Sonntag, 28. September 2014

Sonntag, 28. September, immer noch in Kununurra, WA



Sonntag, 28. September

Das frühe Aufstehen passend zum Sonnenaufgang wird zur Routine, wir sind jetzt wirklich "hier". Wenig später brechen die ersten bereits auf, da sind wir noch dabei, unser Frühstück zu richten. Ungefähr um halb acht brechen auch wir auf, aber wir bleiben hier in Kununurra. Unser Ziel ist ein Nationalpark direkt neben der Stadt, dort gbt es ein paar Walks, die wir uns für heute vorgenommen haben.
Im Mirima National Park
Es lohnt sich, die Umgebung mit den rotschwarzen Sandsteinfelsen der Kimberleys und sehr viel Grün trotz der anhaltenden Trockenheit ist schön. Und um diese Zeit ist die Temperatur auch für körperliche Betätigung sehr angenehm. Als wir alles abgegangen sind, ist es schon merklich wärmer.
Eine große Bougainvillea in Kununurra
Den Rest des Tages verbringen wir auf dem Campingplatz, immer mal wieder mit einem kurzen Swim im Pool gewürzt. Viel zu schnell vergeht der Tag, schon ist wieder Zeit ans Abendessen zu denken und mit dem Kochen zu beginnen. Momentan haben wir noch frische Sachen in großer Auswahl, in den nächsten Tagen wird sich das ändern. Morgen geht es ab nach Wyndham und dann weiter nach Westen auf die Gibb River Road mit ihren vielen Seitenwegen und -Zielen. Da werden wir vermutlich auch nicht online sein können. Und ab morgen werden wir für einige Tage nicht aus dem Vierradantriebsmodus herauskommen, auch wenn das einen erhöhten Kraftstoffverbrauch zur Folge hat. Aber wir wollen es ja so. Mal sehen, wie es wird, die einen sagen so, die anderen so.

Samstag, 27. September

Beim Tanken gestern ist mir ein Malleur passiert, etwas, von dem ich dachte, dass es nur den anderen passiert: Ich habe die falsche Zapfpistole genommen und das erst gemerkt, als schon 2,02 l Regular in den Dieseltank gelaufen waren. Vor lauter Schreck habe ich den Tank dann randvoll gemacht, und somit nochmal 78,5 l Diesel dazu getankt. Früher lernte ich mal, dass eine Beimischung von Benzin den Dieselmotoren nicht schadet, so lange gewisse Grenzen nicht überschritten werden. Doch dann habe ich im Internet nachgelesen mit der Folge, dass ich ziemlich schlecht geschlafen habe. Aber das war nicht der Grund, warum wir schon um halb sechs aufgestanden sind. Der Grund war vielmehr die Zeitumstellung und dass die Sonne schon vor sechs aufgeht.
Das Hotel Kununurra hat ein durstiges Kamel 
Kurz vor halb neun fahren wir los, um die örtliche TCC-Vertragsgarage aufzusuchen. Komisch, in der deutschen Fassung ist eine andere Adresse aufgeführt als im englischen Teil unseres Begleitheftes. Die "englische" Werkstatt gibt es aber nicht, in der anderen ist niemand da. Also versuche ich, ob ich telefonisch jemanden erreichen kann, nur die Mailbox geht dran, ich erkläre die Situation und bitte um Rückruf. Dann versuche ich erfolgreich, Chris in Sydney zu erreichen. Er meint, dass das kein Problem sein sollte, es könne nur sein, dass der Motor gelegentlich nicht ganz rund läuft. „Aber dann weischd du ja, woran es liegt.“ Für mich heißt das, dass der Landcruiser nicht die modernste Technik benutzt, und dass das gut so ist.

Am Orb bei der Zebra Rock Gallerie
Wir besuchen die Zebra Rock Gallery. Zebra Rock ist eine 600.000.000 Jahre alte Gesteinsform, die gestreift ist eben wie ein Zebra. Wie sich diese Steine gebildet haben weiß man nicht, man weiß nur, dass die dunkle Farbe Eisenoxid (also Rost) enthält. Diese Steine wurden bisher nur hier in den East Kimberleys gefunden. Die frühere Mine ist unter dem Lake Argyle versunken, doch gibt es eine Stelle, wo die Steine im Tagebau abgebaut werden können, aber nur während der dry season. In Handarbeit werden aus diesen Steinen dann Schmuckstücke, Gebrauchsartikel und Kunstgegenstände geschnitten, gefräst und geschliffen. Wasser ist hier in Kununurra und Umgebung durch die Nähe des Lake Argyle, des größten künstlichen Gewässers der südlichen Hemisphäre, kein Problem. Außerdem fließt hinter dem Haus der Ord River vorbei auf seinem Weg zur Timor Sea. Dort kann man Fische füttern, entsprechend kommen sie sofort, wenn sich ein Mensch nähert. Aber sogar die Hündin des Hauses kann sie herbeilocken: Sie zeigt uns den Weg zum Wasser und steigt hinein. Schon ist vor ihr ein ziemliches Gewusel, das sich allerdings ebenso schnell wieder legt, als die Fische merken, dass es nichts zu fressen gibt.
Am swimming beach des Orb legen wir eine Pause ein, gehen auch baden. Wie immer ist es auch hier nicht wirklich schwer, mit Aussies ins Gespräch zu kommen.
Den Hinweisen aus der Visitor Information folgend fahren wir noch ein wenig durch die Gegend und genießen zum Beispiel den herrlichen (fast) Rundblick von Kelly's Knob aus.
Letztlich kehren wir wieder zurück zu Ivanhoe Village und buchen uns noch mal für zwei Nächte ein.

