Freitag, 26. September 2014

Kununurra, 26. September 2014



Freitag, 26. September

Western Australia, here we come.
Aber noch sind wir im Keep River National Park. Nach dem Frühstück fahren wir ein Stück, machen dann einen Walk, fahren noch ein Stück und wandern 2 km durch beeindruckend schöne Felslandschaft mit vielen Akazien und Hardwood. Wieder sind die Vögel eher zu hören als zu sehen.
Bei der Rangerstation sehen wir uns noch die Cocatoo Lagune an, dann kommen wir ins Gespräch mit einer Schweizerin und ihrem australischen Begleiter, beide aus Perth.
Wieder auf dem Victoria Hwy angekommen, bleibt uns nur noch ein kurzer Halt in Sichtweite der Quarantäne-Kontrollstation, um notdürftig das Auto vom Staub zu befreien. Aber das ist dann überhaupt kein Thema, der Kontrolleur stellt seine üblichen Fragen, die ich alle mit "No, Sir" beantworten kann, steigt ein und sieht sich vier Schränke und die Kühlbox und den jeweiligen Inhalt an, ohne allerdings etwas anzufassen, und gibt sich damit zufrieden. Geschafft.
In Kununurra auf dem Caravan Park
In Kununurra kaufen wir ein, das dauert ziemlich lange. Dann folgt ein Besuch bei der Visitor Information, um uns über die Gibb River Road zu informieren. Der eine Park schließt bereits am kommenden Mittwoch, das ist zu früh für uns. Aber alles andere sollte frei sein, abwarten. Auch den "Western Australia Annual All", den Zutritt zu allen Nationalparks in Western Australia bei freiem Eintritt erwerben wir hier. Es folgt ein Besuch im Büro für "aboriginal affairs", wo wir das notwendige Permit für den Zugang nach Kalumburu bekommen. Erst nach einer Wartezeit, denn die Sachbearbeiterin, eine nette junge Mutter, ist gerade beim Essen. Dann folgen noch ein paar kleinere Einkäufe, z. B. erstehe ich endlich einen Hut. Dabei erfahren wir, dass am Montag hier Feiertag ist, Queen’s Birthday nachgeholt.
Dann Tanken (wir kommen den 10l/100 km immer näher) und auf den Campingplatz. Diesmal nehmen wir den Ivanhoe direkt am Rande der Ansiedlung.
Der Tag ist formal 1,5 Stunden länger, aber das ist er nicht wirklich, weil die Sonne ja nicht plötzlich 1,5 Stunden später untergeht. Also ist der Abend länger. Na gut, da habe ich mehr Zeit zum Posten. Denn hier haben wir ein Netz und auch der Datentransfer ist hier hoffentlich gut genug. Mal sehen.

