Donnerstag, 6. November 2014

Donnerstag, 6. November, Exmouth, WA



Donnerstag, 6. November

Zum Sonnenaufgang bin ich schon draußen, ein wunderbarer Anblick. Die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass zuerst alles in dunklem Rot erscheint, nachher wird es gelb und die Sonne ist wie verschleiert. Während der Fahrt ändert sich das allerdings, auch der Dunst am Horizont löst sich langsam auf. Mit dem Erreichen der Exmouth Halbinsel verändert sich die Natur: Die gelben Spinifexbüschel weichen grünen, es ist hier also deutlich feuchter als im Inland. Überall ist jetzt grün, die Büsche, Bäume und eben auch der Spinifex. Darunter allerdings ist weiterhin roter Sand und ebenso rot sind die Tausende von Termitenhügeln, über die ich mich schon 2013 gefreut habe.
Modern Aboriginal Art
In Exmouth besorgen wir uns je eine Schnorchelausrüstung, da kommen wir nicht drum herum hier am Ningaloo Reef. Denn das Reef ist weniger als 10 m vom Ufer entfernt.
Heute allerdings ist erstmal Housekeeping angesagt, Wäsche waschen, Hose flicken, Auto aufräumen, und, nicht zu vergessen, weil am zeitaufwendigsten, Blog schreiben und veröffentlichen. Wir waren von den kurzen Aufenthalten in Tom Price und Pannawonica abgesehen seit zehn Tagen ohne Mobilfunkabdeckung und somit ohne Internet. Da wartet einiges an Mails auf mich, hoffentlich nichts Wichtiges, nichts, was schon erledigt sein müsste

Mittwoch, 5. November

Heute früh sind die Fliegen ziemlich nervig, sie kamen auch schon mit den ersten Sonnenstrahlen, und deshalb dränge ich zum Aufbruch. Mit der Sonne im Rücken fahren wir weiter durch dieses flache Land.
In Pannawonica beginnt die asphaltierte Straße, damit wird das Fahren wieder einfacher und leiser. Pannawonica ist eine im Jahr1972 gegründete Ansiedlung der Rio Tinto Mining Corporation. Es ist eine "closed city" in dem Sinne, dass nur Mitarbeiter der Rio Tinto hier eine Wohnung oder ein Haus bekommen. Alle Häuser gehören RTio, alle Dienstleistungen werden von RTio erbracht. Nur die Library wird vom Shire, das entspricht unserem Landkreis, betrieben. Pannawonica hat ein wunderbares Freibad - im wahrsten Sinne des Wortes, der Eintritt ist frei. Ich schwimme 500 m und kann feststellen, dass meine Kraft in den vergangenen sieben Wochen nicht nennenswert abgenommen hat.
Leider haben wir das Duschmittel im Auto gelassen.
Immer wieder erhebt sich eine Windhose über die Ebene und trägt den roten Staub, den Bull Dust, nach oben in den Himmel. Das ist ein erstaunlicher Anblick, vor allem, da die Windhosen "einfach so" ganz plötzlich da sind - und ebenso plötzlich wieder in sich zusammenfallen. Nur der Staub hängt noch eine ganze Weile in der Luft. Dann erreichen wir den North West Coastal Highway und so richtet sich die Nase unseres Bushi nach Süden. Unterwegs überholt uns der Unimog 5000 aus Sydney. Im Nanutarra Roadhouse steht er auf dem Parkplatz, wir treffen die Familie wieder und üben uns im Smalltalk.
The Ultimate Outback Vehicle
Wir verbringen die Nacht in einem Bush Camp, 100 m neben dem Highway an der Überquerung des Yannarie Rivers, die Stelle ist als 24h Stopp ausgewiesen und sollte im Rahmen des "Welcome Rest Stopp" Programms eigentlich mit einem Wifi-Hotspot ausgerüstet sein. Ist aber nicht, also können wir uns auch nicht der Welt gegenüber äußern. Über uns ziehen Cockatiel (Nymphensittiche) ihre Kreise, im Westen macht sich die Sonne daran  unterzugehen und wird dabei vom Mond beobachtet. Morgen ist Vollmond, dann sehen sich Sonne und Mond ein paar Tage lang nicht mehr. Auch die Fliegen sind wieder da und versuchen uns zu nerven. Sie werden von Tag zu Tag aufdringlicher.