Komisch, heute ist offensichtlich der Tag der Gespräche. Auch im Pool kommen wir ins Gespräch, zuerst mit einem Paar aus Victoria, dann mit einem aus Schriesheim. Die Victorians sind seit 15 Monaten unterwegs, sie sind bekennende Grey Nomads. Derzeit sind sie auf dem sehr langsamen Weg nach Süden, wir sehen die Möglichkeit, dass wir uns in Broome treffen. Das Paar aus Schriesheim kommt von der Gibb River Road, ihnen war es dort zu heiß, so dass sie auf den Highway gewechselt sind um schneller hier zu sein. Sie sind in Perth gestartet und auf dem Weg nach Darwin und weiter nach Sydney, von wo sie dann nach Neuseeland übersetzen wollen.
In der Viertelstunde der Fruitbats - ein Zeitraum nach Sonnenuntergang, kurz vor der richtigen Dunkelheit, in dem Tausende der großen Flugsäuger am Himmel über uns nach Westen ziehen, ihren Futterplätzen entgegen. Gegen Morgen kommen sie dann wieder zurück, um ihre Tagesruheplätze aufzusuchen - liegt im Westen eine schmale Mondsichel über dem Horizont, zwei Stunden später ist sie/er schon  untergegangen. Liegt im wahrsten Sinne, denn es sieht aus, als würde sie schaukeln, beide Spitzen zeigen nach oben.
Auch beim Spülen in der Campkitchen kommen wir ins Gespräch mit einer Familie aus Sydney, sienutzen die derzeitigen Schulferien und fahren von Broome nach Darwin. Sie erzählen und geben Tipps von der Gibb River Road, wir erzählen und geben Tipps über unseren Weg hierher. Heute Nachmittag ist eine andere Familie hier eingetroffen, ein junges Ehepaar mit drei kleinen Kindern; Die kleinste ist vielleicht eineinhalb, der nächste drei und die große fünf. Auch mit dem Vater der drei kann ich einige Zeit reden. Sie sind aus Melbourne, er hat sich ein Jahr freigenommen, um Australien zu bereisen. Sie sind die Ostküste hochgefahren, waren in Cape Yorck und sind jetzt auf dem Weg nach Broome. Die Kinder kommen offensichtlich sehr gut mit dieser Situation zurecht.
Bereits um acht sind wir so ziemlich die einzigen, die noch nicht schlafen.

Freitag, 26. September, Nachtrag

Doch ich brauche ziemlich lange, bis alle Daten und Bilder in meinem Blog sind und an der richtigen Stelle stehen. Immerhin habe ich jetzt gelernt, wie ich die Bilder auf schnellere Weise an den geeigneten Stellen einfügen kann.




Unser treuer Begleiter auf Australiens Straßen

Freitag, 26. September 2014

Kununurra, 26. September 2014



Freitag, 26. September

Western Australia, here we come.
Aber noch sind wir im Keep River National Park. Nach dem Frühstück fahren wir ein Stück, machen dann einen Walk, fahren noch ein Stück und wandern 2 km durch beeindruckend schöne Felslandschaft mit vielen Akazien und Hardwood. Wieder sind die Vögel eher zu hören als zu sehen.
Bei der Rangerstation sehen wir uns noch die Cocatoo Lagune an, dann kommen wir ins Gespräch mit einer Schweizerin und ihrem australischen Begleiter, beide aus Perth.
Wieder auf dem Victoria Hwy angekommen, bleibt uns nur noch ein kurzer Halt in Sichtweite der Quarantäne-Kontrollstation, um notdürftig das Auto vom Staub zu befreien. Aber das ist dann überhaupt kein Thema, der Kontrolleur stellt seine üblichen Fragen, die ich alle mit "No, Sir" beantworten kann, steigt ein und sieht sich vier Schränke und die Kühlbox und den jeweiligen Inhalt an, ohne allerdings etwas anzufassen, und gibt sich damit zufrieden. Geschafft.
In Kununurra auf dem Caravan Park
In Kununurra kaufen wir ein, das dauert ziemlich lange. Dann folgt ein Besuch bei der Visitor Information, um uns über die Gibb River Road zu informieren. Der eine Park schließt bereits am kommenden Mittwoch, das ist zu früh für uns. Aber alles andere sollte frei sein, abwarten. Auch den "Western Australia Annual All", den Zutritt zu allen Nationalparks in Western Australia bei freiem Eintritt erwerben wir hier. Es folgt ein Besuch im Büro für "aboriginal affairs", wo wir das notwendige Permit für den Zugang nach Kalumburu bekommen. Erst nach einer Wartezeit, denn die Sachbearbeiterin, eine nette junge Mutter, ist gerade beim Essen. Dann folgen noch ein paar kleinere Einkäufe, z. B. erstehe ich endlich einen Hut. Dabei erfahren wir, dass am Montag hier Feiertag ist, Queen’s Birthday nachgeholt.
Dann Tanken (wir kommen den 10l/100 km immer näher) und auf den Campingplatz. Diesmal nehmen wir den Ivanhoe direkt am Rande der Ansiedlung.
Der Tag ist formal 1,5 Stunden länger, aber das ist er nicht wirklich, weil die Sonne ja nicht plötzlich 1,5 Stunden später untergeht. Also ist der Abend länger. Na gut, da habe ich mehr Zeit zum Posten. Denn hier haben wir ein Netz und auch der Datentransfer ist hier hoffentlich gut genug. Mal sehen.

Donnerstag, 25. September

Etliche Vögel halten uns vom Frühstück ab und so sind wir später dran, das zieht sich durch bis zur Abfahrt. Der Himmel ist wieder klar und frei von jeglicher Beeinträchtigung. Am Wegesrand stehen Desert Lemon, ein Baum mit großen, gelben Blüten und grünen Früchten, die auf den ersten Blick wie Limonen aussehen. Sieht man die Früchte genauer an, sieht man, dass die Schale fünfteilig ist und nimmt man sie vom Baum weg, stellt man fest, dass sie gefiederte Samen enthalten und keinen Saft.
Erster längerer Halt in Timber Creek. Weil es Repellent Spray gibt, beschließen wir, heute noch in NT zu bleiben und in den Keep River National Park zu fahren.
Gemütlich folgen wir dem Verlauf des Verlauf des Victoria Hwy nach Westen. An der Brücke über den Victoria River suchen wir - von oben - nach Krokodilspuren, es gibt keine für uns sichtbare. Ein vorbeifahrender Ranger erklärt, dass hier an dieser Brücke ein älterer Alligator lebt, nur sei er wohl gerade unterwegs.
Ein Boab Tree am Wegesrand
Kurz vor drei sind wir am nördlichen Ende des Keep River National Park angekommen, dort gibt es einen Camp Ground, den wir heute nutzen werden. Auto abstellen, Camping Fee bezahlen (hier ist wie in allen Nationalparks in Northern Territories Self Service angesagt: Man füllt einen Vordruck aus mit Namen, Autonummer und Namen des Camp Ground, steckt den vorgeschriebenen Betrag in die Tüte, die Teil des Vordrucks ist, verschließt diese, nimmt das Deckblatt ab und steckt die Tüte in den Schlitz des Kästchens. Das abgetrennte Deckblatt kommt an die Windschutzscheibe bzw. irgendwo sichtbar ans Zelt), Stiefel anziehen und los auf den Jarwen Trail. Sieben Kilometer, das meiste eben, nur ein kurzer, aber heftiger Anstieg und ein langer Abstieg - wir brauchen fast zwei Stunden. Vorgegeben war allerdings eine Zeit von 2,5 Stunden, da sieht unser Ergebnis schon besser aus.
Nach einer gewissen Erholungsphase mache ich mich ans Kochen, das geht heute schnell, denn wir haben nichts mehr als Zugaben, keine Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch Chillie, Ingwer… All das haben wir verbraucht, damit wir guten Gewissens die Grenze nach Western Australia überqueren können. Jetzt macht sich Brigitte Sorgen wegen des Staubs auf dem Auto.
Wolken ziehen auf und mit dem Ende des Abendessens und der zugehörigen Tätigkeiten wie Spülen ist der Himmel fast ganz bedeckt. Da ist wenig Chance auf einen erneuten wunderbaren Sternenhimmel. Vielleicht sind die Bremsen deshalb heute so hartnäckig und wollen nicht verschwinden. Erst als es schon fast dunkel ist, haben wir Ruhe.
Gegen 21.00 Uhr sind dann doch fast alle Wolken verschwunden.