Donnerstag, 25. September

Etliche Vögel halten uns vom Frühstück ab und so sind wir später dran, das zieht sich durch bis zur Abfahrt. Der Himmel ist wieder klar und frei von jeglicher Beeinträchtigung. Am Wegesrand stehen Desert Lemon, ein Baum mit großen, gelben Blüten und grünen Früchten, die auf den ersten Blick wie Limonen aussehen. Sieht man die Früchte genauer an, sieht man, dass die Schale fünfteilig ist und nimmt man sie vom Baum weg, stellt man fest, dass sie gefiederte Samen enthalten und keinen Saft.
Erster längerer Halt in Timber Creek. Weil es Repellent Spray gibt, beschließen wir, heute noch in NT zu bleiben und in den Keep River National Park zu fahren.
Gemütlich folgen wir dem Verlauf des Verlauf des Victoria Hwy nach Westen. An der Brücke über den Victoria River suchen wir - von oben - nach Krokodilspuren, es gibt keine für uns sichtbare. Ein vorbeifahrender Ranger erklärt, dass hier an dieser Brücke ein älterer Alligator lebt, nur sei er wohl gerade unterwegs.
Ein Boab Tree am Wegesrand
Kurz vor drei sind wir am nördlichen Ende des Keep River National Park angekommen, dort gibt es einen Camp Ground, den wir heute nutzen werden. Auto abstellen, Camping Fee bezahlen (hier ist wie in allen Nationalparks in Northern Territories Self Service angesagt: Man füllt einen Vordruck aus mit Namen, Autonummer und Namen des Camp Ground, steckt den vorgeschriebenen Betrag in die Tüte, die Teil des Vordrucks ist, verschließt diese, nimmt das Deckblatt ab und steckt die Tüte in den Schlitz des Kästchens. Das abgetrennte Deckblatt kommt an die Windschutzscheibe bzw. irgendwo sichtbar ans Zelt), Stiefel anziehen und los auf den Jarwen Trail. Sieben Kilometer, das meiste eben, nur ein kurzer, aber heftiger Anstieg und ein langer Abstieg - wir brauchen fast zwei Stunden. Vorgegeben war allerdings eine Zeit von 2,5 Stunden, da sieht unser Ergebnis schon besser aus.
Nach einer gewissen Erholungsphase mache ich mich ans Kochen, das geht heute schnell, denn wir haben nichts mehr als Zugaben, keine Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch Chillie, Ingwer… All das haben wir verbraucht, damit wir guten Gewissens die Grenze nach Western Australia überqueren können. Jetzt macht sich Brigitte Sorgen wegen des Staubs auf dem Auto.
Wolken ziehen auf und mit dem Ende des Abendessens und der zugehörigen Tätigkeiten wie Spülen ist der Himmel fast ganz bedeckt. Da ist wenig Chance auf einen erneuten wunderbaren Sternenhimmel. Vielleicht sind die Bremsen deshalb heute so hartnäckig und wollen nicht verschwinden. Erst als es schon fast dunkel ist, haben wir Ruhe.
Gegen 21.00 Uhr sind dann doch fast alle Wolken verschwunden.

Mittwoch, 24. September

Aboriginal Kunst
Beim Aufstehen kurz nach Sonnenaufgang - folglich etwas später als gestern - werde ich sofort von Fliegen überfallen. Am Morgen finde ich sie schon arg nervig, ansonsten geht es, so lange sie nicht darauf aus sind, in meine Augen zu krabbeln.
20 nach acht sind wir unterwegs, weiter nach Westen. In Top Springs eine kurze Pause (auch hier gibt es kein Repellent), dann weiter Richtung Timber Creek. Am Jasper Gorge wollen wir übernachten, das ist nicht mehr sehr weit.
Das runde Schild, das letztes Jahr in Richtung Pigeon Hole gezeigt hat, zeigt jetzt "nur noch" zu Conn's Yard, das war damals das Ende unseres Versuches, quer durch Gras und Bush auf kürzerem Weg an unser Tagesziel zu kommen. Jetzt, 17 Monate später, sieht alles ganz anders aus, weil es ziemlich trocken ist. Nur bei der Überquerung des  Dashwood müssen wir knöcheltief durch Wasser fahren. Ebenda begegnen wir zum ersten Mal heute einem anderen Verkehrsteilnehmer.
Bei "Victoria River Downs", einer Station, stehen neben vielen Fahrzeugen fünf Hubschrauber vor der Anlage, zwei davon sind abflugbereit. Die Cessna 182 RG ist im Hangar sicher vor der Sonneneinstrahlung. Die kleinen, maximal zweisitzigen, Hubschrauber dienen zumindest zu einem Teil ihres Daseins der Überwachung der Herden und der ausgedehnten Weiden.
Schon sind wir am Camp Ground am südlichen Ende von Jasper Gorge. Natürlich ist niemand da und natürlich sieht es völlig anders aus, als wir es in Erinnerung hatten. Dennoch richten wir uns hier ein. Unmittelbar am Rande des Campground hat der Jasper Creek noch Wasser und das hat mit der Folge, dass es hier Bremsen und später sicherlich auch Mozzies gibt. Angesichts des fehlenden Repellent ist das ungeschickt. Im Zweifelsfall müssen wir uns in den Landcruiser zurückziehen. Dafür ist eine reiche Vogelwelt vorzufinden. Das hier ist ja nahezu ein Paradies, besonders mit Blick auf die Trockenheit der Umgebung. Allerdings sind die Vögel wie so oft auch hier mehr zu hören als zu sehen.
Die bei der Einfahrt angebrachte Krokodilwarnung ist jedenfalls hier und jetzt nicht mehr ganz ernst zu nehmen, dafür ist der Wasserstand zu niedrig. An der Stelle, wo man ans Wasser kommt, ist über eine Strecke von etwa 20 Metern noch nicht mal 30 cm Wassertiefe, das reicht selbst jungen Crocs nicht für einen Angriff.
Im Laufe des Nachmittags fährt ein Auto auf den Platz, dreht eine Runde und verschwindet wieder Richtung Süden. Später fährt ein anderes Auto vorbei, das war es mit dem heutigen Verkehr. Zusammen mit den Fliegen verziehen sich auch die Bremsen, die Brigitte am Nachmittag ins Auto vertrieben hatten.

