauer weiß ich es allerdings nicht mehr. Hier jedenfalls naht
jetzt das Ende der längeren Jahreszeit.
| Mountain in the Karijini |
Der Himmel ist heute tiefblau, der Wind ist
wieder aufgelebt, es ist heiß. Blauer Himmel, tiefrote Felsen, grüne Bäume mit
weißen Stämmen (Woolyhead, River Redgum und Paperbark) bilden ein kaum zu
beschreibendes Bild - nur ein Wort: Schön.
Ein kleiner "Striped dragon",
eine Eidechsenart, vielleicht 8 cm lang mit einem mindestens doppelt so langen
Schwanz, klettert am Camp auf unseren Beinen herum und fängt Fliegen. Das ist
angenehm, aber heute sind so viele Fliegen in der Nähe, dass kaum ein
Unterschied festzustellen ist. Unangenehm sind sie, die Fliegen meine ich, ja
besonders dann, wenn sie in die Augen gehen - das machen sie leider mit
Vorliebe.
Samstag, 1. November
Der Wind hat aufgehört. Vermutlich wird es
dann heute etwas wärmer, aber dafür fliegt nicht alles weg.
Wir beginnen diesen Gorges-Tag mit dem
Upper Weano Gorge Trail, setzen mit dem Lower Weano Gorge Trail fort und
beenden diese Gorge mit dem Trail zum Handrail Pool. Dort erholen wir uns vom
Laufen und schwimmen in diesem nicht ganz so tiefen Pool. Das Wasser ist wie
meist ganz klar und ziemlich frisch. Brigitte meinte 15 Grad, ich denke, dass
es 25 Grad sind.
Ohne fahren zu müssen können wir unseren
Gorge-Tag mit dem nächsten Hancock Gorge fortsetzen. Ein steiler Weg und eine
zweistöckige Schiffsleiter führen hinab in das enge Tal. Wenig später müssen
wir durchs Wasser, es geht mir knapp übers Knie. Die Stiefel sind im Rucksack
gut aufgehoben. Allerdings sollte ich nicht ausrutschen, denn die Kamera hängt
mir um den Hals. Ich glaube nicht, dass sie einen Sturz ins Wasser goutieren
würde. Den letzten Teil des Weges legen wir getrennt zurück. Zuerst bleibt
Brigitte bei unserem Gepäck, denn der Weg führt jetzt für 50 m durch bis zu 1,60
m tiefes Wasser. Mit ein bisschen klettern schaffe ich es aber, trockenen Fußes
entlang zu kommen. Aber mit der Kamera wäre es nicht gegangen. Auf ein
einfaches Teilstück folgt der Spider Walk, hier rücken die Wände der Schlucht
bis auf einen Meter zusammen, dazwischen ist ein gerundeter Wasserlauf, das
schnell fließende Wasser (also gibt es keinen Algenbesatz und ergo sind die
Felsen nicht so rutschig) ist etwa knöcheltief - zu tief für die Wanderstiefel.
An zwei Stellen liegt ein Boulder im Spiderwalk, die muss man überklettern. Das
Ende ist der Kermit Pool, der mir aber nicht sagt, dass ich in ihm baden soll.
Mal ganz abgesehen davon, dass Brigitte ja auf mich wartet. Um an dem Pool
vorbeizukommen, ist wieder klettern (oder schwimmen) angesagt, ich wähle die
trockene Variante, nur um kurz danach von einem quer über nun wieder ziemlich breiten Weg gespanntes
Seil mit dem Schild "Road closed" aufgehalten zu werden. Also zurück
auf Null. Zu meiner Überraschung macht sich Brigitte dann doch auf den Weg.
| Australian Magpie in Paperbark |
Zurück beim Auto beschließen wir, einen
Abstecher zur Kalamina Gorge zu machen. Die ist nun völlig anders, zwar auch
tief, aber breiter. Ein munterer Bach fließt auf dem Grund der Schlucht
entlang, gespeist von einem Wasserfall. Aber wo dieses Wasser herkommt, jetzt,
gegen Ende der Trockenzeit, nach acht Monaten ohne Regen, erschließt sich mir
nicht. Irgendwo ist da wohl ein unterirdischer Speicher. Durch dieses Wasser
ist es hier unten richtig schön grün, Reed wächst an den vielen flachen Pools, die bevölkert sind
von kleinen Fischen. Vögel kommen zum Trinken, Kängurus geben sich hier ein
Stelldichein und Eidechsen fangen Insekten. Blaue und rote Libellen ziehen über
den Pools, den kleinen Bächen und Wasserfällen ihre Kreise. Sogar Reed Wabbler
gibt es hier, sie leben von den Fischen, kleinen Krebsen und Wasserinsekten.