Mittwoch, 24. September

Aboriginal Kunst
Beim Aufstehen kurz nach Sonnenaufgang - folglich etwas später als gestern - werde ich sofort von Fliegen überfallen. Am Morgen finde ich sie schon arg nervig, ansonsten geht es, so lange sie nicht darauf aus sind, in meine Augen zu krabbeln.
20 nach acht sind wir unterwegs, weiter nach Westen. In Top Springs eine kurze Pause (auch hier gibt es kein Repellent), dann weiter Richtung Timber Creek. Am Jasper Gorge wollen wir übernachten, das ist nicht mehr sehr weit.
Das runde Schild, das letztes Jahr in Richtung Pigeon Hole gezeigt hat, zeigt jetzt "nur noch" zu Conn's Yard, das war damals das Ende unseres Versuches, quer durch Gras und Bush auf kürzerem Weg an unser Tagesziel zu kommen. Jetzt, 17 Monate später, sieht alles ganz anders aus, weil es ziemlich trocken ist. Nur bei der Überquerung des  Dashwood müssen wir knöcheltief durch Wasser fahren. Ebenda begegnen wir zum ersten Mal heute einem anderen Verkehrsteilnehmer.
Bei "Victoria River Downs", einer Station, stehen neben vielen Fahrzeugen fünf Hubschrauber vor der Anlage, zwei davon sind abflugbereit. Die Cessna 182 RG ist im Hangar sicher vor der Sonneneinstrahlung. Die kleinen, maximal zweisitzigen, Hubschrauber dienen zumindest zu einem Teil ihres Daseins der Überwachung der Herden und der ausgedehnten Weiden.
Schon sind wir am Camp Ground am südlichen Ende von Jasper Gorge. Natürlich ist niemand da und natürlich sieht es völlig anders aus, als wir es in Erinnerung hatten. Dennoch richten wir uns hier ein. Unmittelbar am Rande des Campground hat der Jasper Creek noch Wasser und das hat mit der Folge, dass es hier Bremsen und später sicherlich auch Mozzies gibt. Angesichts des fehlenden Repellent ist das ungeschickt. Im Zweifelsfall müssen wir uns in den Landcruiser zurückziehen. Dafür ist eine reiche Vogelwelt vorzufinden. Das hier ist ja nahezu ein Paradies, besonders mit Blick auf die Trockenheit der Umgebung. Allerdings sind die Vögel wie so oft auch hier mehr zu hören als zu sehen.
Die bei der Einfahrt angebrachte Krokodilwarnung ist jedenfalls hier und jetzt nicht mehr ganz ernst zu nehmen, dafür ist der Wasserstand zu niedrig. An der Stelle, wo man ans Wasser kommt, ist über eine Strecke von etwa 20 Metern noch nicht mal 30 cm Wassertiefe, das reicht selbst jungen Crocs nicht für einen Angriff.
Im Laufe des Nachmittags fährt ein Auto auf den Platz, dreht eine Runde und verschwindet wieder Richtung Süden. Später fährt ein anderes Auto vorbei, das war es mit dem heutigen Verkehr. Zusammen mit den Fliegen verziehen sich auch die Bremsen, die Brigitte am Nachmittag ins Auto vertrieben hatten.

Dienstag, 23. September

Gegen sechs beginnt die Dämmerung, um halb 7 geht die Sonne auf, kurz vor halb neun sind wir unterwegs. Vorher waren noch ein paar Sittiche auf einem Baum in der Nachbarschaft, ansonsten sind hier keine Vögel (zu sehen und zu hören). Dabei gibt es einiges an Nahrung: Zwei große Qandongs hängen voller Früchte, manche Bäume haben ausgebildete Samenträger an sich hängen, wieder andere blühen bereits. Auch Kängurus machen sich hier rar, keine Spuren weit und breit.
In Hi-Way Inn tanken wir, dann versuchen wir Repellent-Spray zu bekommen, gegen Mozzies, auch wenn wir bisher nur wenig Bedarf hatten. Aber Repellent ist aus. Auch in Daly Waters und Dunbarra, den beiden benachbarten Roadhouses, ist es so.
Jetzt zeigt die Nase unseres Bushi wieder konstant nach Westen, wir fahren den Buchanan Highway entlang, dabei kreuzen wir die Bahnstrecke Alice - Darwin. Die Strecke ist einspurig, der Übergang unbeschrankt, allerdings mit Warnleuchte am Abdreaskreuz versehen und vor und nach dem Gleis zwanzig Meter asphaltiert. Immerhin ist das Australiens zweitwichtigste Fernverbindung!
Als wir eine größere Kuhherde passieren, installiere ich die Action Cam, aber aus Mangel an Übung stelle ich später fest, dass ich sie nicht eingeschaltet hatte. Mist! Fast jede der Kühe hat ein Kalb, manche haben auch noch Nachwuchs vom letzten Jahr dabei, eine bunt gemischte Herde. Am Ende zwei Drover, ein Mann und eine Frau, auf Pferden. Wenig später wird der Wald aufgeräumt, alles ist schwarz, an manchen Stellen raucht es noch. Auf eine Strecke von fast 100 Kilometern ist rechts und links der Piste fast alles Unterholz, alles alte Gras beseitigt. Ich sehe ein, dass es notwendig ist, das zu machen, aber es hätte ja nicht heute sein müssen.
Dennoch finden wir 42 km vor Top Springs eine einigermaßen unbeschädigte Stelle abseits der Straße, wo wir uns für die Nacht hinstellen können. Es ist erst halb drei, aber da es so früh dunkel wird, sind die Abläufe ein wenig abweichend von unseren europäischen Gewohnheiten.
Durch die 50 Kilometer, die wir weiter im Westen sind, wird es etwas später dunkel und entsprechend hat das Kreuz des Südens heute keine Chance, die beiden untersten Sterne kommen nicht mehr zum Vorschein.
Als ich gegen Morgen, aber noch vor der Dämmerung, mal rausgehe aus dem Bushi, steht Orion fast genau über uns. Woran liegt es eigentlich, dass wir von der fast unglaublichen Geschwindigkeit, mit der wir uns durchs Weltall bewegen, im Grunde nichts merken?