Dienstag, 4. November

So ist es, der Fortescue River hat sich etwa 30 m tief in die Ebene eingegraben und bildet nun das Millstream Wetland. Durch die Tatsache, dass dieses Wasser der Wasserversorgung von Karratha und anderen Ansiedlungen im Westen von Western Australia dient und der merkwürdigen Koinzidenz, dass der Grundwasserspiegel in den letzten zwanzig Jahren um mehr als zwei Meter abgenommen hat (und so der verstärkten Erosion in der Wet Season Vorschub leistet), ist zu ersehen, dass dieses Wetland nicht mehr allzu lange erhalten bleiben wird. Jetzt wurde ein Projekt zur Erforschung der Ursachen der Erosion und des abgesunkenen Grundwasserspiegels ins Leben gerufen.
Durch "rolling hills", mit Spinifex bewachsen und gelegentlich mal einem kleinen Eukalyptus, fahren wir nach Norden, besuchen Mount Herbert, wandern den Camel Trail entlang (Die McKenzie Springs finden wir nur, weil ich mich von Niybarie (Zebrafinken) leiten lasse. Ohne diese Hilfe haben wir an einer falschen Stelle gesucht.) und baden im Python Pool. Ob es hier wirklich Pythons gibt? Aber die sind für Menschen ungefährlich und das Wasser ist herrlich.
Wie eine offene Wunde windet sich die rote Straße durch die mit gelbem Spinifex und einzelnen grünen Büschen und niederen Eukalypten oder Mulgas bewachsenen Hügel, auf und ab geht es. Zurück im südlichen Teil des Parks, in Millstream, baden wir im Deep Reach Pool, einem riesigen durch den Fortescue gebildeten Becken. Am Rand sind mehrere Barbeques und schattige Picknickplätze, außerdem richtige Einstiege zum Schutz der Böschung. Offensichtlich kommen hier gerne die Leute aus der Umgebung her. Was heißt Umgebung: Pannawonica liegt 97 km weiter im Westen, Tom Price 210 km im Südosten, mehr gibt es hier nicht.
Wir bleiben eine weitere Nacht im Miliyanha Camp Ground. Kurz vor "Toresschluss", schon nach Sonnenuntergang, kommt noch ein Paar mit einem Britz-Bushcamper an. Aber in der Camp Kitchen sind wir alleine heute.
River Redgums in Miliyanha Camp Ground

Montag, 3. November

Wieder mal ein Fahrtag, aber das ist zum Teil der Tatsache geschuldet, dass ich ein Fass, das als Wegweiser dient, nicht sehe.
Flowering Jacaranda in Tom Price

Another flowering tree in Tom Price
In Tom Price sieht man deutlich, dass der Frühling schon fast vorbei ist: Die Jacaranda blühen, ebenso eine Baumart mit feuerroten, riesigen Blütendolden und Blättern wie die Jacaranda, vermutlich eine Unterart. Begeisternd. Eigentlich sind wir hierher gekommen, um unsere Vorräte aufzufüllen, Diesel, Wasser, Lebensmittel, alles geht zur Neige. Für die Rio Tinto Railway Access Road, eine Privatstraße, haben wir uns schon in Karratha den Permit geholt, jetzt kommt er zum Einsatz, denn die genannte Straße ist die direkte Verbindung zwischen Tom Price und dem Millstream Chichester National Park (MCNP), unserem nächsten Ziel.
Immer wieder muss ich anhalten und einen der langen Züge filmen. Seltsam ist nur, dass wir heute nur solche sehen, die leer von Dampier zurückkommen nach Tom Price und die dortigen Minen. Die vollen kommen dann wieder zurück, aber die verpassen wir, wie gesagt.
Zwischendurch statten wir dem Mount Sheila einen Besuch ab und das führt zu besagtem Umweg von immerhin 30 km über eine Gravelroad in "suboptimalem" Zustand. Die Auffahrt zu Mt. Sheila ist atemberaubend steil, ich muss zeitweise in den ersten Gang schalten, um den Bushi dazu zu bewegen nicht stehenzubleiben. Der Rundblick von oben entschädigt für die Unbilden auf dem Weg. Mt. Sheila ist wohl der höchste Punkt in der näheren Umgebung. Nur schade, dass die Action Cam jetzt wohl doch ihren Geist aufgegeben hat, die Hochfahrt wäre einen Film wert gewesen.
Im Millstream Chichester NP ist die Saison wohl schon als beendet erklärt, nur einer der vier Camp Grounds hat noch geöffnet, mal sehen, wie wir damit zurechtkommen. (Später erfahren wir von einemRanger, dass der eine schon seit Jahren benutzt wird, der zweite wegen unhygienischer Zustände geschlossen ist und der dritte, ganz nahe bei dem hier gelegene zugemacht wurde, um die Camper hier in Millstream zusammen zu halten. Das ist ja verständlich, denn es spart Arbeit.) Dafür hat der einzige offene, Miliyanha Camp Ground, eine vortreffliche Camping Kitchen. Und so macht die Zubereitung des Frittata noch mehr Spaß. Wie immer ist die Camp Kitchen ein Ort der Begegnung und des Austauschs.
Es sind insgesamt nur fünf Parteien hier auf dem Platz, der mit 23 Plätzen ausgestattet ist, das erklärt, dass die anderen Camp Grounds stillgelegt sind.
Im Wäldchen neben uns quaken ganz eifrig die Frösche, auch hier scheint es Wasser zu geben. Auf den ersten Blick ist der MCNP ganz flach, also sind die Gorges, die es zu besuchen gilt, wohl in die Ebene eingefräst. So wie der Grand Canyon, nur kleiner.