Mindestens einer dieser Pools ist tief genug zum Schwimmen.
Der Banjima Drive ist ziemlich
"corrugated", das Fahren deshalb erstens ziemlich laut und
zweitens verliert der Bushi manchmal die
Traktion. Vielleicht sollte ich langsamer fahren?
Freitag, 31. Oktober
Wir setzen die Umrundung des Karijini NP im
Uhrzeigersinn fort. Im Munjina Roadhouse (das "j" wird eigentlich
immer wie "Dsch" gesprochen, die Betonung ist auf der ersten Silbe)
kaufen wir ein Brot. Wenig später sind wir endgültig auf dem Weg in den
Karijini (Betonung auf dem zweiten, langen i) National Park. Hier werden wir
mindestens drei Nächte bleiben. Der Warden, ein Volunteer, fragt drei Mal nach,
ob wir uns das auch reiflich überlegt haben und nicht doch lieber früher wieder
weg wollen. Offensichtlich hat er seine Erfahrungen gemacht. Nun, wir bleiben.
Nachdem wir uns eigerichtet haben, gehen wir zu Fuß zum Abstieg in die Dales
Gorge. Der - nähere - Abstieg zum Fortescue Falls ist wegen Maintenance seit
vorgestern für zwei Wochen gesperrt. Dumm gelaufen. So begeben wir uns zuerst
zum Circular Pool, schwimmen ein paar Runden (wie fast schon zu erwarten war
ist es wegen der Sperrung des Fußwegs zum Fortescue hier recht voll) und machen
uns dann auf den Weg unten durch die Gorge zum Fortescue Falls am anderen Ende.
Als wir an der Stelle vorbeikommen, wo man von oben herunter kommt, steht dort
die eine Familie, die wir gestern an der Hamersley Gorge getroffen haben, sie
sind auf dem gleichen Weg wie wir. Nach einem Dip im Plunge Pool des Fortescue
Falls machen wir uns auf den Rückweg, für den Weg zum Fernpool (mit Swim) etwas
weiter flussaufwärts im Westen ist es mir bereits zu spät. Mal sehen, ob es uns
an einem der anderen Tage besser passt. Wir sind schneller als auf dem Hinweg,
dafür aber ziemlich geschafft und durstig, als wir wieder am Auto ankommen.
| Sunset at Dales Gorge Camp Ground |
Donnerstag, 30. Oktober
Dass die Sonne hier im Westen später
untergeht bezahlen wir damit, dass sie später aufgeht, erst kurz nach sechs
kommen die ersten Strahlen durch die Bäume. Der Platz ist ruhig, die Galas und
Corellas sind schon vor 30 Minuten weitergezogen, nur ein Minor-Pärchen kümmert
sich im Baum über uns um seinen Nachwuchs. Sie mögen es gar nicht, dass sich im
Baum daneben ein Rabe niederlässt und vertreiben ihn umgehend.
Auf der Nanutara-Wittenom-Road fahren wir
der Sonne entgegen. Die leicht hügelige Landschaft besteht aus lockerem
Buschland mit Spinifexbüscheln auf der roten Erde. Noch nie ist mir
aufgefallen, dass die Punkt-Mal-Methode der Aboriginal direkt aus der Natur
entlehnt ist: Die gelben Spinifex auf der Erde - sie beginnen bereits grau zu
werden, ein Zeichen, dass sie austrocknen - bilden ein deutliches Punktemuster.
Immer wieder halten wir an und fotografieren.
Endlich liegt wieder ein längeres Stück
Gravelroad vor uns. Wir bleiben auf der N-W-R und fahren nach Norden zur
Hamersley Gorge. An der Einfahrt ist ein "Welcome Rest Stop". Das
sind besondere Rastplätze hier im Pilbara, gestaltet von indigenen Künstlern.