Montag, 22. September

Aber auch mit frisch geladenem Mobile gelingt es mir nicht zu posten. Wir haben zwar ein Netz und zum Telefonieren würde es vermutlich auch ausreichen, aber der Datentransfer ist viel zu schwach, um an ein Posten zu denken. Vielleicht eine schwache Ausrede.
Während wir frühstücken, machen sich die beiden in dem Britz-Landcruiser auf den Weg. Also geht Brigitte hin um ihre Whereabouts zu erfragen. Ein deutsches Paar, ich schätze mal um die siebzig, die ähnlich wie wir das Land erfahren, allerdings in kürzeren Etappen, diesmal sind es 10 Wochen. Sie sind auf dem Weg nach Queensland, umdort nach Cape Yorck zu fahren. Dass Britz das erlaubt!
Wir tanken dann doch in Boroloola, der Preis ist nicht so viel höher als bisher und am Stuart Hwy ist es sicher nicht billiger. In den SUB - und nur den betanke ich - passen 89,25 l, er war also wirklich leer. Gut zu wissen, wie die Anzeige dann aussieht. Jetzt muss ich das gleiche für den MAIN durchführen, dann kenne ich das Auto schon besser. Aber offensichtlich braucht er bei ähnlicher Fahrweise und ähnlichem Anforderungsprofil etwas mehr Sprit als sein Vorgänger. Das kann eine Einstellung am Motormanagement sein.
Nach einem ausgedehnten Besuch in der örtlichen Galerie indigener Künstler, Waralungku, fahren wir weiter. Manche der Bilder sind wirklich beeindruckend, sowohl vom Ausdruck als auch von der Technik. Vor allem die Punkttechnik zeugt von einer unendlichen Geduld. Die Sprache der hiesigen Bevölkerung ist Garrawa. Alles Geschriebene ist allerdings nur eine Annäherung, denn die Australischen Ureinwohner kannten keine Schrift - bis die Weißen kamen.
Die Bilder wiederholen sich: Camping in Boroloola
Auf nach Westen. Brigitte fährt ihre ersten Kilometer und das auf dem Carpentaria Highway, der meist in der Form einer "Single Lane Bitumen" angelegt ist: Nur ein Asphaltstreifen von der Breite eines Roadtrains und befahrbare Bankette daneben. Was passiert, wenn man sich begegnet? Nun, das ist unterschiedlich: Zwei PKWs geben im Allgemeinen beide einen Teil der Fahrbahnfrei und fahren mit den linken Rädern auf der Piste. Einem Roadtrain gehört die Piste, das heißt, als kleinerer Verkehrsteilnehmer verlassen wir den asphaltierten Bereich und lassen den Roadtrain vorbei. Kritisch ist es, wenn sich zwei Roadtrains begegnen, das stelle ich mir schon furchterregend vor: Zwei Achtzig-Tonen-Kolosse, die mit neunzig Stundenkilometern aufeinander zu rasen und nur eingeschränkte Manövrierfähigkeiten haben... Immerhin, die meisten sind wohl nicht ganz bis an die Grenze beladen, die Viehtransporter, die uns entgegenkommen, sind alle leer. Absprachen zwischen den Fahren sind vorstellbar, aber nicht realistisch wegen des Zeitdrucks unter dem die Fahrer stehen. Also spricht alles für ein zeitbasiertes System: 2 Stunden in die eine Richtung, 2 Stunde in die andere. Oder besser vier- stundenweise, denn vier Stunden reichen den meisten Roadtrains für die Strecke von Hi Way Inn bis Cape Crawford. Dort sind jeweils große Parkflächen. Als wir in Cape Crawford vorbeikommen, stehen dort sechs Roadtrains Richtung Hi Way Inn.
100 km vor dem Erreichen des Stuart Hwy biegen wir in Sichtweite eines Telegraphenmastes nach links ab und beziehen ein Bushcamp etwas abseits der Straße im Schatten eines großen Eukalyptusbaumes. Wir sind hier nicht ganz sichtgeschützt, aber es ist ja ohnehin fast kein Verkehr. Bis zum Einbruch der Dunkelheit kommen sechs Fahrzeuge vorbei, später dann noch drei weitere.
Seltsame Fliegen gibt es hier, sie sammeln sich an meinem linken Knöchel und dort sind sie auch völlig apathisch und lassen sich einfach erschlagen. An anderen Stellen benehmen sie sich völlig normal.
Das Kreuz des Südens ist heute erstmals deutlich zu sehen. Als eines der ersten Sternbilder liegt es über dem südlichen Horizont, die beiden Pointer, Alpha- und Beta-Centauri fast senkrecht über sich. Rund eine Stunde später ist es unter dem Horizont verschwunden. Der Sternenhimmel ist hier bemerkenswert schön, besonders dann, wenn er wie heute bei uns von keiner Lichtquelle gestört wird.