Sonntag, 2. November

Heute werden die ersten sieben Wochen voll, ich rechne immer erst ab Übernahme, also ab dem 15. September. Das heißt aber auch, dass unsere Zeit hier schon zur Hälfte abgelaufen ist.
Ob der Singkreis die Kantate gut "über die Bühne" bekommen hat? Und hoffentlich hat auch drum herum alles gut geklappt. Ich weiß ja, dass ich zu ersetzen bin, dennoch mache ich mir meine Gedanken, auch oder gerade weil ich nicht dabei bin.
Ein weiterer Drei-Gorges-Tag erwartet uns. Joffrey Gorge, Knox Gorge und Dles Gorge, diesmal mit Besuch am Fernpool. Der gefällt mir diesmal viel besser als bei unerem Besuch im März 2013, möglicherweise lag das am damaligen Publikum. Junge Männer, die am Wasserfall rumklettern zu müssen glaubten, von dort ins Wasser sprangen und einen heillosen Lärm veranstalteten. Eigentlich ist ja schon alles gesagt. Jede der Gorges ist schön und interessant, alle sind verschieden. Eine ist felsiger, eine andere grüner, eine etwas breiter, wieder eine andere hat höhere Seitenwände. Gemeinsam ist ihnen allen, dass es sogar jetzt im November noch ausreichend Wasser gibt, um die Natur grün zu halten und Insekten, Vögeln und Reptilien eine Lebensgrundlage zu bieten. Gelegentlich scheint es auch Wallabies zu geben, zumindest sehen wir Dropings. Hier oben im Norden gibt es ja nur zwei Jahreszeiten: Wet Season und Dry Season. Wobei die Aboriginal in Arnheim Land, östlich von Darwin, sogar von sechs Jahreszeiten reden, für sie sind die Phasen zwischen dem trockenen Winter und dem nassen Sommer genauer unterteilt, genauer weiß ich es allerdings nicht mehr. Hier jedenfalls naht jetzt das Ende der längeren Jahreszeit.
Mountain in the Karijini
Der Himmel ist heute tiefblau, der Wind ist wieder aufgelebt, es ist heiß. Blauer Himmel, tiefrote Felsen, grüne Bäume mit weißen Stämmen (Woolyhead, River Redgum und Paperbark) bilden ein kaum zu beschreibendes Bild - nur ein Wort: Schön.
Ein kleiner "Striped dragon", eine Eidechsenart, vielleicht 8 cm lang mit einem mindestens doppelt so langen Schwanz, klettert am Camp auf unseren Beinen herum und fängt Fliegen. Das ist angenehm, aber heute sind so viele Fliegen in der Nähe, dass kaum ein Unterschied festzustellen ist. Unangenehm sind sie, die Fliegen meine ich, ja besonders dann, wenn sie in die Augen gehen - das machen sie leider mit Vorliebe.