An jedem dieser zwölf Stops gibt es einen Wifi Hotspot. Es interessiert mich
schon, wie das technisch realisiert ist, denn der Hotspot funktioniert mit
guter Performance, aber das Telefon meldet "kein Netz". Die Hamersley
Gorge ist wirklich beeindruckend. Eng geschlungene und abwechselnd schwarz-rot
und beige-weiß gefärbte Felsenbänder bilden eine von einem Creek ausgewaschene
Schlucht mit einem - derzeit nur dürftigen - Wasserfall und einem tiefen Plunge
Pool mit klarem und frischem Wasser. Der Ablauf mündet in den Creek, der sich
durch das in den Berg geschnittene Tal
schlängelt. Dafür, dass wir am Ende der Trockenzeit sind, ist hier
richtig viel Wasser.
Zuerst sind wir alleine hier, dann kommt
eine Familie mit drei Kindern, kurz danach eine zweite mit vier Kindern, dann
noch eine Gruppe von vier Männern, es wird etwas voll.
| Palms and Oleander in Point Samson |
In den nördlichen Ausläufern der Hamersley
Range führt die Straße durch eine enge Schlucht, die Dawn Gorge. Zum Glück
kommt uns kein Auto entgegen und vor allem kein Truck, denn dann hätte ich als
Talfahrer rückwärts wieder zurückfahren müssen, die Straße ist nur einspurig.
Kurz danach, eine weite Ebene liegt unter uns, finden wir einen guten Platz für
unser heutiges Bush Camp.
Als Brigitte den Wein fürs Abendessen aus
dem Kühlschrank holt, zeigt dieser 16° Grad an - viel zu viel. Ist was kaputt?
Schon überlegen wir, ob Broome oder Perth näher liegt, um - nach Absprache mi
Sydney - den Kühlschrank reparieren zu lassen. Doch nach einer Weile sind es 11
Grad und als die Sonne untergegangen ist schon wieder 7 Grad, alles scheint in
Ordnung zu sein.
Kurz nach Mitternacht regnet es. Was heißt:
Es regnet, es fallen ein paar Tropfen. Gerade genug um uns zu wecken. Ich
stelle mit einem Blick aus dem Fenster fest, dass kein Handlungsbedarf besteht:
Der Himmel ist voller Sterne (vor uns hoch im Oste der Orion). Und schon ist,
abgesehen von dem starken Wind, alles vorbei.
Mittwoch, 29. Oktober
Das war eine ziemlich kalte Nacht heute
Nacht. Es wurde schon unangenehm kühl, als die Sonne untergegangen war und der
Wind nicht aufhören wollte. Ich war jedenfalls die ganze Nacht im Schlafsack.
Und das nach der hohen Temperatur gestern tagsüber.
Nach einem Spaziergang auf dem Boardwalk am
Meer - anstelle der Jetty, deren Anfang offensichtlich abgebaut wurde, als
Onslow nicht mehr so wichtig war für den An- und Abtransport von Menschen und
Waren. Heutzutage geht das fast alles mit Kraftfahrzeugen. Die Jetty wird, so
sieht es jedenfalls aus, nur noch von Onslow Salt zum Abtransport ihres
Produktes genutzt - besuchen wir das örtliche Museum im Goods Shed in der Third
Avenue. Auch Onslow hat eine Vergangenheit als Pearling-Basisstation, sechs Lugger
waren hier zeitweise stationiert. Aber gegen Broome konnten sie nicht an. 1925
wurde Onslow als ganzes verlagert, die Häuser an der alten Stelle am Ashburton
River ab und hier an der Beadon Bay wieder aufgebaut. Seit dem Umzug wurde
Onslow zwölf mal von Zyklonen ziemlich hart getroffen. Onslow ist damit
Australiens Stadt mit dem traurigen Rekord, am häufigstens von starken Stürmen
betroffen gewesen zu sein. In den Monaten Januar und März 1931 fiel der Ort
gleich drei verschiedenen dieser Wirbelstürme zum Opfer und so nahezu dem
Erdboden gleich gemacht. 1934 wurde ein Teil aus der neu erbauten Jetty
herausgerissen, die Pier hatte später an dieser Stelle einen Bogen, um die
Reste im Meer zu umgehen. Das letzte Zusammentreffen mit einer dieser
Naturgewalten liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück, das war 2009.