Sonntag, 21. September

Als ich aufstehe, sieht die Lost City völlig anders aus: Die Sonne bestrahlt sie flach von vorn. Auch die australische Reisegruppe (Mutter Ros ist  Schriftstellerin und arbeitet in einem Projekt für frühkindliche Erziehung in Boroloola, Vater John ist Ire, allerdings mit indischem Einschlag, Tochter Julia ist Profitennisspielerin und Sohn Jim, dazu kommen Ros' Freundin Anne und der Guide Jakob) ist schon am Packen. Wir frühstücken und machen uns dann auf den Weg, aber nicht ohne uns verabschiedet  und noch gegenseitig Fotos gemacht  zu haben. Jakob ist schon außergewöhnlich: Er sieht uns an, er spricht mit uns, er ist freundlich und er lässt sich fotografieren. Aber dennoch weiß er noch viel von dem Wissen der Vorfahren und gibt es auch weiter.
Außer uns ist niemand zu sehen unterwegs. Kurz bevor wir den Park verlassen stehen links zwei Motorradfahrer mit Panne, aber wir können ihnen nicht helfen, sie sind auch schon fertig. Schon biegen wir ab auf den Carpentaria Hwy Richtung Boroloola und verlassen deshalb den Savanah Way. Vor Boroloola fahren wir geradeaus nach Bing Bong. Im Atlas steht "Loading Facility" und genau das ist Bing Bong: Die Verladestation einer Mine. Aber nicht von Land aufs Schiff, z. B. auf Schuten, sondern von Land auf Road Trains. Ein solcher hat uns vorhin in voller Fahrt überholt, er war wohl leer. Am Wegrand stehen sechs Brolga, aber ihre Fluchtdistanz ist unverändert hoch, sie lassen mich nicht sonderlich nahe an sich heran. Aber da geht eine kleine Piste ab Richtung Wasser, wir probieren es und kommen an eine Stelle, wo Boote in den McArthur River gelassen werden. Von hier gibt es eine Verbindung zur Sir Edward Pellew Insel.
Wir beobachten eine Weile das Geschehen, und kommen auch mit einem der Angler ins Gespräch. Ich frage nach Crocs, Krokodilen, er sagt, draußen gäbe es eine Menge und wohl auch auf der anderen Seite des Flusses. Zumindest will er gestern Abend jede Menge Augen gesehen haben. Ich denke, für viele der Angler auf dem Golf ist es jetzt Zeit zum Aufbruch nach Hause, es sind ja doch einige Kilometer bis in bewohnte Gegenden, deshalb ist an der Boat Ramp relativ viel Betrieb.
Brigittean Batten Point am McArthur River
Auf der Rückfahrt nach Boroloola, wo wir auf dem Campingplatz übernachten wollen, machen wir einen Abstecher zu Batten Point. Dort gibt es: einen Tennant Creek Fishing Club, eine Alice Springs Outback Anglers Association, und sonst noch einige Clubs und Einrichtungen. Natürlich auch das übliche Camping Ressort, aber nur für Mitglieder. Vorne am McArthur River werfe ich einen Stock ins Wasser, um die Strömung zu testen. Der Stock taucht in meiner Richtung wieder auf und wird von einem mehr als zwei Meter großen Fisch verfolgt, möglicherweise ist es ein Barracuda oder einfach ein Wels. Zuerst dachte ich, ein Croc kommt angeschwommen, aber es war nur ein großer Fisch. Vielleicht hatte ich ihn mit dem ziemlich großen Holzstück getroffen. Nach einer Weile trollt er sich wieder.
Batten Point ist "our most easterly point" auf dieser Reise, der östlichste Punkt, den Rest werden wir wie auch immer und wo auch immer weiter westlich verbringen.
Boroloola hat sich seit 1. Mai 13 nicht wirklich verändert, jedenfalls soweit ich das beurteilen kann. Das Wuselige fehlt, aber das liegt vermutlich daran, dass heute Sonntag ist.
Auf dem Caravan Park ist, nachdem wir uns eingerichtet haben, immer wieder  ein merkwürdiges Geräusch zu hören. Es klingt ähnlich wie viel Flatterband oder Folie, die im Wind flattert oder eine losgerissene Zeltbahn. Brigitte ist etwas besorgt. Erst als ich schon bei den Vorbereitungen für das Abendessen bin, finden wir heraus, was es ist: Nicht mal 200 m neben uns brennt das Unterholz. Vermutlich ist es ein bewusst entzündetes Buschfeuer, um Wildfeuer zu vermeiden. Es wundert mich nur, dass das trotz diesen starken Windes entfacht wurde. Aber offensichtlich ist alles in Ordnung, von den Aussies, zumindest den hier Ansässigen, scheint sich niemand Sorgen zu machen. Gegen neun ist der Spuk weitgehend vorbei.
Über all dem habe ich glatt vergessen, nachzusehen, ob wir ein Netz haben. Und als ich dann nachsehe, ist das Handy leer - dumm gelaufen