Samstag, 1. November

Der Wind hat aufgehört. Vermutlich wird es dann heute etwas wärmer, aber dafür fliegt nicht alles weg.
Wir beginnen diesen Gorges-Tag mit dem Upper Weano Gorge Trail, setzen mit dem Lower Weano Gorge Trail fort und beenden diese Gorge mit dem Trail zum Handrail Pool. Dort erholen wir uns vom Laufen und schwimmen in diesem nicht ganz so tiefen Pool. Das Wasser ist wie meist ganz klar und ziemlich frisch. Brigitte meinte 15 Grad, ich denke, dass es 25 Grad sind.
Ohne fahren zu müssen können wir unseren Gorge-Tag mit dem nächsten Hancock Gorge fortsetzen. Ein steiler Weg und eine zweistöckige Schiffsleiter führen hinab in das enge Tal. Wenig später müssen wir durchs Wasser, es geht mir knapp übers Knie. Die Stiefel sind im Rucksack gut aufgehoben. Allerdings sollte ich nicht ausrutschen, denn die Kamera hängt mir um den Hals. Ich glaube nicht, dass sie einen Sturz ins Wasser goutieren würde. Den letzten Teil des Weges legen wir getrennt zurück. Zuerst bleibt Brigitte bei unserem Gepäck, denn der Weg führt jetzt für 50 m durch bis zu 1,60 m tiefes Wasser. Mit ein bisschen klettern schaffe ich es aber, trockenen Fußes entlang zu kommen. Aber mit der Kamera wäre es nicht gegangen. Auf ein einfaches Teilstück folgt der Spider Walk, hier rücken die Wände der Schlucht bis auf einen Meter zusammen, dazwischen ist ein gerundeter Wasserlauf, das schnell fließende Wasser (also gibt es keinen Algenbesatz und ergo sind die Felsen nicht so rutschig) ist etwa knöcheltief - zu tief für die Wanderstiefel. An zwei Stellen liegt ein Boulder im Spiderwalk, die muss man überklettern. Das Ende ist der Kermit Pool, der mir aber nicht sagt, dass ich in ihm baden soll. Mal ganz abgesehen davon, dass Brigitte ja auf mich wartet. Um an dem Pool vorbeizukommen, ist wieder klettern (oder schwimmen) angesagt, ich wähle die trockene Variante, nur um kurz danach von einem quer über  nun wieder ziemlich breiten Weg gespanntes Seil mit dem Schild "Road closed" aufgehalten zu werden. Also zurück auf Null. Zu meiner Überraschung macht sich Brigitte dann doch auf den Weg.
Australian Magpie in Paperbark
Zurück beim Auto beschließen wir, einen Abstecher zur Kalamina Gorge zu machen. Die ist nun völlig anders, zwar auch tief, aber breiter. Ein munterer Bach fließt auf dem Grund der Schlucht entlang, gespeist von einem Wasserfall. Aber wo dieses Wasser herkommt, jetzt, gegen Ende der Trockenzeit, nach acht Monaten ohne Regen, erschließt sich mir nicht. Irgendwo ist da wohl ein unterirdischer Speicher. Durch dieses Wasser ist es hier unten richtig schön grün, Reed wächst  an den vielen flachen Pools, die bevölkert sind von kleinen Fischen. Vögel kommen zum Trinken, Kängurus geben sich hier ein Stelldichein und Eidechsen fangen Insekten. Blaue und rote Libellen ziehen über den Pools, den kleinen Bächen und Wasserfällen ihre Kreise. Sogar Reed Wabbler gibt es hier, sie leben von den Fischen, kleinen Krebsen und Wasserinsekten. Mindestens einer dieser Pools ist tief genug zum Schwimmen.
Der Banjima Drive ist ziemlich "corrugated", das Fahren deshalb erstens ziemlich laut und zweitens  verliert der Bushi manchmal die Traktion. Vielleicht sollte ich langsamer fahren?

Freitag, 31. Oktober

Wir setzen die Umrundung des Karijini NP im Uhrzeigersinn fort. Im Munjina Roadhouse (das "j" wird eigentlich immer wie "Dsch" gesprochen, die Betonung ist auf der ersten Silbe) kaufen wir ein Brot. Wenig später sind wir endgültig auf dem Weg in den Karijini (Betonung auf dem zweiten, langen i) National Park. Hier werden wir mindestens drei Nächte bleiben. Der Warden, ein Volunteer, fragt drei Mal nach, ob wir uns das auch reiflich überlegt haben und nicht doch lieber früher wieder weg wollen. Offensichtlich hat er seine Erfahrungen gemacht. Nun, wir bleiben. Nachdem wir uns eigerichtet haben, gehen wir zu Fuß zum Abstieg in die Dales Gorge. Der - nähere - Abstieg zum Fortescue Falls ist wegen Maintenance seit vorgestern für zwei Wochen gesperrt. Dumm gelaufen. So begeben wir uns zuerst zum Circular Pool, schwimmen ein paar Runden (wie fast schon zu erwarten war ist es wegen der Sperrung des Fußwegs zum Fortescue hier recht voll) und machen uns dann auf den Weg unten durch die Gorge zum Fortescue Falls am anderen Ende. Als wir an der Stelle vorbeikommen, wo man von oben herunter kommt, steht dort die eine Familie, die wir gestern an der Hamersley Gorge getroffen haben, sie sind auf dem gleichen Weg wie wir. Nach einem Dip im Plunge Pool des Fortescue Falls machen wir uns auf den Rückweg, für den Weg zum Fernpool (mit Swim) etwas weiter flussaufwärts im Westen ist es mir bereits zu spät. Mal sehen, ob es uns an einem der anderen Tage besser passt. Wir sind schneller als auf dem Hinweg, dafür aber ziemlich geschafft und durstig, als wir wieder am Auto ankommen.
Sunset at Dales Gorge Camp Ground