| Bush Camp @ House Creek Rest Stop |
Es geht nach Osten. Und wieder fahren wir
durch Buschland, diesmal allerdings ohne die Grassteppen dazwischen. Mit dem
Kreuzen des Highway bleiben auch die Termitenhügel zurück. Der 24-Stunden-Parkplatz
am House Creek (an der Straße nach Paraburdoo) ist noch immer da, noch immer in
gutem Zustand und wie letztes Jahr unbenutzt, als wir ankommen. Wir richten uns
ein. Die hohen Eukalypten, River Redgums, geben zwar nur wenig Schatten, aber
zusammen mit dem nicht mehr so starken Wind ist es gut auszuhalten. Der House Creek ist wie zu erwarten war trocken, dennoch gibt es Galas und mindestens
einen Kookaburra in den Bäumen.
Bis Sonnenuntergang sind wir sechs Parteien
auf dem Platz, einer davon nervt, weil sein Licht den ganzen Platz ausleuchtet.
Von einem Schweizer hatte ich mehr Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen
erwartet.
Dienstag, 28. Oktober
Wir fahren nochmals nach Norden, zum Burrup
National Park, um uns dort Aboriginal Rock Art, Petroglyths, anzuschauen. Damit
verbunden ist ein etwas beschwerlicher Rundweg um einen großen Berg aus
Bouldern herum. Im Visitor Centre von Karratha besorgen wir uns einen Permit
(gültig einen Monat) für die Rio Tinto Access Road. Möglicherweise werden wir
sie benutzen, dann wäre es blöd, keinen Permit zu haben. Ich stelle noch ein
paar andere Fragen zu Permits und bekomme, wenn auch erst nach vielen
Nachfragen, erschöpfende Antworten. Die beiden jungen Frauen sind sehr
hilfsbereit.
Dann geht es nach Süden, wieder über den
North West Coastal Highway. Meist führt uns die Straße durch graugrünes
Buschland über rotem Boden, gelegentlich unterbrochen von gelber Grassteppe,
durch die vertrockneten Grasbüschel ist auch der rote Boden zu sehen. Sogar
Bäume gibt es ab und zu, nämlich immer dann, wenn die Straße einen der um diese
zeit ziemlich sicher trockenen Flüsse und Bäche überquert. Die Baumreihen sind
ein sicheres Zeichen dafür, dass es Wasser gibt.
| Oversized Load |
Vor uns sieht es irgendwie komisch aus. Als
wir näherkommen - was auch schon seltsam ist, denn üblicherweise bin ich der
langsamste Verkehrsteilnehmer hier - sehen wir den Grund: Zwei überbreite
Roadtrains mit Polizeibegleitung fahren in unsere Richtung. Sie sind so breit,
dass der gesamte entgegenkommende Verkehr von der Straße muss, sogar die
Roadtrains. Wenn sie über eine Brücke müssen, reicht die Fahrbahnbreite gerade
eben noch aus - die Breite beider Spuren zusammen, wohlgemerkt. An Überholen
ist natürlich nicht zu denken. Das ist für mich aber auch nicht nötig, denn im
Großen und Ganzen fährt der Konvoi mit etwa 80 km/h vor mir her. An einer etwas
breiteren Kreuzung werden wir vorbeigewinkt, sehr zur Erleichterung der beiden
Roadtrains und des PKW, die sich inzwischen hinter mir aufgereiht haben.
Ausnahmsweise machen wir eine Mittagspause
und essen in einem Roadhouse eine Portion Chips.
Erst als wir den North West Coastal Highway
Richtung Onslow verlassen haben, gibt es wieder Termitenhügel, immer mehr,
immer größer und immer schöner. Kurz vor Onslow ist gar eine Termite Mound
Viewing Area. In Onslow, das in einer Salzsumpf-Gegend steht, ist ein Salt
Plant, hier werden auf fast natürlichem Weg große Salzmengen - etwa 2,5 Mio
Tonnen pro Jahr - aus Meerwasser erzeugt und dann an die Industrie verkauft.
Das Salz ist reines NaCl, also auch für den menschlichen Verzehr geeignet. In
der Visitor Information bekommt man ein Päckchen geschenkt. Fast natürlich
deshalb, weil das Salzwasser immer wieder umgepumpt wird in andere natürliche
Becken, um dort weiter "einzudicken", zurück bleibt eine Salzschicht,
die abgetragen und gereinigt wird.