Samstag, 20. September

Hibiskusblüte am Wegesrand
Da wir heute nur einen "kurzen" Fahrtag haben, lassen wir uns Zeit mit dem Aufbruch. Die Lage hier am Fluss - auch wenn wir nicht am Fluss stehen - ist einfach zu schön. Es gibt jede Menge Känguru- und Vogelspuren am Ufer, von Krokodilen ist nichts zu sehen. Möglicherweise ist der Wasserstand schon so niedrig, auch wenn es nicht so aussieht, dass sie sich in den Golf zurückgezogen haben.
Es wird sehr warm heute, sicherlich über 35 Grad, Brigitte spricht von 43. Gemütlich fahren wir nach Süden, halten an, wenn es uns gut gefällt. So sollte es ja auch sein. Das Lan hier ist einfach schön, unbeschreiblich schön. Und dann, mittendrin eine Kreuzung mit einer riesigen neuen Piste, gesperrt für den "normalen" Verkehr. Western Desert scheint hier mitten im National Park nicht nur nach Bodenschätzen zu suchen, sondern sie auch bereits abzubauen. Auf den Schildern wird vor "big off road trucks" gewarnt, ich sehe sofort die Trucks der Super Pit in Kalgorlie vor mir.
Unterwegs treffen wir zwei Polizisten, ich weiß nicht, was sie hier in die Einsamkeit verschlagen hat, wir unterhalten uns ein wenig mit ihnen, dann fahren wir weiter, um wenig später das Schild mit dem Hinweis "Butterfly Spring" zu sehen. Nichts wie hin, angeblich kann man dort sogar schwimmen. Allerdings sind schon Leute da, eine private Reisegruppe mit eingeborenem Führer. Und flugs sind wir eingebunden. Vor drei Monaten waren sie in Heidelberg. Ein Monitor klettert bedächtig ins Wasser, an den Resten des Wasserfalls bemüht sich ein weißer "suphur crested" Kakadu um die Reste des Wassers und an einem Felsen sitzen Tausende schwarzer Schmetterlinge. Als ich zu nahe komme, fliegen sie auf und bespucken mich. Als noch eine Gruppe kommt und das Wasser stürmt, junge Australier mit Bierdosen, brechen wir auf und fahren weiter nach Süden, Southern Lost City, eine bemerkenswerte Felsformation inmitten grüner Bäume, ist unser heutiges Ziel. Dort gibt es direkt bei den Felsen einen Campground. Es gibt hier noch eine zweite "lost City", nämlich Western Lost City, die man von der Southern aus sogar sehen kann. Nur der Besuch - Übernachtungen dort sind nicht erlaubt - ist schwierig zu organisieren: Man muss sich dafür einen Schlüssel bei den Rangers in Nathan River holen, die sind aber nur zwischen neun und zehn Uhr am Vormittag vor Ort bzw. ansprechbar. Egal, woher man kommt, das ist ein echtes Hindernis. Und zudem ist die Abzweigung nicht ausgeschildert.
Southern Lost City
Am Nachmittag, als wir schon lange an unserem Tagesziel sind und bereits einen Spaziergang durch Lost City gemacht haben (ausgeschildert mit 1,5 Stunden, wir brauchen knapp 45 Minuten, sind also nicht zu langsam durchgewandert), kommt wieder der tägliche Wind auf, dafür lösen sich die Wolken, die in den vergangenen zwei Stunden aufgezogen sind, wieder auf. Ich lese mal wieder ein paar Kapitel, denn mit dem Kochen muss ich noch warten. Es ist schwierig: Ich muss rechtzeitig anfangen, damit wir vor Dunkelheit essen können, aber spät genug, damit uns der Wind den Gasherd nicht ausbläst. Die Sonne geht hier, etwas südlicher und um einiges östlicher als Darwin, nämlich bereits um Viertel nach sechs unter, und kurz danach ist es dann auch schon dunkel. Wir haben mit dem Erreichen unseres Stellplatzes die ersten tausend Kilometer hinter uns gebracht.
Ganz lösen sich die Wolken im Westen heute nicht auf, zumindest nicht während wir vor dem Auto sitzen und den Sternenhimmel genießen.

Freitag, 19. September

Nach Frühstück und Zusammenpacken verabschieden wir uns von dem Wiesbadener Ehepaar, mit dem wir gestern am thermal pool lange gesprochen haben. Sie verlängern ihren Aufenthalt hier in Mataranka um einen Tag. Er stellt fest, dass es gut ist, wenn man sich einfach so entscheiden kann, wie es weitergeht.
Über den Stuart und den Roper Hwy fahren wir Richtung Roper Bar, lassen den Shop, denn mehr ist ja außer Tankstelle und  Campingplatz ja nicht, im wahrsten Sinne links liegen und fahren weiter in den Limmen National Park. Kurz vor Tomato Island steht ein Fahrzeug am Rand, ich bremse ab, halte aber nicht an, weil das Winken mir eher ein Gruß zu sein scheint. Außerdem war unsere letzte Nachfrage, 20 Minuten vorher, nicht wirklich willkommen gewesen. Ob es in diesem Fall besser gewesen wäre zu halten - ich werde es wohl nie erfahren. Aber hinter mir ist noch ein Auto (eben der, bei dem wir zuvor gefragt hatten), der hält, und damit ist ja gut.
Die Gegend ist wie im letzten Jahr, nicht ganz so grün zwar und noch leerer. Aber die Piste ist kaum wiederzuerkennen: Stark corrugated ("wellblechartig"), manchmal sehr sandig und knochentrocken. Jedenfalls bis zum Little Towns River, die Durchfahrt ist etwa 10 cm tief mit Wasser bedeckt. Und am Towns River, dessen Durchfahrung letztes Jahr das Unternehmen "Limmen National Park" endgültig zum Scheitern brachte, führt auch Wasser, aber das steht nicht mehr als 20 cm über der Fahrbahn. Ich schalte noch nicht mal den Vierradantrieb ein. Wenig später kommt der Hinweis auf den Campground, an dem wir heute übernachten wollen. Seit Tomato Island haben wir kein Auto mehr gesehen. Hier am Towns River sieht es auch ganz einsam aus, allerdings stellt sich nachher heraus, dass weiter drin auf dem Campground, direkt am Ufer des hier recht breiten und ziemlich trägen Flusses, eben des Towns River, sich sechs verschieden Parteien  eingerichtet haben. Alle haben ein Boot dabei und sind zum Teil auch auf dem Wasser und angeln.
Am Towns River
Eigentlich gibt es hier Krokodile, Salties, und deshalb traue ich mich nicht direkt und ebenerdig ans Wassers, auch wenn ich davon ausgehe, dass bei den vielen Menschen die Krokodile nicht auftauchen. Es ist sehr ruhig und friedlich hier.
Vor dem Kochen sammle ich Holz, vielleicht können wir nachher ein Feuer anzünden.
Das lassen wir dann allerdings bleiben, obwohl es kühl genug dafür wird. Aber zuerst stehen wir am Towns River und betrachten den ruhig daliegenden Fluss und darüber den wunderbaren Sternenhimmel mit vielen unbekannten Sternbildern. Und nachher ist es schon zu spät für das Feuer. Außerdem haben wir beide leichte Bedenken, dass es doch zu trocken ist für ein Feuer unter Bäumen.