Dienstag, 23. September

Gegen sechs beginnt die Dämmerung, um halb 7 geht die Sonne auf, kurz vor halb neun sind wir unterwegs. Vorher waren noch ein paar Sittiche auf einem Baum in der Nachbarschaft, ansonsten sind hier keine Vögel (zu sehen und zu hören). Dabei gibt es einiges an Nahrung: Zwei große Qandongs hängen voller Früchte, manche Bäume haben ausgebildete Samenträger an sich hängen, wieder andere blühen bereits. Auch Kängurus machen sich hier rar, keine Spuren weit und breit.
In Hi-Way Inn tanken wir, dann versuchen wir Repellent-Spray zu bekommen, gegen Mozzies, auch wenn wir bisher nur wenig Bedarf hatten. Aber Repellent ist aus. Auch in Daly Waters und Dunbarra, den beiden benachbarten Roadhouses, ist es so.
Jetzt zeigt die Nase unseres Bushi wieder konstant nach Westen, wir fahren den Buchanan Highway entlang, dabei kreuzen wir die Bahnstrecke Alice - Darwin. Die Strecke ist einspurig, der Übergang unbeschrankt, allerdings mit Warnleuchte am Abdreaskreuz versehen und vor und nach dem Gleis zwanzig Meter asphaltiert. Immerhin ist das Australiens zweitwichtigste Fernverbindung!
Als wir eine größere Kuhherde passieren, installiere ich die Action Cam, aber aus Mangel an Übung stelle ich später fest, dass ich sie nicht eingeschaltet hatte. Mist! Fast jede der Kühe hat ein Kalb, manche haben auch noch Nachwuchs vom letzten Jahr dabei, eine bunt gemischte Herde. Am Ende zwei Drover, ein Mann und eine Frau, auf Pferden. Wenig später wird der Wald aufgeräumt, alles ist schwarz, an manchen Stellen raucht es noch. Auf eine Strecke von fast 100 Kilometern ist rechts und links der Piste fast alles Unterholz, alles alte Gras beseitigt. Ich sehe ein, dass es notwendig ist, das zu machen, aber es hätte ja nicht heute sein müssen.
Dennoch finden wir 42 km vor Top Springs eine einigermaßen unbeschädigte Stelle abseits der Straße, wo wir uns für die Nacht hinstellen können. Es ist erst halb drei, aber da es so früh dunkel wird, sind die Abläufe ein wenig abweichend von unseren europäischen Gewohnheiten.
Durch die 50 Kilometer, die wir weiter im Westen sind, wird es etwas später dunkel und entsprechend hat das Kreuz des Südens heute keine Chance, die beiden untersten Sterne kommen nicht mehr zum Vorschein.
Als ich gegen Morgen, aber noch vor der Dämmerung, mal rausgehe aus dem Bushi, steht Orion fast genau über uns. Woran liegt es eigentlich, dass wir von der fast unglaublichen Geschwindigkeit, mit der wir uns durchs Weltall bewegen, im Grunde nichts merken?