Nur einmal bisher sind wir an einem Tag
mehr gefahren als heute, als wir in Onslow auf dem neueren Caravanpark
haltmachen. Eigentlich sieht es hier mehr aus wie bei Böhringer auf dem
Kundenparkplatz, nur mit mehr Caravans. Das liegt daran, dass Onslow Salt seine
Arbeiter hier unterbringt und offensichtlich auch Kurse abhält. Wir sind die
einzigen reisenden Gäste.
Montag, 27. Oktober
Seit sechs Wochen sind wir nun unterwegs
hier oben im Norden, und wir könnten noch lange bleiben. Zwischen Roebourg und
Karratha gibt es einen Zugang zum Meer, Cleaverville heißt die Stelle am Meer.
Dort kann man, wenn man will und die
Gravelroad überwindet, drei Nächte kostenlos übernachten. Die schattigen Plätze
sind alle belegt. Nicht, dass wir schon nach einer Bleibe suchen würden. Dort
sehen wir das ultimative Outbackfahrzeug, einen Unimog 5000 (mit der NSW
Zulassung MOG 500), feuerwehrrot, mit einem großen, weißen Koffer mit
Extension. Er gehört einer Familie aus
Sidney, sie sind damit seit eineinhalb Jahren unterwegs. Die Kinder
"besuchen" die "School on the Air", außerdem ist der Vater
der Meinung, dass sie bei einer solchen Reise viel mehr lernen als in der
Schule.
Das umliegende Land ist unverändert: Flach
wie ein Brett, nur gelegentlich von einzelnen Hügeln unterbrochen, gelbe, weil
vertrocknete Grassteppe. Erst kurz vor Karratha mehren sich die Hügel, die
Straße wird wieder etwas kurviger. Karratha ist eine der Ansiedlungen, deren
Aufschwung in den letzten Jahren Bodenschätzen und somit der Mining Industry
(BHP Billiton und Rio Tinto) zu verdanken ist. Entsprechend wohlhabend wirkt
die Stadt, und der Bevölkerungsschnitt ist deutlich jünger als in anderen Orten
hier in Australien. Für das Minengeschäft sind die Älteren nicht mehr hart
genug, dafür gibt es gutes Geld zu verdienen. Vor dem Shopping Centre - in
Amerika würde es sich Mall nennen - ist auf dem riesigen Parkplatz kaum etwas
frei. An der Visitor Information werden um kurz vor 11.00 Uhr 39° C im Schatten
angezeigt, es ist warm. Ein kräftiger Wind macht die Hitze erträglich.
| Red Dog, The Pilbara Wanderer |
In Dampier besuchen wir das
Informationszentrum des North Shelf Gas Project, das Million Dollar Visitor
Centre. Vor der Küste wird Erdgas (natural gas, neben Eisenerz (iron ore) und
Salz (salt) der dritte Teil der Rohstoffe, die das East Pilbara zum größten
Exporteur Australiens gemacht haben) aus der Tiefe geholt, drei große Offshore
Anlagen fördern das Gas und verarbeiten das meiste davon direkt vor Ort, nur
die Endprodukte werden an Land geliefert. Rund 17% des geförderten Gases kommen
per Pipeline nach Dampier und werden hier verarbeitet. Das reine Methangas wird "draußen" verflüssigt
und teils ebenfalls mittels einer Pipeline nach Southern Western Australia
(nach Perth und zu den anderen dichter besiedelten Gegenden) geleitet, teils
mittels eigens hierfür gebauten Gastransportschiffen nach China und Japan
gebracht.
In Dampier's Caravan Park suchen wir uns
einen freien Platz. Das Office ist nicht besetzt, mal abwarten, was passiert.
Nur etwa die Hälfte der verfügbaren Plätze ist belegt, die hohe Zeit der
touristen ist für dieses Jahr bereits vorbei. Die Gegend direkt am Hafen,
zwischen der Eisenerzverladung und den Bahngleisen, auf denen die Züge
herbeirollen, ist nicht sehr verlockend. Immerhin, es gibt Schatten und direkt
neben dem Platz kann man, zumindest während des Hochwassers, sogar schwimmen.
Später sieht das ganz anders aus, die ganze Bucht ist mit schwarzen Felsen bedeckt.
Naja, bei sechs Metern Tidenhub verändert sich die Sicht der Dinge schon
gewaltig.