Donnerstag, 18.September

Um Viertel vor sechs ist der Himmel im Süden schon zu hell, um noch Sterne sehen zu können. Dafür kann ich schon recht vielerkennen, auch, dass noch keine Känguruhs zu sehen sind. Die Radfahrerin packt ihr Zelt zusammen.
Später lässt sich die Mama doch noch mal sehen und diesmal sogar fotografieren. Anfangs steckt das Joey verkehrt herum im Beutel, nur ein Teil des Schwanzes ist zu sehen. Das sieht merkwürdig aus. Später schaut es dann richtig heraus und auch sine Vorderpfoten sind zu sehen.
Gemütlicher Ablauf ohne Überfall beim Frühstück, erst kurz vor zehn machen wir uns auf den Weg.
In Katherine vervollständigen wir unsere Ausrüstung und die Vorräte, dann mache ich mich daran, was in den Blog zu schreiben. Allerdings habe ich mir durch mehrfache Anmeldeversuche den Zugang gesperrt, das ist jetzt schwierig, denn mein Mobile mit der deutschen Nummer ist hier natürlich nicht operabel, ich brauche es aber mit der australischen SIM-Karte als Router. Was tun?
Nach längerem Hin- und Her funktioniert es wieder, ich kann posten. Wenig später bricht der Laptop mangels elektrischer Energie zusammen.
Frühstücksbesuch in Mataranka
Wir tanken, denn hier gibt es noch "verbilligten" Sprit, der ohnehin schon preiswerter ist als voraussichtlich in der nächsten Zeit, dann fahren wir nach Mataranka, etwa 100 km südlich. Dort gibt es eine Thermalquelle, die wollen wir noch mal aufsuchen, bevor es für ein paar Tage ohne schwimmen gehen muss.
Der Platz ist viel leerer als vergangenen April, als wir uns hier mit Werner getroffen haben, aber das Thermalbecken ist dennoch voll - viele Tagesgäste, darunter eine deutsche Gruppe, 12-köpfig.
Bei der Vorbereitung des Abendessens bekommen wir Besuch von zwei Wallabies, einer mit abgeknicktem Ohr; aber wo ist Dodger?
Abends versehe ich den Blog von heute Mittag mit Bildern. Brigitte kommt vom Waschhaus und sagt, dass da eine große Schlange auf dem Weg sei. Schon beeindruckend, etwa 3m lang, mit einem Durchmesser von etwa 10cm an der dicksten Stelle, dabei aber ein sehr schmaler Kopf - und total uninteressiert an den beiden Menschen, die sie ansehen. Sie durchstöbert die vielen aufgehäuften Blätter, vermutlich auf der Suche nach Futter. Hier oben im tropischen Northern Territories (NT) verhalten sich die Bäume ähnlich wie bei uns. Sie sind eigentlich immergrün, doch jetzt, Ende September, werfen sie einen großen Teil ihrer Blätter ab. Der Grund dafür dürfte die große Trockenheit kurz vor der Regenzeit, der "wet season", sein. Die Bäume nutzen das wenige zur Verfügung stehende Wasser zur Aufrechterhaltung ihrer Vitalfunktionen. Mit dem bald einsetzenden Regen wachsen wieder neue Blätter.