Montag, 22. September

Aber auch mit frisch geladenem Mobile gelingt es mir nicht zu posten. Wir haben zwar ein Netz und zum Telefonieren würde es vermutlich auch ausreichen, aber der Datentransfer ist viel zu schwach, um an ein Posten zu denken. Vielleicht eine schwache Ausrede.
Während wir frühstücken, machen sich die beiden in dem Britz-Landcruiser auf den Weg. Also geht Brigitte hin um ihre Whereabouts zu erfragen. Ein deutsches Paar, ich schätze mal um die siebzig, die ähnlich wie wir das Land erfahren, allerdings in kürzeren Etappen, diesmal sind es 10 Wochen. Sie sind auf dem Weg nach Queensland, umdort nach Cape Yorck zu fahren. Dass Britz das erlaubt!
Wir tanken dann doch in Boroloola, der Preis ist nicht so viel höher als bisher und am Stuart Hwy ist es sicher nicht billiger. In den SUB - und nur den betanke ich - passen 89,25 l, er war also wirklich leer. Gut zu wissen, wie die Anzeige dann aussieht. Jetzt muss ich das gleiche für den MAIN durchführen, dann kenne ich das Auto schon besser. Aber offensichtlich braucht er bei ähnlicher Fahrweise und ähnlichem Anforderungsprofil etwas mehr Sprit als sein Vorgänger. Das kann eine Einstellung am Motormanagement sein.
Nach einem ausgedehnten Besuch in der örtlichen Galerie indigener Künstler, Waralungku, fahren wir weiter. Manche der Bilder sind wirklich beeindruckend, sowohl vom Ausdruck als auch von der Technik. Vor allem die Punkttechnik zeugt von einer unendlichen Geduld. Die Sprache der hiesigen Bevölkerung ist Garrawa. Alles Geschriebene ist allerdings nur eine Annäherung, denn die Australischen Ureinwohner kannten keine Schrift - bis die Weißen kamen.
Die Bilder wiederholen sich: Camping in Boroloola
Auf nach Westen. Brigitte fährt ihre ersten Kilometer und das auf dem Carpentaria Highway, der meist in der Form einer "Single Lane Bitumen" angelegt ist: Nur ein Asphaltstreifen von der Breite eines Roadtrains und befahrbare Bankette daneben. Was passiert, wenn man sich begegnet? Nun, das ist unterschiedlich: Zwei PKWs geben im Allgemeinen beide einen Teil der Fahrbahnfrei und fahren mit den linken Rädern auf der Piste. Einem Roadtrain gehört die Piste, das heißt, als kleinerer Verkehrsteilnehmer verlassen wir den asphaltierten Bereich und lassen den Roadtrain vorbei. Kritisch ist es, wenn sich zwei Roadtrains begegnen, das stelle ich mir schon furchterregend vor: Zwei Achtzig-Tonen-Kolosse, die mit neunzig Stundenkilometern aufeinander zu rasen und nur eingeschränkte Manövrierfähigkeiten haben... Immerhin, die meisten sind wohl nicht ganz bis an die Grenze beladen, die Viehtransporter, die uns entgegenkommen, sind alle leer. Absprachen zwischen den Fahren sind vorstellbar, aber nicht realistisch wegen des Zeitdrucks unter dem die Fahrer stehen. Also spricht alles für ein zeitbasiertes System: 2 Stunden in die eine Richtung, 2 Stunde in die andere. Oder besser vier- stundenweise, denn vier Stunden reichen den meisten Roadtrains für die Strecke von Hi Way Inn bis Cape Crawford. Dort sind jeweils große Parkflächen. Als wir in Cape Crawford vorbeikommen, stehen dort sechs Roadtrains Richtung Hi Way Inn.
100 km vor dem Erreichen des Stuart Hwy biegen wir in Sichtweite eines Telegraphenmastes nach links ab und beziehen ein Bushcamp etwas abseits der Straße im Schatten eines großen Eukalyptusbaumes. Wir sind hier nicht ganz sichtgeschützt, aber es ist ja ohnehin fast kein Verkehr. Bis zum Einbruch der Dunkelheit kommen sechs Fahrzeuge vorbei, später dann noch drei weitere.
Seltsame Fliegen gibt es hier, sie sammeln sich an meinem linken Knöchel und dort sind sie auch völlig apathisch und lassen sich einfach erschlagen. An anderen Stellen benehmen sie sich völlig normal.
Das Kreuz des Südens ist heute erstmals deutlich zu sehen. Als eines der ersten Sternbilder liegt es über dem südlichen Horizont, die beiden Pointer, Alpha- und Beta-Centauri fast senkrecht über sich. Rund eine Stunde später ist es unter dem Horizont verschwunden. Der Sternenhimmel ist hier bemerkenswert schön, besonders dann, wenn er wie heute bei uns von keiner Lichtquelle gestört wird.