Donnerstag, 30. Oktober

Dass die Sonne hier im Westen später untergeht bezahlen wir damit, dass sie später aufgeht, erst kurz nach sechs kommen die ersten Strahlen durch die Bäume. Der Platz ist ruhig, die Galas und Corellas sind schon vor 30 Minuten weitergezogen, nur ein Minor-Pärchen kümmert sich im Baum über uns um seinen Nachwuchs. Sie mögen es gar nicht, dass sich im Baum daneben ein Rabe niederlässt und vertreiben ihn umgehend.
Auf der Nanutara-Wittenom-Road fahren wir der Sonne entgegen. Die leicht hügelige Landschaft besteht aus lockerem Buschland mit Spinifexbüscheln auf der roten Erde. Noch nie ist mir aufgefallen, dass die Punkt-Mal-Methode der Aboriginal direkt aus der Natur entlehnt ist: Die gelben Spinifex auf der Erde - sie beginnen bereits grau zu werden, ein Zeichen, dass sie austrocknen - bilden ein deutliches Punktemuster. Immer wieder halten wir an und fotografieren.
Endlich liegt wieder ein längeres Stück Gravelroad vor uns. Wir bleiben auf der N-W-R und fahren nach Norden zur Hamersley Gorge. An der Einfahrt ist ein "Welcome Rest Stop". Das sind besondere Rastplätze hier im Pilbara, gestaltet von indigenen Künstlern. An jedem dieser zwölf Stops gibt es einen Wifi Hotspot. Es interessiert mich schon, wie das technisch realisiert ist, denn der Hotspot funktioniert mit guter Performance, aber das Telefon meldet "kein Netz". Die Hamersley Gorge ist wirklich beeindruckend. Eng geschlungene und abwechselnd schwarz-rot und beige-weiß gefärbte Felsenbänder bilden eine von einem Creek ausgewaschene Schlucht mit einem - derzeit nur dürftigen - Wasserfall und einem tiefen Plunge Pool mit klarem und frischem Wasser. Der Ablauf mündet in den Creek, der sich durch das in den Berg geschnittene Tal  schlängelt. Dafür, dass wir am Ende der Trockenzeit sind, ist hier richtig viel Wasser.
Zuerst sind wir alleine hier, dann kommt eine Familie mit drei Kindern, kurz danach eine zweite mit vier Kindern, dann noch eine Gruppe von vier Männern, es wird etwas voll.
Palms and Oleander in Point Samson
In den nördlichen Ausläufern der Hamersley Range führt die Straße durch eine enge Schlucht, die Dawn Gorge. Zum Glück kommt uns kein Auto entgegen und vor allem kein Truck, denn dann hätte ich als Talfahrer rückwärts wieder zurückfahren müssen, die Straße ist nur einspurig. Kurz danach, eine weite Ebene liegt unter uns, finden wir einen guten Platz für unser heutiges Bush Camp.
Als Brigitte den Wein fürs Abendessen aus dem Kühlschrank holt, zeigt dieser 16° Grad an - viel zu viel. Ist was kaputt? Schon überlegen wir, ob Broome oder Perth näher liegt, um - nach Absprache mi Sydney - den Kühlschrank reparieren zu lassen. Doch nach einer Weile sind es 11 Grad und als die Sonne untergegangen ist schon wieder 7 Grad, alles scheint in Ordnung zu sein.
Kurz nach Mitternacht regnet es. Was heißt: Es regnet, es fallen ein paar Tropfen. Gerade genug um uns zu wecken. Ich stelle mit einem Blick aus dem Fenster fest, dass kein Handlungsbedarf besteht: Der Himmel ist voller Sterne (vor uns hoch im Oste der Orion). Und schon ist, abgesehen von dem starken Wind, alles vorbei.