Donnerstag, 18. September 2014

Donnerstag, 18. September 2014

Drei Monate, das klingt viel für eine Reise, aber vor Ort sieht das ganz anders aus.
Wir sind, Anreise mit inbegriffen, bereits den fünften Tag unterwegs und erst jetzt komme ich dazu, was zu schreiben. Heute übernachten wir am westlichen Rand des Nitmiluk National Park, im Lelyin National Park, besser bekannt unter dem Namen Edith Falls.  Knapp 40 Kilometer nördlich von Katherine, also sozusagen bei einer größeren Ansiedlung, ist dennoch an Posten überhaupt nicht zu denken, seit Darwin haben wir kein Netz mehr.
Was bisher geschah:
Wenige Minuten nach neun am Morgen des 13. September fahren wir los, Michael am Steuer, wir wie im Taxi auf der Rückbank. Michael fährt sehr defensiv, aus meiner Sicht fast zu langsam. Egal. Vor Halle B steigen wir aus (C wäre besser gewesen, aber da war gerade ein Platz frei),  Einchecken - diesmal gibt es keinerlei Probleme mit den Visa, zusammen haben wir 34,5 kg Gepäck - Sicherheitsüberprüfung und dann Warten auf den Abflug in der Lounge an B44. B46 ist unser Gate. Ganz pünktlich geht es los. Nach dem Mittagessen und zwei Filmen im Bordprogramm ist es im Flugzeug dunkel und still, auch ich lege mich zum Schlafen hin, auch wenn es schwer fällt.
In Singapore am Sonntagmorgen ist trotz der frühen Zeit viel los. Wir fahren mit dem Bähnchen zum Terminal 2, so haben wir dort viel Zeit uns umzusehen. Unser Weiterflug mit Silkair ist noch nicht mal an den Anzeigetafeln zu sehen.
Warten auf den Weiterflug
Überdimensionale Blumenvase in Changi Airport
Ein relativ kleines Flugzeug, zumindest im Vergleich mit dem A380-800 ist der Airbus A320-200 fast zierlich zu nennen. Entsprechend niedrig ist die Zahl der Passagiere. Der Flug über die Timorsee dauert nur etwas mehr als vier Stunden. Um Filme ansehen zu können, kann man sich hier mit seinem Mobile, PC oder Pad ins Bordnetz einwählen und den Film auf dem eigenen Endgerät ansehen. Interessantes Modell.
Etwa eine Stunde vor der Landung fliegen wir an einer langen Kette kleiner Koralleninseln entlang. Auf manchen gibt es Ansiedlungen, einige scheinen unbewohnt zu sein. Was ist das? Die Stewardesse wird's nicht wissen, also frage ich vorsichtshalber nicht nach. Und schon sind wir da.
Immigration, Gepäck empfangen, Passkontrolle, alles wie immer. Die üblichen Fragen: Habe Sie Fleisch oder Früchte dabei? Haben Sie Stiefel mit erde in ihrem Gepäck? Wo werden Sie wohnen in Australien (der Name des Hotels für die erste Nacht reiht schon)? Das Taxi kostet 10% mehr als angezeigt: Sonntagszuschlag. Im Hotel klappt alles. Wir machen noch einen Spaziergang, stellen fest, dass die Sonne um 18.45 OZ (7,5 Stunden vor MESZ) untergeht und dass es etwa 20 Minuten später stockdunkel ist. Das war's dann schon für heute, wir legen uns hin.
Am Montag wachen wir, bedingt durch die schlechte Nacht - beide haben wir Problem mit der Zeitumstellung, das wird auch noch ein paar Tage so bleiben - tehen wir erst nach acht auf. Das macht aber nichts, denn im Büro von TCC bekommen wir erst um halb 10 Antwort. Das Auto steht abholbereit. TCC teilt sich das Büro mit Boomerang, dem anderen mir bekannten Langzeit- und individualvermieter. Was ist anders? Im Kleingedruckten steht jtzt, dass Old Telegraph Track, Canning Stock und Fraser Island nicht erlaubt sind. Das war letztes Jahr noch nicht Bestandteil der Mietbedingungen und steht auch so nicht im Vertrag. Bruno wird wohl auch älter…
"Unser" Landcruiser, genannt Bushi
Wir fahren nach Darwin und besorgen uns bei Coles unseren Grundbedarf, versorgen uns in der Pharmacy mit den notwendigen Medikamenten und kaufen bei Telstra eine Prepeaid-SIM-Karte für mein iPhone. Das funktioniert anfangs nicht richtig, also gehe ich nch einm ersten Strandbesuch noch mal in den Shop, jetzt ist es gut.
Knapp südlich von Darwin, in Virginia, mieten wir uns auf einem Campingplatz ein und räumen unsere Sachen sinnvoll ins Auto. Es ist sogar noch Platz. Die Materialien für das Moskitonetz für die Hecktür haben wir auch schon, aber dafür reicht es heute nicht mehr.
Das erste Frühstück im Freien
Am Dienstag sind wir wieder sehr spät dran, das fällt aber außer uns niemandem auf. Wir fahren über die Nordstrecke in den Litchfield National Park. Beim letzten Besuch im April 2013 stand hier alles unter Wasser, jetzt sind alle Strecken befahrbar und wir und die anderen Besucher dürfen in den Pools überall baden. Plonge Pools sind die natürlichen Becken am Fuße eines Wasserfalls, dort ist, wenn es wie jetzt kurz vor der Regenzeit keine Salzwasserkrokodile gibt, normalerweise das Schwimmen und Baden erlaubt.
Wangi Falls im Litchfield National Park
Wir treffen das Ehepaar wieder, das auf dem Flug von Singapore nach Darwin vor uns saß. Sie sind aus Niederlande und machen nach dem bei einem Aboriginal-Unternehmen gebuchten Abstecher hier in die Natur eine Kulturreise. Morgen geht es nach Cairns, einige Tage später dann für zwei Wochen nach Sydney, mit Konzerten und Museumsbesuchen. Am Wangi Falls, wo wir uns für die Nacht "eingenistet" haben, kommen wir nach einem angenehmen Schwimmen, das Wasser hat etwa 25 Grad Celsius, ins Gespräch mit einer Schweizerin, sie war drei Monate in Australien unterwegs, meist mit vorgebuchten Touren, bleibt jetzt noch zwei Tage in Darwin, fliegt von dort für eine Woche nach Perth und muss danach zurück nach Mitteleuropa. Ich hab ja immer noch Angst beim Schwimmen im freien Wasser, aber ich kann mich doch inzwischen überwinden und genieße es dann auch.
Die Wolken, die gestern Nachmittag ähnlich wie am Vortag aufgezogen sind, haben sich vollständig aufgelöst, ein strahlend blauer Himmel erstreckt sich über uns. Als ich gerade dabei bin, mir beim Frühstück eine Scheibe Käse abzuschneiden, kommt ein Falke von oben, will sich wohl den Käse schnappen, schafft es aber nicht und wirft "nur" unsere Teekanne vom Tisch. Darüber erschreckt er sich mindestens ebenso wie wir und so bleibt er erstmal verschwunden. Später baumt er über uns auf und beäugt uns sehr genau. Aber einen weiteren Versuch, einfach an Futter zu kommen startet er dann doch nicht, stattdessen fliegt er nach einer Weile in immer größeren Kreisen davon.
Auch wir brechen auf, Richtung Süden. Einem Besuch bei Tonger Falls folgt die Fhrt zum Tanyera Fall, aber den dort vorgesehenen Walk von (einfach) zwei Stunden tun wir uns dann doch nicht an. Stattdessen geht es weiter nach Süden. Reynalds River, den wir durchqueren müssen/dürfen, führt hier oben im Norden noch ziemlich viel Wasser. Mehrmals wir die vordere Stoßstange überspült. Diese Stoßstange ist außergewöhnlich: Nicht wie sonst üblich schwarz gestrichen, sondern polierter Edelstahl. Bei Sonne schräg von hinten kann das dazu führen, dass ich am Fahrersitz geblendet werde. Geblendet ist leicht übertrieben, weil durch die Rundung das Sonnenlicht gestreut wird. Die 50 km bis zum südlichen Ausgang aus dem Park auf der Reynolds River Road sind anspruchsvoll. Ich verstehe allerdings nicht, warum immer wieder Bumps aufgeschoben sind. Manch einen sehe ich zu spät, dann wird der Wagen gut durchgeschüttelt. Nichts geht kaputt, das zeigt, dass wir gut gepackt haben.
Über die Dobat Road fahren wir zum Stuart Hwy und auf diesem weiter nach Süden. Pause in Hayles Creek (da ist dort, wo es die Jack Daniels Zapfsäule gibt) und wenig später in Pine Creek, wo wir auch gleich Tomaten fürs Abendessen einkaufen.
Nachdem wir uns auf dem Platz hier eingerichtet haben, gehen wir zum Schwimmen und genießen auch hier das wunderbare Wetter. Der Wasserstand ist um etwa einen Meter niedriger als bei unserem letzten Besuch hier und auch die Brücke für den Rundweg ist wieder aufgebaut. Bei uns würde ein solches Geländer nie und nimmer genehmigt werden: Da kann jeder, der nicht aufpasst, ganz leicht durchfallen in das nicht sehr tiefe Wasser eineinhalb Meter unter der Brücke. Als ich aus dem Pool komme, scheint der Wind kühl zu sein, doch wenig später ist er wieder richtig warm - wenn meine Haut getrocknet ist.
Eine Wallabie-Mama mit Joey im Beutel mag nicht fotografiert werden: Zuerst ist sie neugierig, aber als ich in Position bin und die Kamera bereit habe, ist sie weggehoppelt. Schade, vielleicht klappt es später oder morgen früh. Heute kocht Brigitte.
Abends sitzen wir vor dem Auto und genießen den wunderbaren Sternenhimmel. Das Kreuz des Südens macht sich rar: Es steht unter dem Horizont. Erst morgen früh kommt es hoch, aber da wird es schon hel