Sonntag, 21. September

Als ich aufstehe, sieht die Lost City völlig anders aus: Die Sonne bestrahlt sie flach von vorn. Auch die australische Reisegruppe (Mutter Ros ist  Schriftstellerin und arbeitet in einem Projekt für frühkindliche Erziehung in Boroloola, Vater John ist Ire, allerdings mit indischem Einschlag, Tochter Julia ist Profitennisspielerin und Sohn Jim, dazu kommen Ros' Freundin Anne und der Guide Jakob) ist schon am Packen. Wir frühstücken und machen uns dann auf den Weg, aber nicht ohne uns verabschiedet  und noch gegenseitig Fotos gemacht  zu haben. Jakob ist schon außergewöhnlich: Er sieht uns an, er spricht mit uns, er ist freundlich und er lässt sich fotografieren. Aber dennoch weiß er noch viel von dem Wissen der Vorfahren und gibt es auch weiter.
Außer uns ist niemand zu sehen unterwegs. Kurz bevor wir den Park verlassen stehen links zwei Motorradfahrer mit Panne, aber wir können ihnen nicht helfen, sie sind auch schon fertig. Schon biegen wir ab auf den Carpentaria Hwy Richtung Boroloola und verlassen deshalb den Savanah Way. Vor Boroloola fahren wir geradeaus nach Bing Bong. Im Atlas steht "Loading Facility" und genau das ist Bing Bong: Die Verladestation einer Mine. Aber nicht von Land aufs Schiff, z. B. auf Schuten, sondern von Land auf Road Trains. Ein solcher hat uns vorhin in voller Fahrt überholt, er war wohl leer. Am Wegrand stehen sechs Brolga, aber ihre Fluchtdistanz ist unverändert hoch, sie lassen mich nicht sonderlich nahe an sich heran. Aber da geht eine kleine Piste ab Richtung Wasser, wir probieren es und kommen an eine Stelle, wo Boote in den McArthur River gelassen werden. Von hier gibt es eine Verbindung zur Sir Edward Pellew Insel.
Wir beobachten eine Weile das Geschehen, und kommen auch mit einem der Angler ins Gespräch. Ich frage nach Crocs, Krokodilen, er sagt, draußen gäbe es eine Menge und wohl auch auf der anderen Seite des Flusses. Zumindest will er gestern Abend jede Menge Augen gesehen haben. Ich denke, für viele der Angler auf dem Golf ist es jetzt Zeit zum Aufbruch nach Hause, es sind ja doch einige Kilometer bis in bewohnte Gegenden, deshalb ist an der Boat Ramp relativ viel Betrieb.
Brigittean Batten Point am McArthur River
Auf der Rückfahrt nach Boroloola, wo wir auf dem Campingplatz übernachten wollen, machen wir einen Abstecher zu Batten Point. Dort gibt es: einen Tennant Creek Fishing Club, eine Alice Springs Outback Anglers Association, und sonst noch einige Clubs und Einrichtungen. Natürlich auch das übliche Camping Ressort, aber nur für Mitglieder. Vorne am McArthur River werfe ich einen Stock ins Wasser, um die Strömung zu testen. Der Stock taucht in meiner Richtung wieder auf und wird von einem mehr als zwei Meter großen Fisch verfolgt, möglicherweise ist es ein Barracuda oder einfach ein Wels. Zuerst dachte ich, ein Croc kommt angeschwommen, aber es war nur ein großer Fisch. Vielleicht hatte ich ihn mit dem ziemlich großen Holzstück getroffen. Nach einer Weile trollt er sich wieder.
Batten Point ist "our most easterly point" auf dieser Reise, der östlichste Punkt, den Rest werden wir wie auch immer und wo auch immer weiter westlich verbringen.
Boroloola hat sich seit 1. Mai 13 nicht wirklich verändert, jedenfalls soweit ich das beurteilen kann. Das Wuselige fehlt, aber das liegt vermutlich daran, dass heute Sonntag ist.
Auf dem Caravan Park ist, nachdem wir uns eingerichtet haben, immer wieder  ein merkwürdiges Geräusch zu hören. Es klingt ähnlich wie viel Flatterband oder Folie, die im Wind flattert oder eine losgerissene Zeltbahn. Brigitte ist etwas besorgt. Erst als ich schon bei den Vorbereitungen für das Abendessen bin, finden wir heraus, was es ist: Nicht mal 200 m neben uns brennt das Unterholz. Vermutlich ist es ein bewusst entzündetes Buschfeuer, um Wildfeuer zu vermeiden. Es wundert mich nur, dass das trotz diesen starken Windes entfacht wurde. Aber offensichtlich ist alles in Ordnung, von den Aussies, zumindest den hier Ansässigen, scheint sich niemand Sorgen zu machen. Gegen neun ist der Spuk weitgehend vorbei.
Über all dem habe ich glatt vergessen, nachzusehen, ob wir ein Netz haben. Und als ich dann nachsehe, ist das Handy leer - dumm gelaufen