Sonntag, 26. Oktober
Wohl weil ich gestern viel später als
gewohnt in den Bushi gegangen bin und außerdem mitten in der Nacht wach wurde
(war das die zweite Dose Bier?), werde ich erst wieder richtig wach, als die
Sonne schon scheint. Entsprechend sind wir erst kurz vor acht unterwegs.
Wieder geht es durch plattes Land, meist
ohne Bäume, stellenweise sogar ohne Büsche. Zwei Mal durchqueren wir eine
Range, das bedeutet, dass rechts und links sich Hügel an die Straße
heranschieben, dass die Sicht nicht mehr so sehr auf die Ferne fixiert ist. Manche
der Hügel sehen aus wie Schutthaufen, die sind dann aber sicherlich Natur, denn
Abraumhalden der Minen sind glatter und sortiert nach Materialien und
Materialgrößen.
Wie die Siedler vor 140 Jahren auf die Idee
kamen, sich hier niederzulassen und sich mit der Viehzucht zu versuchen,
erscheint mir schwer verständlich. Aber wenn sich nichts anderes ergeben hat,
ist die Lage halt ganz anders. Außerdem hat die Regierung das Land zu sehr
günstigen Bedingungen abgegeben: Die ersten neun Jahre war keine Pacht zu
zahlen, anschließend nur dann, wenn nachweislich ausreichend wirtschaftlicher
Erfolg erzielt wurde. Aber wenn es nicht ging, dann wurde das Land im
Zweifelsfall wieder einkassiert und jemand anderem verpachtet. Manche der
Farmer waren so erfolgreich, dass sie der Regierung das gepachtete Land
abkaufen konnten und im Zweifelsfall noch umliegende Farmen dazu. So kam Kidman
zu seinem Reichtum. Privateigentum wurde im Landact nicht an die Traditional
Owner zurückgegeben, sondern blieb bei den (weißen) Besitzern. Für
Pachtverträge mussten mit den neuen Besitzern neue, sicherlich ungünstigere
Pachtverträge ausgehandelt werden. Ich denke, dass das mit ein Grund ist, warum
mehr und mehr Stations aufgegeben werden - neben den extrem schwierigen
Randbedingungen im nördlichen Outback. Andererseits sind die Aboriginal und
ihre Berater nicht so dumm wie die Regierung Mugabe in Zimbabwe, die Kuh zu
schlachten statt sie zu melken. Traditionell sind die Aboriginal nicht daran
interessiert, Farmen zu betreiben oder Grundbesitz zu bearbeiten.
In Roebourne sind wir lange im Visitor
Information Centre, das im alten Gefängnis untergebracht ist, denn es gibt hier
ein sehr informatives und keineswegs die Geschichte beschönigendes Museum.
Teilweise ist das ganz schön hartes Brot, das es da zu kauen gibt.
Von Cossack stehen nur noch ein paar
Steinhäuser. Der Ort ist die Wiege der australischen Pearling Industry, wurde
aber aufgegeben, nachdem sich Broome als der attraktivere, weil besser
geeignete Standort herausgestellt hat. Unter anderem auch deshalb, weil dort,
da um einiges weiter im Norden und somit wärmer, auch in der trockenen
Jahreszeit nach Perlmuscheln getaucht werden konnte und dies nicht während der
Zyklonzeit geschehen musste. Zyklonzeit ist die Sommerzeit, folglich die Jahreszeit
mit dem wärmeren Wasser. Allerdings führt warmes Wasser zur Entstehung von
Zyklonen, voilà. Die Einführung der Tauchanzüge kam für den Ort und seine
Unternehmen zu spät.
Ich glaube, heute ist der wärmste Tag seit
wir hier sind, das Herumlaufen auf dem Heritage Trail in Cossack fällt schwer,
auch wenn es interessant ist. So fahren wir die meisten Abschnitte ab, ganz
australisch. Herrliche Ausblicke auf den Dampier Archipelago und die Inselchen
im Norden tun sich auf.
In Point Samson mieten wir uns auf einem
Caravan Park ein. Unser Stellplatz ist nur durch eine Straße und eine
Buschreihe vom Strand getrennt. Das Wasser in der Bucht ist angenehm und total
sicher, weil die Bucht durch ein Riff vom Meer getrennt und ziemlich flach,
also eigentlich eine Lagune ist.
| Sunrise in Point Samson |
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