Mittwoch, 29. Oktober

Das war eine ziemlich kalte Nacht heute Nacht. Es wurde schon unangenehm kühl, als die Sonne untergegangen war und der Wind nicht aufhören wollte. Ich war jedenfalls die ganze Nacht im Schlafsack. Und das nach der hohen Temperatur gestern tagsüber.
Nach einem Spaziergang auf dem Boardwalk am Meer - anstelle der Jetty, deren Anfang offensichtlich abgebaut wurde, als Onslow nicht mehr so wichtig war für den An- und Abtransport von Menschen und Waren. Heutzutage geht das fast alles mit Kraftfahrzeugen. Die Jetty wird, so sieht es jedenfalls aus, nur noch von Onslow Salt zum Abtransport ihres Produktes genutzt - besuchen wir das örtliche Museum im Goods Shed in der Third Avenue. Auch Onslow hat eine Vergangenheit als Pearling-Basisstation, sechs Lugger waren hier zeitweise stationiert. Aber gegen Broome konnten sie nicht an. 1925 wurde Onslow als ganzes verlagert, die Häuser an der alten Stelle am Ashburton River ab und hier an der Beadon Bay wieder aufgebaut. Seit dem Umzug wurde Onslow zwölf mal von Zyklonen ziemlich hart getroffen. Onslow ist damit Australiens Stadt mit dem traurigen Rekord, am häufigstens von starken Stürmen betroffen gewesen zu sein. In den Monaten Januar und März 1931 fiel der Ort gleich drei verschiedenen dieser Wirbelstürme zum Opfer und so nahezu dem Erdboden gleich gemacht. 1934 wurde ein Teil aus der neu erbauten Jetty herausgerissen, die Pier hatte später an dieser Stelle einen Bogen, um die Reste im Meer zu umgehen. Das letzte Zusammentreffen mit einer dieser Naturgewalten liegt allerdings schon ein paar Jahre zurück, das war 2009.
Bush Camp @ House Creek Rest Stop
Es geht nach Osten. Und wieder fahren wir durch Buschland, diesmal allerdings ohne die Grassteppen dazwischen. Mit dem Kreuzen des Highway bleiben auch die Termitenhügel zurück. Der 24-Stunden-Parkplatz am House Creek (an der Straße nach Paraburdoo) ist noch immer da, noch immer in gutem Zustand und wie letztes Jahr unbenutzt, als wir ankommen. Wir richten uns ein. Die hohen Eukalypten, River Redgums, geben zwar nur wenig Schatten, aber zusammen mit dem nicht mehr so starken Wind ist es gut auszuhalten. Der House Creek ist wie zu erwarten war trocken, dennoch gibt es Galas und mindestens einen Kookaburra in den Bäumen.
Bis Sonnenuntergang sind wir sechs Parteien auf dem Platz, einer davon nervt, weil sein Licht den ganzen Platz ausleuchtet. Von einem Schweizer hatte ich mehr Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen erwartet.

Dienstag, 28. Oktober

Wir fahren nochmals nach Norden, zum Burrup National Park, um uns dort Aboriginal Rock Art, Petroglyths, anzuschauen. Damit verbunden ist ein etwas beschwerlicher Rundweg um einen großen Berg aus Bouldern herum. Im Visitor Centre von Karratha besorgen wir uns einen Permit (gültig einen Monat) für die Rio Tinto Access Road. Möglicherweise werden wir sie benutzen, dann wäre es blöd, keinen Permit zu haben. Ich stelle noch ein paar andere Fragen zu Permits und bekomme, wenn auch erst nach vielen Nachfragen, erschöpfende Antworten. Die beiden jungen Frauen sind sehr hilfsbereit.
Dann geht es nach Süden, wieder über den North West Coastal Highway. Meist führt uns die Straße durch graugrünes Buschland über rotem Boden, gelegentlich unterbrochen von gelber Grassteppe, durch die vertrockneten Grasbüschel ist auch der rote Boden zu sehen. Sogar Bäume gibt es ab und zu, nämlich immer dann, wenn die Straße einen der um diese zeit ziemlich sicher trockenen Flüsse und Bäche überquert. Die Baumreihen sind ein sicheres Zeichen dafür, dass es Wasser gibt.
Oversized Load
Vor uns sieht es irgendwie komisch aus. Als wir näherkommen - was auch schon seltsam ist, denn üblicherweise bin ich der langsamste Verkehrsteilnehmer hier - sehen wir den Grund: Zwei überbreite Roadtrains mit Polizeibegleitung fahren in unsere Richtung. Sie sind so breit, dass der gesamte entgegenkommende Verkehr von der Straße muss, sogar die Roadtrains. Wenn sie über eine Brücke müssen, reicht die Fahrbahnbreite gerade eben noch aus - die Breite beider Spuren zusammen, wohlgemerkt. An Überholen ist natürlich nicht zu denken. Das ist für mich aber auch nicht nötig, denn im Großen und Ganzen fährt der Konvoi mit etwa 80 km/h vor mir her. An einer etwas breiteren Kreuzung werden wir vorbeigewinkt, sehr zur Erleichterung der beiden Roadtrains und des PKW, die sich inzwischen hinter mir aufgereiht haben.
Ausnahmsweise machen wir eine Mittagspause und essen in einem Roadhouse eine Portion Chips.
Erst als wir den North West Coastal Highway Richtung Onslow verlassen haben, gibt es wieder Termitenhügel, immer mehr, immer größer und immer schöner. Kurz vor Onslow ist gar eine Termite Mound Viewing Area. In Onslow, das in einer Salzsumpf-Gegend steht, ist ein Salt Plant, hier werden auf fast natürlichem Weg große Salzmengen - etwa 2,5 Mio Tonnen pro Jahr - aus Meerwasser erzeugt und dann an die Industrie verkauft. Das Salz ist reines NaCl, also auch für den menschlichen Verzehr geeignet. In der Visitor Information bekommt man ein Päckchen geschenkt. Fast natürlich deshalb, weil das Salzwasser immer wieder umgepumpt wird in andere natürliche Becken, um dort weiter "einzudicken", zurück bleibt eine Salzschicht, die abgetragen und gereinigt wird.
Nur einmal bisher sind wir an einem Tag mehr gefahren als heute, als wir in Onslow auf dem neueren Caravanpark haltmachen. Eigentlich sieht es hier mehr aus wie bei Böhringer auf dem Kundenparkplatz, nur mit mehr Caravans. Das liegt daran, dass Onslow Salt seine Arbeiter hier unterbringt und offensichtlich auch Kurse abhält. Wir sind die einzigen reisenden Gäste.