Samstag, 20. September

Hibiskusblüte am Wegesrand
Da wir heute nur einen "kurzen" Fahrtag haben, lassen wir uns Zeit mit dem Aufbruch. Die Lage hier am Fluss - auch wenn wir nicht am Fluss stehen - ist einfach zu schön. Es gibt jede Menge Känguru- und Vogelspuren am Ufer, von Krokodilen ist nichts zu sehen. Möglicherweise ist der Wasserstand schon so niedrig, auch wenn es nicht so aussieht, dass sie sich in den Golf zurückgezogen haben.
Es wird sehr warm heute, sicherlich über 35 Grad, Brigitte spricht von 43. Gemütlich fahren wir nach Süden, halten an, wenn es uns gut gefällt. So sollte es ja auch sein. Das Lan hier ist einfach schön, unbeschreiblich schön. Und dann, mittendrin eine Kreuzung mit einer riesigen neuen Piste, gesperrt für den "normalen" Verkehr. Western Desert scheint hier mitten im National Park nicht nur nach Bodenschätzen zu suchen, sondern sie auch bereits abzubauen. Auf den Schildern wird vor "big off road trucks" gewarnt, ich sehe sofort die Trucks der Super Pit in Kalgorlie vor mir.
Unterwegs treffen wir zwei Polizisten, ich weiß nicht, was sie hier in die Einsamkeit verschlagen hat, wir unterhalten uns ein wenig mit ihnen, dann fahren wir weiter, um wenig später das Schild mit dem Hinweis "Butterfly Spring" zu sehen. Nichts wie hin, angeblich kann man dort sogar schwimmen. Allerdings sind schon Leute da, eine private Reisegruppe mit eingeborenem Führer. Und flugs sind wir eingebunden. Vor drei Monaten waren sie in Heidelberg. Ein Monitor klettert bedächtig ins Wasser, an den Resten des Wasserfalls bemüht sich ein weißer "suphur crested" Kakadu um die Reste des Wassers und an einem Felsen sitzen Tausende schwarzer Schmetterlinge. Als ich zu nahe komme, fliegen sie auf und bespucken mich. Als noch eine Gruppe kommt und das Wasser stürmt, junge Australier mit Bierdosen, brechen wir auf und fahren weiter nach Süden, Southern Lost City, eine bemerkenswerte Felsformation inmitten grüner Bäume, ist unser heutiges Ziel. Dort gibt es direkt bei den Felsen einen Campground. Es gibt hier noch eine zweite "lost City", nämlich Western Lost City, die man von der Southern aus sogar sehen kann. Nur der Besuch - Übernachtungen dort sind nicht erlaubt - ist schwierig zu organisieren: Man muss sich dafür einen Schlüssel bei den Rangers in Nathan River holen, die sind aber nur zwischen neun und zehn Uhr am Vormittag vor Ort bzw. ansprechbar. Egal, woher man kommt, das ist ein echtes Hindernis. Und zudem ist die Abzweigung nicht ausgeschildert.
Southern Lost City
Am Nachmittag, als wir schon lange an unserem Tagesziel sind und bereits einen Spaziergang durch Lost City gemacht haben (ausgeschildert mit 1,5 Stunden, wir brauchen knapp 45 Minuten, sind also nicht zu langsam durchgewandert), kommt wieder der tägliche Wind auf, dafür lösen sich die Wolken, die in den vergangenen zwei Stunden aufgezogen sind, wieder auf. Ich lese mal wieder ein paar Kapitel, denn mit dem Kochen muss ich noch warten. Es ist schwierig: Ich muss rechtzeitig anfangen, damit wir vor Dunkelheit essen können, aber spät genug, damit uns der Wind den Gasherd nicht ausbläst. Die Sonne geht hier, etwas südlicher und um einiges östlicher als Darwin, nämlich bereits um Viertel nach sechs unter, und kurz danach ist es dann auch schon dunkel. Wir haben mit dem Erreichen unseres Stellplatzes die ersten tausend Kilometer hinter uns gebracht.
Ganz lösen sich die Wolken im Westen heute nicht auf, zumindest nicht während wir vor dem Auto sitzen und den Sternenhimmel genießen.

Freitag, 19. September

Nach Frühstück und Zusammenpacken verabschieden wir uns von dem Wiesbadener Ehepaar, mit dem wir gestern am thermal pool lange gesprochen haben. Sie verlängern ihren Aufenthalt hier in Mataranka um einen Tag. Er stellt fest, dass es gut ist, wenn man sich einfach so entscheiden kann, wie es weitergeht.
Über den Stuart und den Roper Hwy fahren wir Richtung Roper Bar, lassen den Shop, denn mehr ist ja außer Tankstelle und  Campingplatz ja nicht, im wahrsten Sinne links liegen und fahren weiter in den Limmen National Park. Kurz vor Tomato Island steht ein Fahrzeug am Rand, ich bremse ab, halte aber nicht an, weil das Winken mir eher ein Gruß zu sein scheint. Außerdem war unsere letzte Nachfrage, 20 Minuten vorher, nicht wirklich willkommen gewesen. Ob es in diesem Fall besser gewesen wäre zu halten - ich werde es wohl nie erfahren. Aber hinter mir ist noch ein Auto (eben der, bei dem wir zuvor gefragt hatten), der hält, und damit ist ja gut.
Die Gegend ist wie im letzten Jahr, nicht ganz so grün zwar und noch leerer. Aber die Piste ist kaum wiederzuerkennen: Stark corrugated ("wellblechartig"), manchmal sehr sandig und knochentrocken. Jedenfalls bis zum Little Towns River, die Durchfahrt ist etwa 10 cm tief mit Wasser bedeckt. Und am Towns River, dessen Durchfahrung letztes Jahr das Unternehmen "Limmen National Park" endgültig zum Scheitern brachte, führt auch Wasser, aber das steht nicht mehr als 20 cm über der Fahrbahn. Ich schalte noch nicht mal den Vierradantrieb ein. Wenig später kommt der Hinweis auf den Campground, an dem wir heute übernachten wollen. Seit Tomato Island haben wir kein Auto mehr gesehen. Hier am Towns River sieht es auch ganz einsam aus, allerdings stellt sich nachher heraus, dass weiter drin auf dem Campground, direkt am Ufer des hier recht breiten und ziemlich trägen Flusses, eben des Towns River, sich sechs verschieden Parteien  eingerichtet haben. Alle haben ein Boot dabei und sind zum Teil auch auf dem Wasser und angeln.
Am Towns River
Eigentlich gibt es hier Krokodile, Salties, und deshalb traue ich mich nicht direkt und ebenerdig ans Wassers, auch wenn ich davon ausgehe, dass bei den vielen Menschen die Krokodile nicht auftauchen. Es ist sehr ruhig und friedlich hier.
Vor dem Kochen sammle ich Holz, vielleicht können wir nachher ein Feuer anzünden.
Das lassen wir dann allerdings bleiben, obwohl es kühl genug dafür wird. Aber zuerst stehen wir am Towns River und betrachten den ruhig daliegenden Fluss und darüber den wunderbaren Sternenhimmel mit vielen unbekannten Sternbildern. Und nachher ist es schon zu spät für das Feuer. Außerdem haben wir beide leichte Bedenken, dass es doch zu trocken ist für ein Feuer unter Bäumen.