Montag, 27. Oktober

Seit sechs Wochen sind wir nun unterwegs hier oben im Norden, und wir könnten noch lange bleiben. Zwischen Roebourg und Karratha gibt es einen Zugang zum Meer, Cleaverville heißt die Stelle am Meer. Dort  kann man, wenn man will und die Gravelroad überwindet, drei Nächte kostenlos übernachten. Die schattigen Plätze sind alle belegt. Nicht, dass wir schon nach einer Bleibe suchen würden. Dort sehen wir das ultimative Outbackfahrzeug, einen Unimog 5000 (mit der NSW Zulassung MOG 500), feuerwehrrot, mit einem großen, weißen Koffer mit Extension.  Er gehört einer Familie aus Sidney, sie sind damit seit eineinhalb Jahren unterwegs. Die Kinder "besuchen" die "School on the Air", außerdem ist der Vater der Meinung, dass sie bei einer solchen Reise viel mehr lernen als in der Schule.
Das umliegende Land ist unverändert: Flach wie ein Brett, nur gelegentlich von einzelnen Hügeln unterbrochen, gelbe, weil vertrocknete Grassteppe. Erst kurz vor Karratha mehren sich die Hügel, die Straße wird wieder etwas kurviger. Karratha ist eine der Ansiedlungen, deren Aufschwung in den letzten Jahren Bodenschätzen und somit der Mining Industry (BHP Billiton und Rio Tinto) zu verdanken ist. Entsprechend wohlhabend wirkt die Stadt, und der Bevölkerungsschnitt ist deutlich jünger als in anderen Orten hier in Australien. Für das Minengeschäft sind die Älteren nicht mehr hart genug, dafür gibt es gutes Geld zu verdienen. Vor dem Shopping Centre - in Amerika würde es sich Mall nennen - ist auf dem riesigen Parkplatz kaum etwas frei. An der Visitor Information werden um kurz vor 11.00 Uhr 39° C im Schatten angezeigt, es ist warm. Ein kräftiger Wind macht die Hitze erträglich.
Red Dog, The Pilbara Wanderer
In Dampier besuchen wir das Informationszentrum des North Shelf Gas Project, das Million Dollar Visitor Centre. Vor der Küste wird Erdgas (natural gas, neben Eisenerz (iron ore) und Salz (salt) der dritte Teil der Rohstoffe, die das East Pilbara zum größten Exporteur Australiens gemacht haben) aus der Tiefe geholt, drei große Offshore Anlagen fördern das Gas und verarbeiten das meiste davon direkt vor Ort, nur die Endprodukte werden an Land geliefert. Rund 17% des geförderten Gases kommen per Pipeline nach Dampier und werden hier verarbeitet.  Das reine Methangas wird "draußen" verflüssigt und teils ebenfalls mittels einer Pipeline nach Southern Western Australia (nach Perth und zu den anderen dichter besiedelten Gegenden) geleitet, teils mittels eigens hierfür gebauten Gastransportschiffen nach China und Japan gebracht.
In Dampier's Caravan Park suchen wir uns einen freien Platz. Das Office ist nicht besetzt, mal abwarten, was passiert. Nur etwa die Hälfte der verfügbaren Plätze ist belegt, die hohe Zeit der touristen ist für dieses Jahr bereits vorbei. Die Gegend direkt am Hafen, zwischen der Eisenerzverladung und den Bahngleisen, auf denen die Züge herbeirollen, ist nicht sehr verlockend. Immerhin, es gibt Schatten und direkt neben dem Platz kann man, zumindest während des Hochwassers, sogar schwimmen. Später sieht das ganz anders aus, die ganze Bucht ist mit schwarzen Felsen bedeckt. Naja, bei sechs Metern Tidenhub verändert sich die Sicht der Dinge schon gewaltig.