Donnerstag, 18.September

Um Viertel vor sechs ist der Himmel im Süden schon zu hell, um noch Sterne sehen zu können. Dafür kann ich schon recht vielerkennen, auch, dass noch keine Känguruhs zu sehen sind. Die Radfahrerin packt ihr Zelt zusammen.
Später lässt sich die Mama doch noch mal sehen und diesmal sogar fotografieren. Anfangs steckt das Joey verkehrt herum im Beutel, nur ein Teil des Schwanzes ist zu sehen. Das sieht merkwürdig aus. Später schaut es dann richtig heraus und auch sine Vorderpfoten sind zu sehen.
Gemütlicher Ablauf ohne Überfall beim Frühstück, erst kurz vor zehn machen wir uns auf den Weg.
In Katherine vervollständigen wir unsere Ausrüstung und die Vorräte, dann mache ich mich daran, was in den Blog zu schreiben. Allerdings habe ich mir durch mehrfache Anmeldeversuche den Zugang gesperrt, das ist jetzt schwierig, denn mein Mobile mit der deutschen Nummer ist hier natürlich nicht operabel, ich brauche es aber mit der australischen SIM-Karte als Router. Was tun?
Nach längerem Hin- und Her funktioniert es wieder, ich kann posten. Wenig später bricht der Laptop mangels elektrischer Energie zusammen.
Frühstücksbesuch in Mataranka
Wir tanken, denn hier gibt es noch "verbilligten" Sprit, der ohnehin schon preiswerter ist als voraussichtlich in der nächsten Zeit, dann fahren wir nach Mataranka, etwa 100 km südlich. Dort gibt es eine Thermalquelle, die wollen wir noch mal aufsuchen, bevor es für ein paar Tage ohne schwimmen gehen muss.
Der Platz ist viel leerer als vergangenen April, als wir uns hier mit Werner getroffen haben, aber das Thermalbecken ist dennoch voll - viele Tagesgäste, darunter eine deutsche Gruppe, 12-köpfig.
Bei der Vorbereitung des Abendessens bekommen wir Besuch von zwei Wallabies, einer mit abgeknicktem Ohr; aber wo ist Dodger?
Abends versehe ich den Blog von heute Mittag mit Bildern. Brigitte kommt vom Waschhaus und sagt, dass da eine große Schlange auf dem Weg sei. Schon beeindruckend, etwa 3m lang, mit einem Durchmesser von etwa 10cm an der dicksten Stelle, dabei aber ein sehr schmaler Kopf - und total uninteressiert an den beiden Menschen, die sie ansehen. Sie durchstöbert die vielen aufgehäuften Blätter, vermutlich auf der Suche nach Futter. Hier oben im tropischen Northern Territories (NT) verhalten sich die Bäume ähnlich wie bei uns. Sie sind eigentlich immergrün, doch jetzt, Ende September, werfen sie einen großen Teil ihrer Blätter ab. Der Grund dafür dürfte die große Trockenheit kurz vor der Regenzeit, der "wet season", sein. Die Bäume nutzen das wenige zur Verfügung stehende Wasser zur Aufrechterhaltung ihrer Vitalfunktionen. Mit dem bald einsetzenden Regen wachsen wieder neue Blätter.










1 Kommentar:

  1. Herzlichen Dank für Euren Blog. Mit großer Reiselust lese ich jedes Wort. Und so viele Namen und Orte sind mir vertraut. Teilweise war ich ja mit Euch dort. Viel Spaß weiterhin. Den Rest der Reie werdet ihr ja dann in WA sein. Gern wäre ich dabei. Ich hoffe also auf ein naechstes mal. Alles Gute und bleibt gesund. Gute Reise.

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