Sonntag, 26. Oktober

Wohl weil ich gestern viel später als gewohnt in den Bushi gegangen bin und außerdem mitten in der Nacht wach wurde (war das die zweite Dose Bier?), werde ich erst wieder richtig wach, als die Sonne schon scheint. Entsprechend sind wir erst kurz vor acht unterwegs.
Wieder geht es durch plattes Land, meist ohne Bäume, stellenweise sogar ohne Büsche. Zwei Mal durchqueren wir eine Range, das bedeutet, dass rechts und links sich Hügel an die Straße heranschieben, dass die Sicht nicht mehr so sehr auf die Ferne fixiert ist. Manche der Hügel sehen aus wie Schutthaufen, die sind dann aber sicherlich Natur, denn Abraumhalden der Minen sind glatter und sortiert nach Materialien und Materialgrößen.
Wie die Siedler vor 140 Jahren auf die Idee kamen, sich hier niederzulassen und sich mit der Viehzucht zu versuchen, erscheint mir schwer verständlich. Aber wenn sich nichts anderes ergeben hat, ist die Lage halt ganz anders. Außerdem hat die Regierung das Land zu sehr günstigen Bedingungen abgegeben: Die ersten neun Jahre war keine Pacht zu zahlen, anschließend nur dann, wenn nachweislich ausreichend wirtschaftlicher Erfolg erzielt wurde. Aber wenn es nicht ging, dann wurde das Land im Zweifelsfall wieder einkassiert und jemand anderem verpachtet. Manche der Farmer waren so erfolgreich, dass sie der Regierung das gepachtete Land abkaufen konnten und im Zweifelsfall noch umliegende Farmen dazu. So kam Kidman zu seinem Reichtum. Privateigentum wurde im Landact nicht an die Traditional Owner zurückgegeben, sondern blieb bei den (weißen) Besitzern. Für Pachtverträge mussten mit den neuen Besitzern neue, sicherlich ungünstigere Pachtverträge ausgehandelt werden. Ich denke, dass das mit ein Grund ist, warum mehr und mehr Stations aufgegeben werden - neben den extrem schwierigen Randbedingungen im nördlichen Outback. Andererseits sind die Aboriginal und ihre Berater nicht so dumm wie die Regierung Mugabe in Zimbabwe, die Kuh zu schlachten statt sie zu melken. Traditionell sind die Aboriginal nicht daran interessiert, Farmen zu betreiben oder Grundbesitz zu bearbeiten.
In Roebourne sind wir lange im Visitor Information Centre, das im alten Gefängnis untergebracht ist, denn es gibt hier ein sehr informatives und keineswegs die Geschichte beschönigendes Museum. Teilweise ist das ganz schön hartes Brot, das es da zu kauen gibt.
Von Cossack stehen nur noch ein paar Steinhäuser. Der Ort ist die Wiege der australischen Pearling Industry, wurde aber aufgegeben, nachdem sich Broome als der attraktivere, weil besser geeignete Standort herausgestellt hat. Unter anderem auch deshalb, weil dort, da um einiges weiter im Norden und somit wärmer, auch in der trockenen Jahreszeit nach Perlmuscheln getaucht werden konnte und dies nicht während der Zyklonzeit geschehen musste. Zyklonzeit ist die Sommerzeit, folglich die Jahreszeit mit dem wärmeren Wasser. Allerdings führt warmes Wasser zur Entstehung von Zyklonen, voilà. Die Einführung der Tauchanzüge kam für den Ort und seine Unternehmen zu spät.
Ich glaube, heute ist der wärmste Tag seit wir hier sind, das Herumlaufen auf dem Heritage Trail in Cossack fällt schwer, auch wenn es interessant ist. So fahren wir die meisten Abschnitte ab, ganz australisch. Herrliche Ausblicke auf den Dampier Archipelago und die Inselchen im Norden tun sich auf.
In Point Samson mieten wir uns auf einem Caravan Park ein. Unser Stellplatz ist nur durch eine Straße und eine Buschreihe vom Strand getrennt. Das Wasser in der Bucht ist angenehm und total sicher, weil die Bucht durch ein Riff vom Meer getrennt und ziemlich flach, also eigentlich eine Lagune ist.
Sunrise in Point Samson

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